Politik | Inland
10.09.2017

Sebastian Kurz weiter vorne, das Rennen dahinter total offen

ÖVP-Chef Kurz ist klarer Favorit. Kern und Strache liegen gleich auf im Match um Platz zwei. Auch der Kampf der "Kleinen" verspricht Hochspannung.

Noch liegen fünf Wochen mit unzähligen TV-Duellen und Wahlkampfauftritten der Spitzenkandidaten bis zum 15. Oktober vor uns.

Und doch zeichnet sich bereits der wahrscheinliche Sieger ab. Sebastian Kurz ist der klare Favorit für die Nationalratswahl 2017. Das belegt die neue OGM-Umfrage für den KURIER eindeutig.

Hinter der Kurz-ÖVP, die in der Hochrechnung auf 33 Prozent kommt, matchen sich die SPÖ unter Bundeskanzler Christian Kern und die FPÖ von Heinz-Christian Strache mit jeweils nur 25 Prozent um Platz zwei. Dahinter kommt lange nichts.

Grüne, Neos und die Liste Pilz schaffen es mit jeweils fünf Prozent aus heutiger Sicht knapp ins Parlament. Oder auch nicht. Das lässt sich derzeit noch nicht definitiv sagen, denn die Schwankungsbreite der Umfrage liegt bei 3,5 Prozent (siehe Grafik).

Dafür untermauern so gut wie alle Details der Umfrage den Vorsprung des ÖVP-Chefs und Außenministers. Nicht nur konnte Kurz seinen bisherigen Vorsprung in Umfragen gegenüber der SPÖ und der FPÖ leicht ausbauen, auch in der Kanzler-Direktfrage führt Kurz knapp vor Amtsinhaber Kern (33 zu 30 Prozent) und ganz klar vor Strache (16 Prozent).

ÖVP bei SPÖlern vorn

Sogar deklarierte SPÖ-Wähler sagen zu 45 Prozent, dass die ÖVP die Wahl gewinnen wird – und nur zu 40 Prozent, dass ihre SPÖ Nummer eins wird. Über alle Wähler hinweg glauben sogar 57 Prozent, dass die Volkspartei das Rennen um Platz 1 macht. Der SPÖ trauen das nur 13 Prozent zu, der FPÖ überhaupt nur zehn Prozent.

Interessant ist auch die Frage, wer am 15. Oktober die zweitstärkste Partei werden wird: Insgesamt antworten hier jeweils 31 Prozent SPÖ oder FPÖ. Pikanterweise glauben unter SPÖ-Wählern besagte 40 Prozent an Platz eins, aber auch 41 Prozent an Platz zwei für ihre Partei.

Am deutlichsten ist Kurz’ Vorsprung vor Kern und Strache aber bei der Frage: "Wer ist Ihnen bisher im Wahlkampf positiv aufgefallen?"

Pilz kommt gut an

42 Prozent der Befragten antworten darauf mit Kurz, nur 28 Prozent nennen Kern, 22 Prozent Strache. Fast gleichauf ist Peter Pilz mit 20 Prozent. Der Ex-Grüne hat Potenzial nach oben im Kampf um den Abstieg mit Grünen und Neos, sagt OGM-Chef Wolfgang Bachmayer (siehe auch Interview auf den Seiten 4, 5)

Absehbar ist jedenfalls eine relativ hohe Wahlbeteiligung jenseits der 70-Prozent-Marke, sagt der Meinungsforscher. 74 Prozent der Befragten sind sich schon jetzt "sehr sicher" am 15. Oktober wählen zu gehen. Und: 69 Prozent haben ihre Entscheidung für eine Partei "fix" oder "weitgehend" gefällt.

Interessant im Match um den vierten Platz hinter ÖVP, SPÖ und FPÖ erscheint auch der Rückhalt der Spitzenkandidaten in der eigenen Wählerschaft. Ein Beispiel: Bei den Grün-Wählern sprechen sich 56 Prozent für Kern aus, wenn man den Kanzler direkt wählen könnte – aber nur 31 Prozent für Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek.

Bei Wählern von SPÖ, ÖVP und FPÖ führt hingegen der jeweils eigene Spitzenkandidat klar in der Kanzler-Direktfrage. Bei Christian Kern erkennt man hier seinen Kanzlerbonus. Kern kommt in der Kanzler-Direktfrage auf 30 Prozent, bei der Sonntagsfrage, wo Partei und Person des Kandidaten zählen, eben nur auf 25 Prozent.