Philharmonikerball: Einer der Highlights der Saison. Wer politisch hoch rangiert, ist beim Techniker-Cercle.

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Protest
01/23/2015

"Alles Männer" beim Wiener Technikerball

Proteste und Boykott weil sich die Organisatoren weigern, Frauen in ihren Verein aufzunehmen.

von Karin Leitner

Der Opern-, der Philharmonikerball und der Ball der Industrie und Technik, vulgo Techniker-Cercle – sie sind die Highlights der Wiener Tanzsaison. Auch wer wirtschaftlich und politisch hoch rangiert, ist beim Techniker-Cercle. Oder zumindest im Ehrenpräsidium: die Regierungsspitzen Werner Faymann und Reinhold Mitterlehner, alle Minister, die zwei Staatssekretäre, die drei Nationalratspräsidenten, EU-Kommissar Johannes Hahn, Wirtschaftskammerboss Christoph Leitl. Im Vorjahr debütierte der damalige ÖVP-Vizekanzler Michael Spindelegger – auch als Eröffnungsredner.

Am Samstag wird im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins wieder linksgewalzert. Ein Quartett, das Jahr für Jahr zugegen war, fehlt: Präsident und Vize der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, detto jene der Kammer von Wien. Die vier boykottieren das Ereignis – weil der Veranstalter, der Techniker-Cercle, Frauen als Ball-Aufputz will, nicht aber in seinem elitären Verein.

Mehrfach hat Architektenkammer-Präsident Christian Aulinger versucht, Vereinsvormann Manfred Nehrer dazu zu bewegen, von der Männerbündelei zu lassen. Zuletzt wandte er sich brieflich an ihn: "Wir distanzieren uns von dem Umstand, dass im Techniker-Cercle bisher keine Frauen aufgenommen wurden (...) Da Sie durch Ihre Haltung das Bild unserer Berufsgruppe in der Öffentlichkeit beeinträchtigen, können wir unsere Mitgliedschaft im Ehrenpräsidium nicht länger aufrechterhalten und werden den von Ihnen organisierten Ball nicht besuchen (...)."

Nehrer replizierte schriftlich, auf das Thema Frauen ging er nicht ein. Er verwahrte sich vielmehr dagegen, dass die Architektenkämmerer "auf unsere Clubregeln Einfluss nehmen wollen". Und er verwies darauf, dass der Ball-Erlös stets der Technischen Uni Wien zugute komme – zur Förderung von Lehre und Forschung. Etwa 170.000 Euro sind das pro Jahr.

Konservativer Haufen

"Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun", befindet Aulinger, der seit Oktober der Kammer vorsteht, im KURIER-Gespräch. "Sie sollen weiterhin Gutes tun, sich aber der Zeit anpassen. Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert mit konservativen Männerhaufen." Er solle Geduld haben, sei ihm beschieden worden: "Noch 40 Jahre? Das ist längst überfällig." Nicht nur gesellschaftspolitisch sei inakzeptabel, Frauen weiter auszuschließen: "Wir haben viel zu wenige von ihnen in technischen Berufen. Wir brauchen deren Hirnpotenzial. Wir werden sie nicht bekommen, wenn sie das Gefühl vermittelt bekommen, das sei ein illustrer Männerkreis." Knapp 25 Prozent der Technik-Studenten sind weiblich, die meisten Frauen sind auf der Architektur-Fakultät (fast 50 %). Von den 8500 Kammermitgliedern sind zehn Prozent Frauen. "Dort, aber auch in unserem Bundesvorstand möchte ich ihren Anteil erhöhen. Ich will eine bunte Kammer, keinen Männerzirkel", sagt Aulinger.

Ein solcher waren auch die Wiener Philharmoniker lang. Erst seit 1997 dürfen Frauen mitspielen. Viele gibt es nach wie vor nicht (knapp 6 %). Schon da müsste SPÖ-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek aufschreien. Erst recht angesichts der Haltung des Technikervereins. Das Erstaunliche: Für den ist auch sie im Ball-Ehrenpräsidium.

Ein elitärer Männer- und Machtbund

Seit 1874 gibt es den Techniker-Cercle. Er ist ein elitärer Männer-Verein mit Sitz in der Wiener Innenstadt. Etwa 370 Herren gehören ihm an: Techniker, Banker, Juristen, Ärzte etc. Um aufgenommen zu werden, sind Fürsprecher nötig. Im Präsidium wird dann darüber abgestimmt.

Der Zirkel bekennt sich „zur österreichischen Tradition und pflegt die Grundsätze der Liberalität und Toleranz“. Seit jeher hat er Geld für die Technische Uni Wien lukriert – „insbesondere zugunsten von akademischen Nachwuchskräften“. Die Mitglieder „verstehen sich als Freundeskreis“. Das Du-Wort sei „ungeachtet des Alters und der beruflichen Stellung üblich“. Neben dem Techniker-Ball organisiert der Verein Vorträge, es gibt „Clubabende und Führungen durch Ausstellungen bzw. Firmen“. Emblem: Eule, Zirkel, Zahnrad.

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