Politik | Inland
05.06.2018

Politik und Privatleben Putins geben Rätsel auf

Präsident Putin kommt heute zu einem offiziellen Besuch nach Wien. Sein Leben bleibt rätselhaft, seine Politik Stückwerk.

Es mag nur eine gut gesetzte Pointe in einer pompösen Image-Inszenierung sein, jene Antwort, die der eben erst ins Amt eingeführte Präsident auf die Frage bei einer Volkszählung nach seinem Job abgab: „Ein Angestellter, tätig im Management, um Dienstleistung für die Menschen zu liefern.“ Sie erzählt trotzdem einiges über das, was Wladimir Putin damals, knapp nach der Jahrtausendwende, für die Russen verkörpern wollte – und für die Mehrheit auch verkörperte: Der bescheidene, aber entscheidungsstarke Staatsdiener, der nach dem Chaos der Präsidentschaft Boris Jelzins und dem Ausverkauf der Sowjetunion wieder die Zügel in die Hand nahm und Ordnung schuf.

Die Zügel hat Putin heute noch in der Hand, fester denn je. Die Opposition ist mundtot gemacht, die Oligarchen, die Russlands Wirtschaft kontrollieren, sind willfährige Günstlinge, die Politiker rund um ihn entweder Staffage, oder – wie der souveräne Außenminister Sergej Lawrow – ohne eigenen Handlungsspielraum. Der Putin-Kult versorgt die Russen nicht nur mit Bildern ihres Präsidenten in malerischen Macho-Posen, sondern auch mit Büsten und Auftritten vor Militärparaden im sowjetischen Großformat.

Doch das „System“, wie ehemalige Kreml-Insider den Machtapparat nennen, funktioniert trotzdem nicht nach Plan. Die Versprechen, die der einstige KGB-Spion den Russen gab, sind uneingelöst. Die High-Tech-Wirtschaft, die man schaffen wollte, blieb Illusion. Wie einst die UdSSR ist das Riesenreich vom Export seiner Rohstoffe abhängig und kann nur bei der Produktion von Waffen auf den Weltmärkten mitspielen. Die internationalen Sanktionen haben dem Rubel und damit den Russen schwer zugesetzt, die Lebenserwartung hat zwar seit den Jelzin-Jahren zugelegt, liegt aber mit knapp über 70 Jahren weit hinter westlichen Industriestaaten.

Russland von A bis Z

Das große Russland-ABC

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Warum war Iwan so schrecklich? Wie lange ist die Transsib? Und was ist nochmal die Sbornaja? Ein Blick in die Seele Russlands - von A bis Z.

A wie Abramowitsch Russland und seine Oligarchen: Seit dem wirtschaftlichen Neubeginn unter Michail Gorbatschow kamen einige wenige zu großem Reichtum und politischem Einfluss. Aus der ersten postkommunistischen Ära Jelzin konnten sich aber nur drei Oligarchen in die Ära Putin hinüberretten. Anderen erging es weniger gut: Boris Beresowski wurde 2013 tot im britischen Exil aufgefunden. Michail Chodorkowski verbrachte einige Jahre hinter Gittern. Zu den derzeit bedeutendsten Oligarchen gehören Oleg Deripaska, Michail Prochorow und: Roman Abramowitsch (Bild). Weil der den englischen Fußballklub Chelsea FC kaufte, wird dieser auch „Chelski“ genannt.

B wie Borschtsch Eine Nationalspeise ist schwierig auszusprechen, mundet aber: Borschtsch, Rote-Rüben-Suppe. Ebenfalls unverzichtbar in der russischen Küche: Pelmeni (gefüllte Teigtaschen), Bliny (Palatschinken mit verschiedensten Füllungen), Okroschka (kalte Gemüsesuppe mit Kwas, dem sogenannten russischen Brotbier u. a. aus Wasser, Malz und Roggenmehl), Seledka pod Schboj ("Hering im Pelzmantel" - eine Art Heringssalat mit roter Beete).

C wie CCCP (im Bild: Stalin) Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) hatte fast 69 Jahre Bestand, vom 30. Dezember 1922 bis zum 21. Dezember 1991. Im Westen sprach man fälschlich von „den Russen“, obwohl die Russische SFSR nur eine von fünfzehn Sowjetrepubliken war, wenn auch die größte. Dass man sowjetische Sportler im Fernsehen unter dem Kürzel „CCCP“ antreten sah, hat folgenden Grund: Im kyrillischen Alphabet wird das S als „C“ geschrieben und das R als „P“. „Союз Советских Социалистических Республик“ heißt es also im Original, transkribiert: „Sojus Sowjetskich Sozialistitscheskich Respublik“ (SSSR). Der Name der noch heute eingesetzten Sojus-Weltraumkapseln („Vereinigung“) ist somit eine Anspielung auf die Sowjetunion.

