Politik | Inland
16.09.2017

Rot-schwarzes Steuer-Wettrüsten: Parteien rechnen Entlastung herbei

SPÖ und ÖVP übertrumpfen einander mit Beispielrechnungen zu ihren jeweiligen Steuerplänen. Frei nach dem Motto: Wer bietet mehr.

SPÖ-Chef Christian Kern geht es um die Entlastung der Geringverdiener (künftig steuerfreie Jahreseinkommen bis 13.150 Euro) sowie der Klein- und Mittelunternehmen (Familienlasten-Beiträge halbieren). 5,3 Milliarden darf das kosten. Diese Summe will die SPÖ über diverse Maßnahmen locker machen, sprich gegenfinanzieren – Erbschaftssteuer, Wertschöpfungsabgabe, höhere Beschäftigung etc.

Tritt alles ein wie von Rot erhofft, bedeutet das für den Einzelnen: Eine Vollzeit-Arbeitnehmerin mit einem Bruttolohn von 1750 Euro käme auf eine jährliche Steuerersparnis von rund 540 Euro, ein Pensionist könnte bei 1200 Euro brutto mit einer Entlastung um die 250 Euro rechnen. Soweit das SPÖ-Konzept im Groben.

Die Konzepte von ÖVP und FPÖ hält Kern für "ganz eindeutig undurchführbar, unfinanzierbar und reine Ankündigungen, denen keine Taten folgen werden". Der Kanzler sagt zum Entlastungsplan von ÖVP-Chef Sebastian Kurz: "Jeder, der einen Taschenrechner besitzt, wird ihnen nachweisen können, dass das ein Ding der Unmöglichkeit ist."

Kurz hält klar dagegen und lieferte am Freitag seinerseits was die "Entlastung des Mittelstandes, der unteren und mittleren Einkommen und der Familien" aus ÖVP-Sicht kann. Fünf Beispiele hat das Kurz-Team durchgerechnet:

Eine kinderlose Alleinverdienerin mit 1500 Euro Monats-Brutto darf auf eine jährliche Steuerentlastung im ÖVP-Konzept um 697 Euro hoffen (vor allem weniger Arbeitslosen-Versicherungsbeiträge). Mit einem Kind erhöht sich die jährliche Steuerentlastung der Alleinverdienerin auf 1242 Euro (vor allem wegen des neuen ÖVP-Steuerbonus). Handelt es sich um eine Familie mit einem Kind (ein Alleinverdiener mit 2000 Brutto im Monat) soll die Steuerentlastung bei 2065 Euro liegen. Hat die Familie mit Kind 2500 Euro im Monat zur Verfügung steigt die Entlastung auf 2311 Euro. Im Maximal-Fall erspart sich eine vierköpfige Familie mit zwei Verdienern (3500 Euro & 1200 Euro) künftig 4220 Euro an Abgaben. Kurz: "Wir wollen die Belastungen spürbar reduzieren und die große Lücke zwischen Brutto und Netto ein Stück weit schließen."