St.-Georgs-Orden: Warum Norbert Hofer nicht mehr Ehrenritter ist
Die Nachricht kam Sonntagabend: "Mit heutigem Tag habe ich meine Ehrenritterschaft im St.-Georgs-Orden zurückgelegt", schrieb der frühere FPÖ-Chef Norbert Hofer auf X. Der Grund für seinen Austritt: "Öffentliche Äußerungen, die dem Geist gegenseitiger Achtung widersprechen."
Gemeint ist wohl der Großmeister des Ordens Karl Habsburg. Anlässlich seines 65. Geburtstages hat Habsburg in der Fuchs-Villa in Wien-Penzing eine "Rede zur Zukunft Europas" gehalten, in der er sich mit den politischen Krisen der Gegenwart auseinandersetzt und insbesondere die Rolle Europas thematisiert.
Die EU-Fraktion der "Patrioten für Europa", der auch Abgeordnete der FPÖ angehören, nannte Habsburg in dieser Ansprache zum Teil "brutale Nationalisten" und die "fünfte Kolonne Moskaus". Viele der in der Fraktion vereinten Parteien seien "in irgendeiner Form" mit Wladimir Putin verbunden - was einen doppelten "Hochverrat" darstelle: "Am eigenen Land und an Europa".
In Russland fordert Habsburg eine Ablöse des Regimes Putin, zumal dieser mit seinem Angriffskrieg in der Ukraine den Kontinent gefährde. "Die derzeit größte Bedrohung für Europa stellt nun schon seit Jahren der Vernichtungskrieg Moskaus gegen die Ukraine dar", so Habsburg. "Ein Krieg, der auf die Vernichtung eines Staates und eines Volkes abzielt, der gleichzeitig auf die Spaltung Europas hinarbeitet, um es leichter beherrschen zu können."
Dem Vernehmen nach soll auch der Klubchef der Wiener FPÖ im Landtag, Maximilian Krauss, aufgrund von Habsburgs Äußerungen aus dem St.-Georgs-Orden ausgetreten sein.
"Der St. Georgs-Orden ist ein dynastischer Hausorden und vereint ritterliche Tradition mit der Idee eines vereinten Europas im Sinne Otto von Habsburgs politischer Ideen." So heißt es auf der Internet-Präsenz des Ordens. Die Geschichte des Georgsordens beginnt im Königreich Ungarn des 14. Jahrhunderts, realpolitisch relevant wurde die Vereinigung aber erst wieder in der "Blütezeit", die als "habsburgischer Hausorden zu Beginn der Neuzeit" einsetzt. Konkret hat Otto Habsburg den St.-Georgs-Orden als "dynastischen Hausorden definiert, sein Sohn Karl führt ihn nun weiter. 2008 wurde in München ein erstes Ordenskapitel gewählt.
Inzucht
Auffallend ausfällig äußerte sich der Wiener FPÖ-Politiker Leo Lugner. „Ob die jahrhundertelange Inzucht seines autokratischen Erbzirkels der Grund für diese wirren Beleidigungen der stärksten demokratischen Kraft in unserem Land ist?“, schrieb Lugner auf X. In einem weiteren Post kommentierte er den Austritt Hofers aus dem Orden mit den Worten: „Wie man hört ist er nicht der einzige.“
Tatsächlich haben sich in den vergangenen Jahren viele Freiheitliche dem elitären Orden angeschlossen; der Zustrom erreichte Dimensionen, dass bisweilen von einer "Unterwanderung" die Rede war. Offiziell auf der Mitgliederliste geführt werden unter anderem der frühere Vizekanzler Herbert Haupt und Ex-Staatssekretär Reinhart Wanek. Laut Standard sollen auch der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp, Ex-FPÖ-Klubchef Johann Gudenus sowie die Nationalratsabgeordneten Harald Stefan und Markus Tschank Mitglieder sein. Vorsitzender der Ehrenritter ist der frühere Salzburger Landeshauptmann Franz Schausberger (ÖVP). Außerdem sind ÖVP-Größen wie Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll, der frühere Verteidigungsminister Werner Fasslabend, Ex-Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter oder der aktuelle oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer Mitglied.
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