Andreas Khol: "Bin ein Freund der Nächstenliebe"

© REUTERS/HEINZ-PETER BADER

Christliches
01/29/2016

Schönborn: Khol versteht Nächstenliebe falsch

Die Deutung des ÖVP-Hofburg-Kandidaten ist nicht im Sinne des Kardinals.

Andreas Khol Verständnis von "Nächstenliebe" ruft Kritik bei Kardinal Christoph Schönborn hervor. Er gebe dem ÖVP-Präsidentschaftskandidaten zwar Recht in dem Punkt: "Charity begins at home - Liebe beginnt zu Hause. Wo ich aber dem Politiker widerspreche: 'Nächstenliebe' im Sinne Jesu meint eindeutig Zuwendung zu dem, der gerade in Not ist", schreibt Schönborn in der Gratiszeitung Heute.

Ohne Khol namentlich zu nennen zitiert der Wiener Erzbischof dessen Aussage bei der ÖVP-Klubklausur in Bad Leonfelden: "Ich bin ein Freund der Nächstenliebe. Die Nächstenliebe kann aber nicht nur eine Fernstenliebe sein. Charity begins at home - wir müssen zuerst auf unsere Leut' schauen."

Dem widerspricht Schönborn in seiner am Freitag erschienenen Kolumne unter Verweis auf das biblische "Gleichnis vom barmherzigen Samariter". Zur Nächstenliebe, für Jesus das "höchste, erste und wichtigste Gebot", habe dieser auf die Frage, wer der "Nächste" sei, "freilich eine andere Antwort gegeben": Es gehe um den, "der gerade in Not ist". Nächstenliebe praktiziere daher, "wer nicht wegschaut, wenn andere Hilfe brauchen - egal, wie nahe oder fern sie mir stehen", so der Kardinal.

"Ein Land muss auf seine eigenen Leute schauen"

Gleichzeitig stellte Schönborn klar, dass "Liebe zu Hause beginnt" und mit Verantwortung verbunden ist: "Ich kannte einen Pfarrer, der sich so sehr um Flüchtlinge kümmerte, dass seine eigene Pfarrgemeinde verkümmerte. Eltern müssen zuerst für die eigenen Kinder sorgen. Ein Land muss auf seine eigenen Leute schauen."

Schon am vergangenen Samstag hatte der Feldkircher Bischof Benno Elbs im Blick auf den Begriff "Nächstenliebe" gesagt: "Es schmerzt, wenn Menschen des öffentlichen Lebens dieses Wort missbrauchen und in einer Art umzudeuten versuchen, wie es niemals im Sinne Jesu sein kann."