D wie Duma Die Staatsduma ist das Unterhaus des russischen Parlaments. Gemeinsam mit dem Föderationsrat, der als Oberhaus die Regionen vertritt, ist die Duma für die Gesetzgebung zuständig. Zudem muss die Mehrheit der 450 Abgeordneten den Regierungschef bestätigen. Im Vergleich zum Präsidenten und zur Regierung spielt das Parlament im politischen russischen Alltag eine untergeordnete Rolle. Seit Jahren dominiert die sogenannte Kremlpartei „Geeintes Russland“ die Duma.

E wie Eisenbahn, transsibirische Mit 9288 Kilometern ist die „Transsib“ die längste Eisenbahnstrecke der Welt, mehr als 400 Bahnhöfe gibt es zwischen Moskau und der Großstadt Wladiwostok am Pazifik. Spatenstich war im Jahr 1891, 1916 wurde die Strecke eingeweiht. Der zweispurige Ausbau wurde nach den Zweiten Weltkrieg fertiggestellt. In jüngster Zeit lebte die Debatte um eine Verlängerung der Breitspurbahn bis vor die Tore Wiens wieder auf.

F wie Fjodor Michailowitsch Dostojewski Seine großen Romane - etwa "Schuld und Sühne" oder "Die Brüder Karamasow" - zählen zu den dicken Säulen der Weltliteratur: Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881) zählt mit Leo Tolstoi und Alexander Puschkin zu den bedeutendsten russischen Schriftstellern. In seinen Beschreibungen des zaristischen Russlands erweist sich Dostojewski als großer Psychologe, der sich inmitten weit ausholender sozialer, politischer und religiöser Fragen letztlich immer für die individuelle menschliche Sinnsuche und moralische Verfasstheit interessierte.

G wie Gazprom „Dreht Putin den Gashahn zu?“ fragen sich Medien immer wieder etwas plakativ. Der Hintergrund ist aber vorhanden. Der russische Staat hält mit 50 Prozent und einer Aktie die Mehrheit an dem weltweit größten Gasförderunternehmen. Gazprom (russische Kurzform für „Gasindustrie“) kontrolliert das russische Pipeline-Netz für Erdgas und verfügt faktisch über ein Monopol für dessen Export. Anfang 2006 eskalierte der russisch-ukrainische Gasstreit, als Gazprom für einige Tage kein Gas an die Ukraine lieferte, was auch in einigen europäischen Ländern, darunter Österreich, für Engpässe sorgte.

H wie Hackerangriffe Das Verhältnis Russlands zum Westen ist auch wegen eines Informationskriegs gespannt. Immer wieder ist von „mutmaßlich russischen Hackern“ die Rede. Im US-Wahlkampf 2016 tauchten massenweise E-Mails aus der Kampagne der demokratischen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton auf. Der Kreml wies stets alle Verbindungen zurück. Auch im Fall der St. Petersburger "Trollfabrik". Der "Internet Research Agency" des Oligarchen Jewgeni Prigoschin, der als "Putins Koch" bezeichnet wird, wird vorgeworfen, via Fake-Postings und Fake-News weltweit das Meinungsklima und Wahlen beeinflussen zu wollen.

I wie Iwan der Schreckliche Warum war Iwan so schrecklich? Iwan IV. (1530-1584) begann seine Regierungszeit mit Reformen, schuf 1550 das erste Gesetzbuch und regelte Verwaltung und Armee neu. Widerstand wurde in Strafaktionen erstickt. Der theologisch gebildete Herrscher sah sich als Vollstrecker einer strengen Gerechtigkeit Gottes auf Erden, der nur gezwungenermaßen Gewalt ausübt. Nach Iwans Tod geriet ein verarmtes Russland jedoch in eine lange "Zeit der Wirren", bis 1613 eine Volksversammlung Michail Romanow zum Zaren wählte.

