GPA-Chefin Barbara Teiber

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Politik Inland
02/05/2020

Pflegenotstand: "Dann verlagert sich Protest in die Betriebe"

35-Stunden-Woche in der Pflege: GPA-Chefin Teiber kontert mit Streikdrohung auf jüngstes Nein der Arbeitgeber

von Michael Bachner

In der Pflege kriselt es massiv. Top-Gewerkschafterin Barbara Teiber (GPA) fordert ultimativ die 35-Stunden-Woche. Gelingt das am Montag nicht, wird gleich danach gestreikt.

KURIER: Frau Teiber, die GPA demonstriert österreichweit für eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich in den privaten Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen. Warum sollen da die Arbeitgeber zustimmen?

Barbara Teiber: Die ganze Republik weiß, dass wir einen Pflegenotstand, also einen massiven Personalmangel haben. Wir müssen die Branche attraktivieren. An besseren Arbeitsbedingungen führt kein Weg vorbei. Dazu ist leider auch herzlich wenig im Regierungsprogramm zu finden. Da steht zwar viel drinnen, auch manches, das wir teilen. Aber mit keinem Satz kommt die Attraktivierung der Arbeitsbedingungen vor. Die Pflegearbeit ist ja emotionale und körperliche Schwerstarbeit. Da braucht es mehr Erholungszeiten, damit man diesen Beruf auch lange ausüben kann. Denn wir haben sehr viele Kollegen, die die Branche wieder verlassen, plus zu wenig Nachwuchs.

Drei Stunden weniger pro Woche ist das Allheilmittel?

Nein, alleine wird das nicht reichen, das ist aber ein zentraler Punkt. Man darf ja nicht vergessen: Wir haben hier eine Branche, wo über 70 Prozent in Teilzeit beschäftigt sind. Für diese Kollegen und Kolleginnen bedeutet die Arbeitszeitreduktion von 38 auf 35 Stunden pro Woche, auch eine wirkliche und spürbare Lohn- und Gehaltserhöhung. Für jeden Teilzeitbeschäftigten reden wir da von einem Lohnplus von 8,6 Prozent. Außerdem kommt bei jeder Befragung heraus, dass sich gerade jüngere Menschen kürzere Arbeitszeiten wünschen. Die Arbeitszeitverkürzung soll also auch ein Anreiz sein, sich für diese Branche zu entscheiden.

Die Arbeitgeber kontern, eine Arbeitszeitverkürzung verschärfe den Fachkräftemangel. Was entgegnen Sie?

Da dürften vielfach auch ideologische Gründe vorhanden sein, warum man die Arbeitszeitverkürzung nicht zulassen will. Beim Fachkräftemangel sind wir nicht allein, der herrscht in der Pflege praktisch in ganz Europa. Da stehen wir im Wettbewerb um die besten Arbeitsbedingungen. Von jenen Menschen, die eine Ausbildung im Gesundheits- und Pflegebereich gemacht haben, wollen 40.000 Menschen nicht mehr in der Branche arbeiten. Daher muss man an den beiden Haupthebeln Arbeitszeit und Entlohnung ansetzen, sonst bewegt sich hier nichts.

In einem Schritt wird die Arbeitszeitverkürzung nicht umzusetzen sein. Ist das für 3 oder 5 Jahre angedacht?

Das ist der Inhalt unserer Verhandlungen am Montag in der fünften Runde. In einem Schritt wird es schwierig, das ist uns bewusst. Es wurde bereits über einen Stufenplan gesprochen, dann herrschte aber wieder totale Gesprächsverweigerung. Das ist für uns sehr frustrierend. Daher rufen wir ja zu Warnstreiks vom 11. bis 13. Februar auf, sollte am Montag wieder keine Einigung gelingen. Anscheinend hat sich zuletzt eine unheilige Allianz von Retro-Arbeitgebern durchgesetzt. Lenken die Arbeitgeber nicht ein, wird sich der Protest von der Straße in die Betriebe verlagern.

Stichwort Retro-Arbeitgeber: In Graz wurde vor der SeneCura-Gruppe demonstriert, die zu einem börsenotierten französischen Konzern gehört. Meinen Sie die?

Pflege- und Gesundheitsfirmen, bei denen die Gewinnabsicht im Vordergrund steht, werden in Österreich mehr. Sie sind die Striktesten in der Ablehnung.

In der Pflege sind auch gemeinnützige oder SPÖ-nahe Vereine wie die Volkshilfe tätig. Tut sich die Gewerkschaft da besonders schwer, mit diesen zu verhandeln?

Bei der Volkshilfe und anderen gibt es durchaus mehr Verständnis und Einsicht. Nicht wenige Arbeitgeber haben die Zeichen der Zeit erkannt. Sie wissen, dass wir die Arbeitsbedingungen in der Branche endlich attraktivieren müssen – aber leider gibt es da auch einige Scharfmacher, die total bremsen.

Was halten Sie von einer Pflegelehre?

Das ist für uns nicht das richtige Modell. 15-Jährige an ein Krankenbett zu stellen, kommt einfach viel zu früh.

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