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Kampf dem Fachkräftemangel
09/19/2018

Regierung will Köchen Tirol schmackhaft machen

Kampf dem Fachkräftemangel: Türkis-Blau setzt auf attraktivere Lehre und Import von Fachkräften.

von Michael Bachner

Junge Asylwerber verlieren künftig das Recht auf ihren Lehrplatz sobald sie einen negativen Bescheid erhalten. Diese – schon bekannte – Entscheidung wurde heftig kritisiert, die Bundesregierung bleibt aber dabei. Dafür will Türkis-Blau jetzt anerkannte Flüchtlinge unter 25 stärker in den Arbeitsmarkt einbinden. Unter anderem stockt das Wirtschaftsministerium dazu seine Integrationsmittel für Kurse in Deutsch oder Mathematik von zehn auf 20 Millionen Euro auf.

Und jene bis zu 10.000 Jugendliche, die in staatlich finanzierten Lehrwerkstätten ausgebildet werden, müssen sich künftig regelmäßig auf Lehrstellen in Betrieben bewerben und Pflichtpraktika absolvieren.

Zu diesem Lehrlings-Thema und anderen Arbeitsmarktfragen luden Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und Sozialministerin Beate Hartinger-Klein am Mittwoch zu einem Job-Gipfel mit den Sozialpartnern und AMS-Experten.

Neben der Attraktivierung der Lehre hat sich die Bundesregierung konkret der Lösung des Fachkräfte-Problems verschrieben.

Faktum ist ja, dass es ein massives Qualifizierungsproblem in Österreich gibt.

Denn: Es gibt rund 350.000 Arbeitslose und gleichzeitig fehlen laut Wirtschaftskammer mehr als 150.000 Fachkräfte im ganzen Land. Unter anderem im Tourismus oder auch in vielen Industrie- und Handwerksberufen.

Schramböck will deshalb verstärkt Fachkräfte im Inland ausbilden und dann Fachkräfte in der EU, aber auch international suchen. Auch Infrastrukturminister Norbert Hofer von der FPÖ spricht jetzt von „qualifizierter Zuwanderung“.

Neue Mangelberufsliste

Um diese zu erleichtern soll unter anderem die als zu bürokratisch verschrieene Rot-Weiß-Rot-Karte modernisiert und die bisherige Mangelberufsliste ab 2019 regionalisiert werden. Damit können in Zukunft auch einzelne Bundesländer im EU-Ausland Fachkräfte anwerben, wenn auf regionaler Ebene ein Mangel in einem bestimmten Beruf herrscht.

Beispiel: In Tirol kommen 120 arbeitslose Köche auf 324 offene Stellen. In Wien ist es umgekehrt: Es gibt in der Bundeshauptstadt 917 arbeitslose Köche, aber nur 340 offene Stellen.

Die Gewerkschaft freut sich, dass Schramböck der „Ausbildung von Fachkräften Vorrang gegenüber dem Import zusätzlicher Arbeitskräfte“ gibt. Kritik übt Bernhard Achitz, Leitender Sekretär im ÖGB, aber daran, dass die geplante Ausweitung der Mangelberufsliste sowie der Rot-Weiß-Rot-Karte diesem Ziel widerspricht. Achitz: „Die Rot-Weiß-Rot-Karte ist für Hochqualifizierte gedacht, die auch entsprechend gut verdienen – und nicht für Branchen mit schlechten Arbeitsbedingungen wie die Gastronomie.“

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