Sarah Wiener: "Tönnies ist kein schwarzes Schaf"

Sarah Wiener: "Tönnies ist kein schwarzes Schaf"
Fernsehköchin Sarah Wiener über die Covid-19-Pandemie, Fleischfabriken - und warum Herr Tönnies kein schwarzes Schaf ist.

KURIER: Frau Wiener, wie ging‘s Ihnen bislang in der Pandemie?

Sarah Wiener: Ich war in der Uckermark auf meinem Bauernhof und hab Brüssel und Straßburg gemieden - das Parlament war geschlossen, 5000 Leute auf einem Fleck sind keine gute Idee. Mittlerweile könnte man wieder hinfahren, aber ich sehe darin keinen Sinn. Abstimmungen und Sitzungen passieren elektronisch und ich hielte es für fahrlässig in dieser Zeit durch ganz Europa zu kutschieren. Für die Politik ist die Distanz nicht ideal, aber für mich war es auch ein Glücksfall – ich hatte unerwartet viel Zeit, um mich in vieles einzulesen und zu -arbeiten.

Sie haben 120 Mitarbeiter und zwei Restaurants, eine Bäckerei, einen Hofladen, eine Fleischerei. Läuft das wieder an?

Die Gastronomie liegt am Boden. Meine Geschäftsführer und ich sind ein bisserl ratlos. Man kann noch so ein guter Manager sein, trotzdem gibt es keinen Königsweg, um mit den Abstandsregeln und unter diesen Bedingungen eine Gastronomie zu betreiben, die so viel verdient wie vorher.

Und die Gäste?

Sie kommen nur zu einem Bruchteil. Wir haben Betriebe in zwei Museen, das ist ein Desaster, und wir häufen derzeit weiter Schulden an. Sie müssen wissen: Wir haben Caterings für tausende Menschen gemacht – das ist immer noch bei Null. Ob und wie es hier weitergeht ist nicht absehbar. Wir verschieben von Woche zu Woche das Bedürfnis ins Taschentuch zu weinen.

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