Die geplante Energiewende spaltet die Gesellschaft in Österreich
Windräder vor rotem Himmel.
Es gibt politische Themen, die über viele Jahre hinweg Hochkonjunktur haben. Sprich: Einer breiten Bevölkerungsschicht wichtig sind. Migration und Integration zum Beispiel, aber auch die Gesundheitsversorgung und die Pensionen.
Völlig anders ist das beim Thema Klimaschutz: 2019 hatte es den Grünen noch zu ihrem Wahlerfolg, dem Comeback ins Parlament und dem erstmaligen Eintritt in eine Bundesregierung verholfen. Heute, angesichts globaler Verwerfungen und einer andauernden Wirtschaftskrise, spielt es nur mehr eine untergeordnete Rolle. Was auch die Grünen bei den letzten Nationalratswahlen deutlich zu spüren bekamen.
Das spiegelt sich auch in der aktuellen OGM-Umfrage im Auftrag des KURIER (1.046 Wahlberechtigte, Schwankungsbreite +/– 3,0 %) wider. Demnach ist nur mehr knapp ein Drittel der Befragten (32 Prozent) dafür, dass am Klimaziel (Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis 2040) ohne Änderungen festgehalten werden soll. 35 Prozent wollen an den Zielen festhalten, sie aber lockern, 26 Prozent wollen sie hingegen überhaupt aufgeben.
„Vor fünf bis zehn Jahren noch das politische Thema mit der größten Zustimmung, hat sich die öffentliche Meinung zur völligen Klimaneutralität stark gedreht“, sagt Politologe Reinhard Heinisch vom OGM-Team.
Polarisierung
Besonders stark zeigt sich bei diesem Thema eine Polarisierung, Heinisch spricht gar von einem „Spalt durch die Gesellschaft“: Bei den deklarierten FPÖ-Wählern wollen nur vier Prozent ohne Änderungen an den Klimazielen festhalten, dafür aber 61 Prozent völlig von ihnen abkehren.
Bei den Grünen ist es genau umgekehrt – mit 82 Prozent Befürwortern und null Prozent Gegnern.
Deutlich mehr Befürworter der uneingeschränkten Beibehaltung der aktuellen Klimaziele befinden sich unter den Frauen, den Unter-30-Jährigen und den Stadtbewohnern.
Doch wie stehen die Österreicher dem Thema erneuerbare Energien (Wind, Sonne, Wasserkraft) gegenüber? Satte 65 Prozent sind „voll dafür“. Bei den Grünen-Anhängern sind es sogar 99 Prozent, doch auch bei den Wählern der drei Regierungsparteien sind es jeweils über 80 Prozent. Einzig unter den FPÖ-Fans sind es nur 27 Prozent. Bei ihnen ist aber das Lager der teilweisen Befürworter mit 63 Prozent sehr hoch, wodurch gesamt gerechnet die Zustimmung auch bei ihnen relativ hoch ist.
Erneuerbare Energie
Die Befragten haben auch keine größeren Probleme damit, wenn entsprechende Anlagen in ihrem Sicht- oder Nahbereich errichtet werden. Je nach Energieform gibt es aber Unterschiede: Bei einer größeren Anlage von Sonnenkollektoren sind noch 70 Prozent dafür und nur 19 Prozent dagegen. Ähnliche Werte erreicht auch ein mögliches Wasser- oder Pumpkraftwerk in der Nachbarschaft. Bei einer Windkraftanlage sind nur mehr 54 Prozent dafür und immerhin 31 Prozent dagegen.
Blaue Windrad-Skepsis
Unter den FPÖ-Wählern ist bei Solar- und Wasserkraft der Anteil der Befürworter deutlich geringer, aber immer noch höher als jener der Gegner.
Deutlich ausgeprägter ist die Ablehnung der Blauen beim Reizthema Windräder in der unmittelbaren Umgebung: Nur 25 Prozent sind dafür, aber 64 Prozent dagegen.
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