Ministerin Sonja Hammerschmid

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Politik | Inland
09/06/2016

Schule sucht Lehrer selbst aus? Deutliches Nein der Gewerkschaft

Ministerin will volle Personalhoheit für Direktor, für Gewerkschaft ist das total unrealistisch.

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid will den Schulleitern volle Personalautonomie überantworten. Wie sie im KURIER am Sonntag erklärte, will sie noch im Herbst ein entsprechendes Gesetz vorlegen.

"Weil für ein Gelingen ist wesentlich, dass die Lehrerteams gut miteinander arbeiten können und die Pädagogen zum Schwerpunkt passen", so die Ministerin gegenüber dem KURIER.

Aufseiten der ÖVP ist Hammerschmids Gegenüber in der Regierung, Staatssekretär Harald Mahrer, "im Einvernehmen" mit der Ministerin. Jetzt geht es an die konkrete Abstimmung der erforderlichen Gesetze.

Willkür vermeiden

Der Gewerkschaft behagt das alles wenig. "Wenn jeder der 5732 Schul-Standorte eigene Lehrer-Auswahlverfahren machen soll, denn die Auswahlkriterien müssen ja objektivierbar sein, um Willkür zu vermeiden, halte ich das für logistisch und organisatorisch nicht machbar. Wir würden dann erst im Dezember mit der Schule beginnen können", lehnt Paul Kimberger, Chef der Lehrergewerkschaft, das Ansinnen der Ministerin ab.

"Ein Lehrer müsste sich ja an mehreren Standorten bewerben. Wird er dann an einer Schule genommen, muss er den anderen Schulen absagen, und die müssen schauen, woher sie Ersatz bekommen", begründet Kimberger seine Skepsis im Bezug auf ein Schulsystem mit derzeit rund 125.000 Pädagogen. "Das wird nicht funktionieren und ist unrealistisch." Machbarer wäre ein Dreier-Vorschlag, aus der die Direktoren dann auswählen können.

Lob aus dem roten Wien

In Wien lobt Bildungs-Stadträtin Sandra Frauenberger den Vorstoß: "Wenn Schulen durch höhere Autonomie stärker pädagogische Schwerpunkte anbieten können, ist es auch sinnvoll, dass Direktoren auf die Zusammensetzung von Teams Einfluss nehmen. Aber ganz ohne eine zentrale Organisation kann ich mir das aber auch in Zukunft nicht vorstellen."

Was tun mit einem Lehrer, den keiner haben will?

Die Schulleitung (Direktoren) soll sich künftig nach den Plänen von Bildungsministerin Hammerschmid die Lehrer aussuchen können, die am Standort unterrichten. Wie wird man derzeit Lehrer an einer Schule?

Grundsätzlich ist die Regelung so, dass im Frühjahr der Bund und die Länder Bewerbungen von Lehrern annehmen. Da der Bedarf zuletzt immer größer war als das Angebot, kamen auch Lehrer zum Zug, die ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben. Die Behörden prüfen die Bewerbungen und teilen die Lehrer dann den Schulen je nach Bedarf zu. Tatsächlich ist es so, dass es lange vorher klar ist, welche Schule welche Kandidaten haben will. Die Schulleiter deponieren diese Wünsche nach ersten Gesprächen bei den Behörden, die Lehrer werden entsprechend zugeteilt.

Bekommen die Junglehrer gleich einen unbefristeten Vertrag?

In der Regel gibt es anfangs Verträge, die immer auf ein Jahr begrenzt sind. Diese werden, sollte nichts dagegen sprechen, jeweils um ein Jahr verlängert, und gehen spätestens nach fünf Jahren in unbefristete Verträge über, falls die Stellen auch wirkliche Dauerstellen sind. Bei Landeslehrern unterscheiden sich die Regeln je nach Bundesland ein wenig.

Welchen Unterschied gibt es bei Landes- und Bundeslehrern?

Noch sind Ausbildung und Bezahlung unterschiedlich. Bundeslehrer (AHS, BMHS etc.) verdienen mehr als Landeslehrer (NMS). Bei der Anstellung ist für Bundeslehrer grundsätzlich der Bund zuständig (wird aber in einigen Ländern von den Landesschulräten verwaltet), bei den Landeslehrern die Schulabteilungen der Landesregierung.

Werden Lehrer noch pragmatisiert (unkündbar gestellt)?

Mit dem ab 2019 für alle neuen Lehrer geltenden Dienstrecht gibt es keine Pragmatisierung mehr, tatsächlich gibt es das schon seit Jahren kaum mehr. Was es sehr wohl gibt, sind Dienstverträge, die Lehrern "schulfeste" Stellen zusichern.

Warum will die Ministerin das System überhaupt ändern?

Ihr Begriff der Autonomie geht ja viel weiter. Die Schulen sollen sich künftig klare Schwerpunkte setzen (zum Beispiel Musik oder Digitalisierung), und dafür brauchen sie auch Lehrer, die für das Schulkonzept als auch für die Lehrerteams passen. Wie das aber konkret umgesetzt werden soll, ist noch unklar. So stellt sich die Frage, wie man Pädagogen dazu motivieren kann, sich in ländlichen Regionen zu bewerben.

Was soll mit Lehrern passieren, die keine Schule haben will?

Auch dass soll es immer noch geben. Dem Vernehmen nach wird noch nach einer Lösung gesucht, welcher Tätigkeit diese Pädagogen dann nachgehen sollen.

Das klingt nicht danach, dass die Lehrergewerkschaft da mitziehen kann. Zeichnen sich da Lösungen ab?

Es ist ja nicht so, dass alle Lehrer an den Schulen sofort zur Disposition stehen, sollte der Vorschlag so umgesetzt werden.

Wie könnte so ein Auswahlverfahren in der Praxis aussehen ?

In der Steiermark gibt es das Pilotprojekt "Get your teacher" – das ist eine Datenbank, in der die Curricula von arbeitssuchenden Lehrern gespeichert sind. Direktoren können darin nach dem für ihre Schule geeignetsten Pädagogen suchen.