Politik | Inland
04.05.2018

Reformpläne: Schul-Rebellin fühlt sich bestätigt

Andrea Walach löste im KURIER die jüngste Schuldebatte aus. Ihre Schule stand jetzt Pate für Reform

Viel Freude und ein bisschen Stolz ist in der Stimme von Andrea Walach zu hören, als der KURIER sie am Donnerstag kontaktierte: Denn am Vortag hatte Bildungsminister Heinz Faßmann das Modell ihrer Schule als beispielgebend genannt, als er seine Reformpläne präsentierte.

Das kam so: Vor zwei Jahren gab Direktorin Walach von der Wiener NMS Gassergasse dem KURIER ein Interview, in dem sie auf massive Probleme in den Wiener Brennpunktschulen (hoher Anteil an bildungsfernen und Kindern mit nicht-deutscher Umgangssprache) hinwies. „Ein Drittel meiner Kinder ist nach der Schule nicht vermittelbar und geht direkt zum AMS“, erzählte sie damals. Ein große bildungspolitische Diskussion war die Folge – und Walach bekam vom Wiener Stadtschulrat grünes Licht, ein eigenes System an ihrem Standort zu entwickeln.

Wesentlich dabei ist, dass sie begann, alle Kinder eines Jahrgangs nach Können einzuteilen und zu unterrichten – mit den Teamteaching-Lehrern (in den Hauptfächern je zwei Pädagogen pro Unterrichtsstunde) in Kleingruppen mit maximal zwölf Kindern.

Minister Faßmann will die NMS grundsätzlich in diese Richtung entwickeln. Seine Reform sieht eigene „Entwicklungsgruppen“ vor. Aber ist ihr System denn überhaupt überall umsetzbar? „Prinzipiell ist das auf alle Schulen übertragbar“, sagt Walach, „sofern die Kinder, wie bei uns, einen sehr unterschiedlichen Bildungsstand haben. Wir haben ja Kinder mit AHS-Niveau, aber auch solche mit Sonderschul-Niveau. Mit nur einem Lehrer in einer großen Klasse, aber auch mit zwei Teamteaching-Lehrern wird man auf diese Herausforderungen nicht eingehen können.“

Walach bedauert dabei, dass die Leistungsgruppen in den Hauptschulen vor rund zehn Jahren abgeschafft wurden. „Da gab es klare Regeln, was man können muss, um in der ersten oder zweiten Leistungsgruppe sein zu können.“ Durch den Ansturm auf die Gymnasien sind den Hauptschulen aber die leistungsstarken Kinder abhanden gekommen. „Dann gab es bald Klassen, wo kaum mehr Kinder in der ersten Leistungsgruppe waren, dann stieg die Unzufriedenheit, weil die Gruppen durchmischt wurden und die spezielle Förderung so nicht mehr möglich war.“

Eine Rückkehr zu diesem System der Leistungsgruppen würde die Attraktivität der Mittelschulen und – ganz wesentlich – die Akzeptanz dieser Schulform bei den Eltern massiv erhöhen, glaubt die Direktorin. Walach warnt davor, die geplanten „Entwicklungsgruppen“ nicht nach Leistung einzuteilen: „Heterogene Gruppen mit unterschiedlichem Niveau machen keinen Sinn, weil da erst recht wieder Kinder im Unterricht sitzen, die sich langweilen, und andere, die nicht mitkommen.“

Positiv sieht Walach auch Faßmanns Reformideen für klare Aufnahmekriterien für die AHS und für die Volksschulen: „Das wird vor allem den Volksschullehrern helfen. Und noch mehr den Kindern, die mit der nun vorgesehenen Analyse ihres Entwicklungsstandes optimal gefördert werden können.“