Politik | Inland
05.02.2017

Graz-Wahl: Schwarzer Triumph, rotes Desaster

ÖVP-Bürgermeister Nagl legte zu, hat aber ein Problem: Sein Wunschpartner, die SPÖ, ist zerbröselt.

"Ich bin so nervös wie immer", gestand Siegfried Nagl, bevor er seine Stimme abgab. Er hatte keinen Grund dazu: Dank eines auf ihn zugeschnittenen Wahlkampfes konnte seine ÖVP bei den Gemeinderatswahlen in Graz nicht nur den ersten Platz verteidigen, sondern sogar noch zulegen.

Rund 38 Prozent wählten Schwarz. "Ich glaube, wir haben es gut gemacht", kommentierte Nagl denn auch zufrieden.

Auch Platz zwei blieb ohne Überraschungen: Elke Kahrs KPÖ schaffte es mit rund 20 Prozent Wähleranteil erneut, die FPÖ unter Mario Eustacchio in Zaum zu halten. Mehr noch: Die KPÖ bekommt einen Stadtratssitz dazu und hält nun zwei - auf Kosten der SPÖ.

Roter Sturzflug

Das ist ein Desaster für die Grazer Roten: Seit 1945 saßen sie stets in der Stadtregierung, stellten viele Jahrzehnte lang die Bürgermeister. Nur wenige Stimmen trennten sie gestern von den Grünen. Die SPÖ unter Michael Ehmann rangiert somit nach dem vorläufigen Ergebnis nur noch auf dem fünften Platz (!) in Graz. "Kein Grund für einen Rücktritt", wehrte Ehmann ab. Jetzt gehe es an die Aufbauarbeit der maroden SPÖ.

Die Blauen legten zwar zu, verfehlten aber ihr Wahlziel, Zweite zu werden, recht deutlich. Betreten wirkte auch die grüne Spitzenkandidatin Tina Wirnsberger: Ausgerechnet in Graz, wo der frühere Grünen-Chef Alexander Van der Bellen bei der Bundespräsidenten-Stichwahl überdurchschnittlich gut abgeschnitten hat, erlitten die Grünen Verluste.

Viel Arbeit steht nun dem Sieger dieses Wahltages bevor: ÖVP-Chef Nagl muss im Gemeinderat zum Bürgermeister wiedergewählt werden, und dafür braucht er zumindest 25 der 48 Stimmen. Trotz Wahlsieg ist das keine gemachte Sache: Seine Wunschkoalition mit der SPÖ geht sich aufgrund der roten Schwäche nicht aus. Mit der KPÖ wolle er nicht, ließ Nagl im Wahlkampf wissen. Frontfrau Elke Kahr richtet sich dennoch auf Verhandlungen ein. "Wir sind nicht nachtragend", schmunzelte sie am Wahltag.

Hoher Preis

Doch für die KPÖ-Stimmen müsste Nagl wohl einen zu hohen Preis zahlen: Sie wären nur mit einer Volksbefragung zum neuen Murkraftwerk in Graz-Puntigam zu haben. Das schließt Nagl kategorisch aus.

Auch die andere sichere Zweier-Variante mag Nagl nicht so recht. Nicht, weil er nicht mit der FPÖ könnte. Aber auf der persönlichen Ebene geht es mit Mario Eustacchio nur schwer: Nagl hat dem Blauen nicht verziehen, dass er sich 2014 aus dem Schwarz-Rot-Blauen Regierungspakt verabschiedete.

Bliebe Schwarz-Rot-Grün. Oder wieder das von Nagl ungeliebte, freie Spiel der Kräfte mit loser Kooperation in vereinbarten Bereichen wie etwa der Bürgermeisterkür. "Ich habe nie jemanden ignoriert", beteuerte Nagl und meinte damit dann doch erst recht die KPÖ: Eine Zusammenarbeit sei "immer möglich".