Die neuen Minister in der Hofburg

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Hofübergabe in der Hofburg
05/18/2016

Rot & Schwarz setzen gemeinsam auf den Railjet-Effekt

Gestern Angelobung, heute Vorstellung im Parlament: Christian Kern hat die Erwartungen auch für sein Team hoch gesteckt. Reinhold Mitterlehner signalisiert Waffenstillstand an der Streitfront.

von Christian Böhmer, Karin Leitner

Volksfeststimmung auf dem Wiener Ballhausplatz. Eine Blasmusik-Kapelle spielt den Erzherzog-Albrecht-Marsch: Dieser ist der einstigen Vetmed-Rektorin Sonja Hammerschmid gewidmet. Die Musikanten der Uni für Bodenkultur "gratulieren der neuen Bildungsministerin", wie es auf einem Schild der Marketenderin heißt.

Hammerschmid lächelt, bedankt sich – und verlässt mit ihrer Entourage die Szenerie. Die Bürger und Touristen, die sich um sie drängen, die Kameras, die Journalisten – das ist für alle noch Neuland.

Fischers "letzte" Minister

Formal gehören Hammerschmid, Jörg Leichtfried, Thomas Drozda und Muna Duzdar seit einer Stunde zu Christian Kerns koalitionärem Team – sie sind frisch vereidigt. Sie sind wohl die Letzten, denen Bundespräsident Heinz Fischer die Gelöbnisformel abnimmt; seine zwölfjährige Amtszeit endet am 8. Juli.

Fischer genießt die Zeremonie. ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner ist als Erster vor Ort. Er verschwindet hinter der roten Tapetentür in des Staatsoberhauptes Kanzlei.

Kurz darauf folgt Neo-SPÖ-Kanzler Kern. Hammerschmid, Leichtfried, Drozda und Duzdar müssen draußen bleiben. Wie die Firmlinge stehen sie im prunkvollen Maria-Theresien-Zimmer. Der Protokollchef erläutert ihnen das Procedere. Dann geht es los. Fischer enthebt jene, die weichen müssen – Josef Ostermayer, Gabriele Heinisch-Hosek, Gerald Klug und Sonja Steßl – des Amtes.

Sonja "Steßely"

Da passiert dem Routinier ein Versprecher, wohl ein Freudscher: Die Wiener Stadträtin Sonja Wehsely war auch als Ministerin im Gespräch. Fischer entlässt mit "Sonja Steßely" jene bisherige Staatssekretärin aus dem Amt, die auf den Namen Sonja Steßl hört.

Heute sind aber jene, die kommen, im Fokus, nicht die, die gehen. Einer nach dem anderen gelobt, Fischer wünscht "alles Gute" und "Erfolg". Alle signieren das Ernennungsdekret mit einem edlen Füller. Und schon ist das Spektakel vorbei. Nicht ganz. Eine Erfrischung gibt es noch für alle Neuen und deren Angehörige, darunter Drozdas Eltern. Hinter der Tapetentür. Ein bisschen Privatsphäre muss sein.

Fischer zieht als Erster forschen Schrittes von dannen. Was machen die Neuen noch in Ihrem Büro, Herr Bundespräsident? "Die tun sich noch vergnügen."

Railjet-Effekt

Für Hammerschmid & Co. ist es mit der Gaudi bald vorbei. Sie müssen zeigen, was sie können – in einer Regierung, die bisher schlecht angeschrieben war. Gestern Nachmittag bezogen sie ihr neues Quartier: Hammerschmid im Bildungsressort, Leichtfried im Infrastrukturministerium, Drozda und Duzdar im Kanzleramt, nahe von Kern.

Wird es mit ihm Ähnliches wie den "Django-Effekt" geben, der bei Mitterlehners Antritt als Vizekanzler diagnostiziert worden ist? Josef Kalina, ehemals Sprecher von SPÖ-Kanzler Viktor Klima und nun Kommunikationsberater, geht davon aus. Auf Puls4 befand er, gemünzt auf Kerns Vergangenheit als ÖBB-Boss: "Es gibt schon einen Railjet-Effekt."

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