J wie Juri Gagarin Sein Flug ins Weltall vom 12. April 1961 machte Juri Gagarin zur Legende. Geboren 1934, musste der ausgebildete Gießer 1955 zur Armee und ließ sich zum Kampfpiloten ausbilden. Mit der Kapsel "Wostok-1" umrundete der Kosmonaut in 108 Minuten als erster Mensch die Erde. Er war es, der den Ausdruck vom "Blauen Planeten" prägte. Damals triumphierte die Sowjetunion im Rennen mit den USA um die Eroberung des Kosmos. Auch dank Laika. Die Hündin wurde 1957 bei der Mission „Sputnik 2“ zu Testzwecken in den Weltraum geschickt.

K wie Kalaschnikow Das weltweit verbreitete Sturmgewehr AK-47 wurde von dem Sowjetbürger Michail Kalaschnikow erfunden. Das Gewehr zeichnet sich durch eine hohe Verlässlichkeit auch unter schwierigen Bedingungen aus. Kalaschnikow selbst war 2013 nach langer Krankheit im Alter von 94 Jahren gestorben.  Der russische Staat hat keine Mehrheit mehr am Waffenhersteller: Der Anteil sank heuer im Frühjahr von 51 Prozent auf 25 Prozent plus eine Aktie. Das Unternehmen versucht sich mit dem Angebot zusätzlicher Waffenmodelle breiter aufzustellen. Außerdem stellt Kalaschnikow inzwischen auch Kleidung und Messer her und betreibt Souvenirläden.

L wie Lada "Wie verdoppelt man den Wert seines Lada? Volltanken!" – diese und ähnliche spöttische Witze kratzten jahrelang am Image des Lada und stellten das Auto als unzuverlässige sowjetische Klapperkiste da. Autohersteller Avtovaz baut die Traditionsmarke Lada, senkte zuletzt die Verluste und will 2018 wieder schwarze Zahlen schreiben. Laut Firmenangaben ist jeder fünfte Neuwagen in Russland ein Lada

M wie Moskau Rund um die Hauptstadt Russlands ist gleichzeitig auch die größte Metropol Europas angesiedelt. 15,1 Millionen Menschen sollen dort angesiedelt sein, davon 12,4 Millionen tatsächlich innerhalb der offiziellen Stadtgrenzen (mehr innerhalb dieser vermeldet nur Istanbul). Schon kurz vor dem 20. Jahrhundert galt Moskau erstmals als Millionenstadt, durch den Ersten Weltkrieg verlor sie diesen Status dann beinahe wieder. Alt ist die Stadt auch. Erstmals schriftlich erwähnt wurde Moskau schon 1147, Menschen lebten aber schon vor etwa 5.000 Jahren in der Region. Wie viele große Städte brannte auch Moskau mehrmals nieder und wurde auch bei einer Offensive von NS-Deutschland im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt.

N wie Nawalny Der Rechtsanwalt und Aktivst Alexei Nawalny gilt im Internet für viele als eine Art Kultfigur im Widerstand gegen Putin. Landesweit werden unter seiner Führung immer wieder Protestaktionen gegen die Regierung organisiert. Anhängern des Putin-Regimes ist Nawalny dementsprechend ein Dorn im Auge. Als im vergangenen Mai ein Säureangriff auf ihn verübt wurde, beschuldigte Nawalny Putin und dessen Gefolge, hinter der Attacke zu stecken. Während Nawalny von seinen Fans als Held der Opposition gefeiert wird, ist in internationalen Medien auch immer wieder von nationalistischen Tendenzen innerhalb seiner Bewegung die Rede.

O wie Opernhaus Bolschoi Das Bolschoi-Theater in Moskau ist mit dem Mariinski Theater in St. Petersburg das wichtigste Opernhaus Russlands. Das 1776 gegründete Haus verfügt über rund 1.800 Zuschauerplätze und war im Laufe seiner Geschichte Uraufführungsort für zahlreiche wichtige Opern und Ballette vor allem des 19. Jahrhunderts. Das hauseigene Bolschoi Ballett ist die größte Ballettcompagnie der Welt.

P wie Putin Wladimir Putin leitet die Geschicke des Landes seit 18 Jahren und wurde Mitte März als Präsident wiedergewählt. Mit Geheimdiensten kennt sich der am 7. Oktober 1952 in einer armen Arbeiterfamilie im heutigen St. Petersburg geborene Putin gut aus: Er war seit 1975 beim sowjetischen Geheimdienst. Zwischen 1985 und 1989 war er für den KGB in der DDR stationiert. Als Präsident kam der Deutsch sprechende Putin auch öfter privat nach Österreich. Putins Ruf im Ausland hat durch die Rolle Russlands im Ukrainekonflikt gelitten, wegen der die USA und die EU 2014 Sanktionen verhängten. Für Kritik sorgt zudem die militärische Unterstützung von Syriens Machthaber Bashar al-Assad. Das Dopingsystem im russischen Sport, das zum Ausschluss des Landes von den Olympischen Spielen in Pyeongchang führte, hat nicht geholfen, die Popularität des Präsidenten im Ausland zu erhöhen.

