Mysteriöse Holding: Wenn Hofer, Leitl und Niessl gemeinsam investieren
Vergangenen Dezember hat sich Norbert Hofer aus der Spitzenpolitik zurückgezogen. Der vormalige Präsidentschaftskandidat und FPÖ-Chef gab den Posten des burgenländischen FPÖ-Klubobmanns auf. Er werde, so hieß es, in die Privatwirtschaft wechseln. Hofer sollte unter anderem zweiter Geschäftsführer der Binder-Leitl Investment GmbH werden, an der er als passiver Gesellschafter mit 5 Prozent beteiligt ist.
Am Donnerstag folgte die Absage. Der Grund: Am Unternehmen ist auch Burgenlands ehemaliger Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) beteiligt, ebenso mit 5 Prozent. Der hat wiederum angekündigt, bei der kommenden Bundespräsidentenwahl kandidieren zu wollen. Und Hofer wollte Niessl "dauerhafte Diskussionen im Wahlkampf" ersparen. Immerhin hätte dieser gegen die FPÖ kandidiert, für die auch Hofer 2016 antrat.
Beteiligte von ÖVP, FPÖ, SPÖ und Neos
Ob die gemeinsame Beteiligung medial wirklich ein großes Thema geworden wäre, sei dahingestellt. Abseits davon stellt sich die Frage: Was machen Hofer und Niessl in einem gemeinsamen Unternehmen?
Mit Blick auf die weiteren Gesellschafter wird es noch bunter: Auch der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Hubert Fuchs und der vormalige Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf (ÖVP) sind mit je 5 Prozent beteiligt. Je 40 Prozent halten Ex-WKO-Präsident Christoph Leitl und Geschäftsführer Andreas Binder.
Die Politiker kennen einander aus diversen Funktionen. Bei Binder laufen jedoch alle Fäden zusammen. Er ist kein Unbekannter. Binder saß für die FPÖ in Wiener Neustadt und später in Bad Sauerbrunn im Gemeinderat, 2022 kandidierte er dort erfolglos für die Neos. Der Multimillionär deckt als Unternehmer ein breites Portfolio ab, ist unter anderem in der Kiesaufbereitung, Logistik sowie Immobilienwirtschaft tätig – und in Südosteuropa bestens vernetzt. Er ist Kroatiens größter Kiesunternehmer, in Wien gehört ihm beispielsweise das Palais Schottenring.
Andreas Binder (2. von rechts) als Bezirksobmann der FPÖ Mattersburg, 2021
Für die Rolle des Geschäftsführers bei Binder-Leitl hätte Hofer wohl ohnehin nicht genügend Zeit gehabt, sagt Binder zum KURIER: "Er hat bei Emerald Horizon fast das gesamte operative Geschäft übernommen." Seit Anfang Februar ist Hofer Aufsichtsrat beim steirischen Energiespeicherhersteller.
Was macht dieses Unternehmen?
Spannender ist: Was macht eigentlich Binder-Leitl, wo Hofer beinahe operativ tätig geworden wäre?
"Es ist eine Beteiligungs-Holding in unterschiedlichen Bereichen", sagt Binder. Mit Bloch3, einem Projektentwickler im Bereich der Energieversorgung, arbeite man etwa an Solar-, Windkraft- und Speicherprojekten, die in zwei bis drei Jahren umgesetzt werden sollen. Ebenfalls beteiligt sei man an der größten Hafenspedition in der kroatischen Hafenstadt Rijeka oder künftig an Steinbrüchen und Kieswerken in Kroatien, erklärt Binder.
Und warum sind an dem Unternehmen fünf (Ex-)Politiker zwischen 54 und 76 Jahren beteiligt? "Viele Betriebe kündigen heute quasi jeden, der über 50 ist. Ich habe eine andere Philosophie. Es gibt unglaublich viele gescheite und kreative Köpfe, die über 60 sind", sagt Binder. Erfahrene Politiker würden wissen, wie man Projekte auch wirklich umsetze: "Hand Niessl hat als Landeshauptmann im Burgenland 1.000 Windräder aufgestellt, Christoph Leitl hat Wirtschafts-Erfahrung ohne Ende. Die wissen, wie es geht."
Binder meint, mit seinem Ansatz seit Jahren Millionengewinne zu schreiben. Und auch er versteht es, zu politisieren. Die Wirtschaft in Österreich funktioniere grundsätzlich nach wie vor, vieles werde bewusst von einer kleinen Lobby schlechtgeredet, sagt Binder: "Denen, die sich nicht durchsetzen, fehlt es an Kreativität und Ideen, sie gehen nicht mit der Zeit. Deshalb halte ich auch nicht von diesem dauernden Regierungsbashing seit Corona."
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