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Politik Inland
03/05/2021

Sie sollen Österreich durchimpfen: Schaffen das die Ärzte?

Im zweiten Quartal sollen täglich bis zu 100.000 Impfungen verabreicht werden. Geht sich das mit 6.200 vernetzten Vertragsärzten aus?

von Christian Böhmer

Der Impfstoff Astra Zeneca darf und soll auch bei Menschen jenseits der 65 verwendet werden – sofern diese eine Impfung wünschen. Nachdem das "Nationale Impfgremium" am Freitag diese seit Längerem absehbare Entscheidung getroffen hat, wird sich in den nächsten Tagen auch das Publikum bei den Impfungen ändern.

Wie berichtet sind einzelne Bundesländer vorübergehend dazu übergegangen jüngere Menschen wie Lehrer und Kindergartenmitarbeiter zu impfen, damit die Astra-Zeneca-Dosen nicht in den Lagern bleiben.

Mit der nun getroffenen Klarstellung soll das wieder vorbei sein. „Die Älteren und Risikopatienten haben nun absoluten Vorrang“, ventilierte Bundeskanzler Sebastian Kurz nach einem Gespräch mit den Landeshauptleuten.

Der Regierungschef ist ein klarer Verfechter der These, wonach besser nach Alterskohorten und nicht nach „Systemrelevanz“ geimpft werden sollte.

Dem Vernehmen nach herrscht diesbezüglich aber ohnehin Einigkeit unter den Bundesländern – zumal paktiert worden ist, dass all jene, die sich mittlerweile einen Impftermin organisiert haben, die Impfung jedenfalls bekommen sollen.

Abgesehen von der Frage wer geimpft wird, ist derzeit in der Regierung noch ein Thema, wie geimpft wird, oder konkreter: durch wen. Denn während derzeit pro Tag rund 23.000 Menschen (Stand: 4. März) eine Schutzimpfung erhalten, soll diese Zahl – bedingt durch die großen Liefermengen im März – schon bald auf das Dreifache anwachsen.

Dem nicht genug, könnte es dazu kommen, dass an manchen Spitzentagen bis zu 100.000 Impfungen zu erledigen sind. Und das wiederum führt zu der Frage: Ist das für die 6.200 niedergelassenen und digital vernetzten Ärzte wirklich machbar? Oder müssten nicht – wie schon bei den Antigen-Tests – die Apotheken „einspringen“, um kurzfristig eine größere Zahl an Impfenden bereitzustellen?

Scharfe Absage

Fragt man die Ärzte, dann ist die Antwort klar: Sie lehnen derlei kategorisch ab. Es gebe gute Gründe, warum das Gesetz nur Ärzten und gut ausgebildeten Mitarbeitern der Gesundheitsdienste erlaubt, Injektionen zu setzen. In der Bundesregierung ist man überzeugt, dass solche Notmaßnahmen, also Impfungen durch Apotheker oder Sanitäter, vorerst nicht vonnöten sind.

An der Peripherie, so heißt es, wird es nach dem Vorbild der Teststraßen auch regionale Impfstraßen geben. Und die Hausärzte würden beim Impfen insofern aufs Tempo drücken, als sie entweder in den genannten Impfstraßen selbst tätig werden oder spezielle Impftage definieren, an denen sie ihre Ordination ausschließlich zum Impfen öffnen.

Als wesentliche Hilfe wird die Struktur der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) gesehen – sie soll ihrerseits Impf-Stützpunkte einrichten.

„Der wichtigste Schritt war für uns, dass wir in jedem Bundesland via Internet und Telefon eine zentrale Termin-Vergabe eingerichtet haben“, erzählt ein Stratege aus dem Krisenstab. „Damit ist gewährleistet, dass es nicht allein an einzelnen Ärzten liegt zu entscheiden, wann und wen sie impfen.“

Damit im Mai durchschnittlich 65.000 Impfungen pro Tag passieren können, werden größere Unternehmen Impfstraßen einrichten – entsprechende Konzepte liegen bereits vor.

Spannend ist, was passiert, wenn sich die Sorge bewahrheitet, dass das Virus extrem schnell mutiert und die Immunität jährlich aufgefrischt und damit geimpft werden muss.

Diesbezüglich hält man sich in der Regierung noch zurück. Nur so viel: Dann würden wohl nationale Impftage im September nötig. Und dafür biete etwa die ÖGK eine gute Infrastruktur.

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