Jetzt ist es fix: Norbert Hofer wechselt in die Privatwirtschaft

Ein Mann im Anzug spricht an einem Rednerpult mit Mikrofon, im Vordergrund stehen mehrere Flaschen.
Nach der Ankündigung, über einen Wechsel nachzudenken, ist seit Nachmittag fix: Norbert Hofer verlässt die Politik in Richtung Privatwirtschaft.

Im Burgenländischen Landtag plätscherte am Donnerstagvormittag die Budgetdebatte  gemächlich vor sich hin. Die meisten Abgeordneten waren mit ihren Gedanken wohl schon bei den diversen Weihnachtsfeiern, auch die Regierungsbank war nur spärlich besetzt.  

Um 11.46 Uhr war es mit dieser Beschaulichkeit vorbei. „Norbert Hofer erwägt Rückzug aus Landespolitik“, meldete die Nachrichtenagentur APA – für Freund und Feind von FPÖ-Klubchef Hofer überraschend.

Der ehemalige Bundesparteiobmann, Bundespräsidentschaftskandidat und jetzige Klubchef im Landtag erklärte, dass er bis Jahresende darüber entscheiden wolle, ob er in der Politik bleibt oder in die Privatwirtschaft wechselt. 

Er denke „ernsthaft“ über einen Wechsel nach, sagte der frühere Verkehrsminister. Es gebe mehrere Angebote aus der Privatwirtschaft. Sollte er wechseln, werde er „jedenfalls immer politisch aktiv sein“ und die Freiheitlichen weiterhin unterstützen. 

Der Vorstoß Hofers kam deshalb überraschend, weil er sich in den vergangenen Wochen und Monaten  zur Speerspitze der Opposition gegen die Politik von Rot-Grün gemacht hatte. Es schien, dass er sich nach seiner nicht ganz freiwilligen Rückkehr ins Burgenland Ende 2024 mittlerweile mit der neuen Rolle arrangiert hatte. 

"Am 2. März, wenn ich 55 werde"

Er denke schon „sehr lange darüber nach“, so Hofer kurz nach Mittag zum KURIER. Er gehe davon aus, dass sich nach der Mitteilung Unternehmen mit konkreten Angeboten melden. Falls er gehe, möchte er bis 2. März 2026 die (Landes)-Politik abschließen. „Da werde ich 55“. 

Ich bin ein Mensch, der immer Herausforderungen braucht.

von Norbert Hofer

FPÖ-Klubobmann Burgenland

Als Grund für seinen Wunsch nach beruflicher Veränderung nannte Hofer die aktuelle Politik im Burgenland: „Wenn Rot-Grün so weitermachen, ist das Land kaputt. Ich kann mir das nicht länger anschauen“, sagte er. Er sei jemand, „der etwas verändern möchte“ – als Klubobmann sei es ihm aber gesetzlich untersagt, gleichzeitig in der Wirtschaft tätig zu sein. 

"Muss mich entscheiden"

„Jetzt muss ich mich entscheiden. Ich bin ein Mensch, der immer Herausforderungen braucht“, so Hofer. 

Tatsächlich dürfte er sich zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden haben. Jedenfalls war am frühen Donnerstagnachmittag klar, wo seine Reise hingeht – zur Beteiligungsgesellschaft Binder-Leitl Investment GmbH

„Norbert Hofer wird neben mir zweiter Geschäftsführer“, bestätigte Unternehmenschef Andreas Binder auf KURIER-Anfrage. Das sei „korrekt“, so Hofer knapp. 

Binder und der frühere Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl (ÖVP), halten an der vor einem Jahr gegründeten Beteiligungsgesellschaft für Infrastrukturprojekte jeweils vierzig Prozent. Je fünf Prozent entfallen auf Doskozils Mentor und Vorgänger Ex-Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ), den Ex-Staatssekretär im Finanzministerium und Nationalratsabgeordneten Hubert Fuchs (FPÖ), den früheren 2. ÖVP-Nationalratspräsidenten Karlheinz Kopf – und Hofer. 

Hofer solle auch in den zahlreichen Beteiligungen eine führende Rolle spielen, sagt Binder. Jüngstes Vorhaben sei ein Logistikprojekt  im Hafen von Rijeka in Kroatien. 

Es sei gut „für Norbert Hofer, dass er sich hier engagiert, das sind sehr spannende Projekte“, frohlockt Binder. 

Weiter Landtagsmandatar? Möglich

Beginnen soll Hofer demnach schon im Jänner. Ob er dennoch einfacher Abgeordneter im Landtag bleibt, wo er ein Grundmandat inne hat, ist für Binder keine Glaubensfrage. Das müsse Hofer entscheiden, Binder würde es aber nicht stören, schließlich sei ein Landtagsmandat „kein Fulltime-Job“

Ein Mann im Anzug spricht an einem Rednerpult, mehrere Personen sitzen im Vordergrund.

FPÖ-Politiker Norbert Hofer erwägt, sich aus der burgenländischen Landespolitik zurückzuziehen. Eine Entscheidung soll bis Ende des Jahres fallen.

Binder lebt  seit rund zwei Jahrzehnten in der Kurgemeinde Bad Sauerbrunn, unweit von Wiener Neustadt, wo er früher FPÖ-Gemeinderat war.  Kurzzeitig war der Unternehmer auch blauer Bezirksparteichef in Mattersburg,  zuletzt hat er sich in seiner Heimatgemeinde für die Neos engagiert. 

Für Binder sind Politik und Wirtschaft vergleichbar, da wie dort gehe es „um Gewinn“. Einmal in Form von Wählerstimmen, das andere Mal in Geldwert.  

Hat Hofer jemanden in der FPÖ eingeweiht? "Ich sitze gerade mit meinem lieben Freund Hans Tschürtz (2. Landtagspräsident, Anm.) zusammen, wir sind seit 30 Jahren ein Team". Dass Hofer und Parteiobmann Alexander Petschnig nicht die besten Freunde sind, ist kein Geheimnis. 

Bundespräsidentenwahl 2028 noch offen

Ein Hintertürchen für eine Rückkehr in die (Spitzen)-Politik lässt sich Hofer offen, ein Antreten bei der Bundespräsidentenwahl 2028 sei nicht ausgeschlossen,  aber das entscheide die FPÖ.

Klubchef war Hofer jedenfalls länger als Landesparteiobmann: Da hat er 2020 nach nur sieben Monaten aufgegeben.

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