Politik | Inland
12.11.2017

Po-Grapsch-Paragraf verdoppelte Anklagen

Starker Anstieg bei Anzeigen wegen Sexualdelikten.

Jeden Tag werden in Österreich durchschnittlich 14 Sexualdelikte angezeigt – ein Anstieg im Vergleich zu 2015, als es noch zwölf Anzeigen pro Tag waren. Der Hauptgrund für den Anstieg ist die Novellierung des Tatbestands der sexuellen Belästigung, den so genannten "Po-Grapsch-Paragraf" §218. Das Inkrafttreten 2016 brachte beinahe eine Verdoppelung der Anklagen durch die Staatsanwaltschaft mit sich. Grapschen kann seither mit einer Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit einer Geldstrafe von bis zu 360 Tagessätzen bestraft werden.

Die Anzeigen nach Paragraf 218 machen den größten Teil in der Gruppe der Sexualdelikte aus. Bei 5253 Fällen im Jahr 2016 wurde deswegen in 1583 ermittelt. Dahinter liegen Vergewaltigungen mit 899 angezeigten Fällen im Vorjahr. Vergleicht man das erste Halbjahr 2016 mit dem heurigen, scheinen die Zahlen heuer aber zurückzugehen. 253 Fälle weniger wurden bis Ende Juni gezählt.

Das Profil der Täter hat sich laut Experten des Bundeskriminalamts in den letzten Jahren nicht verändert. Mehr als die Hälfte der Täter sind Österreicher. Von den über 50-Jährigen sind beinahe alle Inländer. Einen traurigen Platz eins in der Kriminalstatistik belegt Wien. Hier werden mit Abstand die meisten Fälle von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen angezeigt. Mit 1491 Fällen gab es in der Bundeshauptstadt knapp 50 Prozent mehr als in Oberösterreich, dem Bundesland das in diesem Ranking Platz zwei einnimmt. Positiv fällt das Burgenland auf. Dort gab es nur 79 Anzeigen wegen strafbarer Handlungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung – 18 Mal weniger als in Wien.