Q Dieser Buchstabe hat im russischen Alphabet keine Entsprechung, deshalb: Q wie Quadratkilometer. Die Russische Föderation ist der größte Flächenstaat der Welt und erstreckt sich auf 17,075 Mio. Quadratkilometern über neun Zeitzonen von der Ostsee bis zum Pazifik. Mit rund 144 Mio. Einwohner ist Russland an 9. Stelle der bevölkerungsreichsten Länder – und mit 8 Einwohner pro Quadratkilometer zugleich sehr dünn besiedelt (Zum Vergleich: Österreich hat 105 Einwohner pro km2).

R wie Romanows Mehr als 300 Jahre lang hat die Dynastie der Romanows Russlands beherrscht. Unter ihrem autokratischen Regime stieg das Reich zur stärksten slawischen Macht auf und dehnte sich bis in den fernen Osten aus. Der Aufstieg der Familie Romanow hatte 1547 begonnen, als eine Verwandte Iwan IV., den „Schrecklichen“, heiratete. Als letzter Zar dankte Nikolaus II. in der Februarrevolution 1917 ab. Ein Jahr später wurden er und seine Familie von den Kommunisten ermordet. Alle anderen Romanows emigrierten nach 1917.

S wie Sbornaja Nicht nur das erfolgreiche Eishockey-Nationalteam, auch die Fußballelf wird „Sbornaja“ genannt, übersetzt: „Auswahlmannschaft“. Vom 14. Juni bis zum 15. Juli 2018 findet in Russland die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Die Vorbereitung unter Team-Trainer Stanislaw Tschertschessow – der in seiner aktiven Zeit u.a. beim FC Tirol das Tor hütete -  läuft allerdings alles andere als ideal: Zuletzt gab es eine 0:1-Niederlage gegen Österreich in Innsbruck.

T wie Tschaikowski Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893) schuf einige der bekanntesten Musikstücke der Romantik und gilt als wichtigster russischer Komponist des 19. Jahrhunderts. Mit seinem Violinkonzert, Symphonien oder den ikonischen Balletten "Nussknacker" und "Schwanensee" dominiert er bis heute Konzert- und Tanzprogramme in aller Welt. Obwohl zu Lebzeiten bereits international aufgeführt, hatte Tschaikowski immer wieder unter finanziellen Engpässen zu leiden. Auch sein Liebesleben war aufgrund seiner geheim gehaltenen Homosexualität von viel Unglück geprägt.

U - wie Ukraine-Konflikt Damit ist der seit 2014 schwelende Krieg in der Ukraine gemeint, bei dem sich Russland an der Seite von Milizen in bewaffneter Opposition zur offiziellen Regierung befindet. Im Kern steht ein Streit über die Ausrichtung der Ukraine in ihrer Außenpolitik zwischen einem pro-westlichen und pro-russischen Kurs. Mit der Krim wurde ein Teil der Ukraine von Russland annektiert. Der Konflikt führte zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Russland und der Ukraine sowie dem Westen. 

V - wie vergiftet Vergiftet ist das Verhältnis zwischen der EU und Russland. Der Giftanschlag auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal in England, für den Großbritannien Moskau verantwortlich macht, hat das Verhältnis zwischen der EU und Russland stark verschlechtert. Dabei schienen die Beziehungen seit Beginn des Ukraine-Konflikts 2014 ohnehin schon vergiftet. Später kamen Vorwürfe von russischer Einmischung in westliche Wahlen und Spaltungsversuchen in Europa hinzu. Auch dass Russland an der Seite des syrischen Machthabers Bashar al-Assad steht und kämpft, selbst wenn dieser Giftgas gegen sein Volk einsetzt, wird in westlichen Regierungen wenig goutiert.

W - wie Wodka Wodka heißt übersetzt „Wässerchen“ – und so wird das Nationalgetränk der Russen oft auch konsumiert: exzessiv. In Russland sterben jährlich Hunderttausende an den Folgen des Alkoholkonsums, medizinische Untersuchungen sprechen sogar von einem Drittel alle Todesfälle. Übrigens: Die Russen prosten sich nicht mit „Na sdorowje" zu, das ist eher als ein „Wohl bekomm’s!“ beim Essen zu verstehen. Die Variante „Sa sdorowje“, also „für“ die Gesundheit, ist geht noch eher als Trinkspruch durch.

