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Politik Inland
02/26/2020

Politische "Bußpredigten" zwischen Bayern und Ried im Innkreis

Die Mutter aller Politischen Aschermittwoche ist die Veranstaltung der bayerischen CSU. Jörg Haider hat sie erfolgreich nach Österreich importiert.

von Rudolf Mitlöhner

Die an sich scharfe Grenze zwischen Faschingsausklang und Fastenzeitbeginn ist in gewisser Hinsicht fließend. Büttenreden und Bußpredigten haben so manches gemeinsam: anderen, oft den Mächtigen oder Herrschenden, einen Spiegel vorzuhalten. In dieser Tradition der Büttenreden/Bußpredigten stehen auch die diversen Politikerauftritte am Aschermittwoch.

Als Mutter aller Politischen Aschermittwoche kann jener der bayerischen CSU gelten. Dessen Wurzeln lassen sich indes bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen, als Bauern im bayerischen Vilshofen beim lokalen Viehmarkt politisierten. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war es zunächst die separatistische Bayernpartei, die zu einer Politkundgebung am Aschermittwoch lud. Erst 1953 fand die erste einschlägige Veranstaltung der CSU statt. Untrennbar verbunden ist deren Politischer Aschermittwoch mit ihrer Überfigur Franz Josef Strauß, CSU-Vorsitzender von 1961 bis zu seinem Tod 1988.

Strauß prägte den Charakter der polternden politischen Tour d’horizon mit Seitenhieben auf politische Gegner bzw. auch die Bundespolitik. Ein leitendes Motiv: „das eklatante Versagen derer, die ausgezogen waren, Deutschland zu reformieren, und einen Saustall ohnegleichen angerichtet haben“ (1975).

An diese Tradition knüpfte in Österreich – wer sonst? – Jörg Haider an. 1992 fand der erste Politische Aschermittwoch der FPÖ in der Jahnturnhalle in Ried im Innkreis statt. Mit einer Aussage sorgte Haider in Ried für besondere Empörung: „Ich verstehe überhaupt nicht, wie einer, der Ariel heißt, so viel Dreck am Stecken haben kann.“ Mittels Anspielung auf eine bekannte Waschmittelmarke attackierte Haider 2001 den damaligen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Ariel Muzicant, einen deklarierten Gegner Haiders.

Auch Haiders Nachfolger Heinz-Christian Strache setzte die Tradition in Ried fort, und heuer versucht sich erstmals Norbert Hofer in dieser Disziplin.
Spannend könnte es gerade heuer auch in Passau werden, wenn CSU-Chef Markus Söder ans Pult tritt, gilt der doch als ein nicht unwesentlicher Player im Ringen von CDU/CSU um Kurs und Kanzlerkandidatur.