X wie in „Lxc4“ Jeder Russe weiß: Damit ist eine Schachnotation gemeint („Läufer zieht nach c4 und schlägt gegnerischen Stein“). Russische Sportler zählen in vielen Bereichen zur Spitzenklasse: Leichtathletik, Eishockey oder Turnen/Gymnastik. Ein (Denk-)Sport ist aber untrennbar mit Russland verbunden: Schach. Aus keiner anderen Nation stammen mehr Großmeister. Mit Ausnahme von Bobby Fischer (1972-75) stellte Russland/Sowjetunion über 50 Jahre lang (1948-2007) alle Schachweltmeister. Bekannt etwa: Garri Kasparow.

Y wie Yekaterinburg (Jekaterinburg) Die wichtige Industrie- und Universitätsstadt am Uralgebirge ist historisch auch als Katharinenburg bekannt. Bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion war die Stadt für Ausländer unzugänglich. Die Kathedrale auf dem Blut prägt das Stadtbild. Sie steht an der Stelle, an der im Juli 1918 die Bolschewiki den letzten Zaren Nikolaus II. und seine Familie ermordeten.

Z wie Zeitrechnung Warum feiern die Russen Weihnachten später? Ein Teil der orthodoxen Kirchen feiert die Geburt Christi am 7. Jänner - 13 Tage nach dem katholischen Weihnachtsfest. Dieser Abstand fußt auf der abweichenden Zeitrechnung: Einige Orthodoxe Kirchen - etwa in Russland, Georgien und der Ukraine - richten sich nach dem bereits von Julius Caesar eingeführten julianischen Kalender. Die Westkirchen halten sich hingegen heute an den 1582 von Papst Gregor XIII. verordneten gregorianischen Kalender.

Wieder Großmacht

Das einzige, was Putin den Russen tatsächlich zurückgegeben hat, ist das Selbstbewusstsein, wieder eine Großmacht zu sein, die auf der Weltbühne mitspielt. Doch Erfolge wie die Eingliederung der Halbinsel Krim sind teuer und mit außenpolitischer Isolation erkauft. Das nur spärlich verhüllte militärische und politische Mitmischen in der Ostukraine kostete Menschenleben, Geld und produzierte im Endeffekt einen von Kriminellen beherrschten Kleinstaat, der an Russland hängt wie am Tropf. Die Intervention in Syrien war – vor allem wegen Zerstrittenheit und Inkonsequenz des Westens – bisher erfolgreich. Ob aus dem Prestigeerfolg tatsächlich eine dauerhafte Stärkung der Machtposition Russlands im Nahen Osten entsteht, ist weiterhin fraglich.

Geheimniskrämer

Putin habe alle relevanten politischen Entscheidungen unter seine Kontrolle gebracht, analysieren Kreml-Analytiker. Der Machtapparat rund um ihn aber sei bis heute ineffizient: Weil Putin sich statt mit entscheidungsstarken Managern mit Ja-Sagern umgebe, und weil diese Ja-Sager obendrein über die wahren Absichten des Chefs im Dunkeln gelassen würden.

Der Mann, der einst in Dresden saß und den kapitalistischen Feind aushorchte, hat sich von der Denk- und Arbeitsweise des Spions nie ganz lösen können.

Nicht umsonst ist auch sein gesamtes Privatleben in Geheimnisse gehüllt. Niemand weiß genau nicht nur wie viele Residenzen Russlands Herrscher besitzt, sondern ebenso wenig wie viele Kinder er tatsächlich hat – und mit welchen Frauen. Die langjährige vermeintliche Geliebte, die Turnerin Alina Kabajewa, bleibt im Verborgenen, darf aber dafür angeblich lukrative Geschäfte im Umfeld des Kreml machen.

Ein Image, das mit professioneller PR-Beratung – und die hat Putin – leicht ins rechte Licht zu rücken wäre. Doch er ist daran offensichtlich nicht interessiert. Er bleibt für seine Landsleute und den Rest der Welt rätselhaft und daher unberechenbar. Oder aber sein Nachbar im Sommerhäuschen aus St. Petersburger Tagen weiß den eigentlichen Grund für dieses seltsam halbfertige Leben und Lebenswerk: „Putin ist vor allem anderen ein schwacher Mensch.“