ÖVP-Wöginger sprach mit Rechtsaußen-Magazin "Info direkt"

August Wöginger.
Der Klubchef unterhielt sich mit dem in einschlägigen Kreisen beliebten Magazin über die Identität im ländlichen Raum.

ÖVP-Klubobmann August Wöginger hat der rechten Zeitschrift Info-Direkt ein Interview gegeben. In diesem sprach der Politiker über die österreichische Identität und darüber, wo er den ländlichen Raum gegenüber der Stadt im Vorteil sieht. Wöginger steht bei der Nationalratswahl auf Platz eins der oberösterreichischen VP-Landesliste.

Info-Direkt ist laut Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) an der Grenze zum Neonazismus zu verorten. Die Zeitschrift kleide "klassisch rechtsextreme Weltanschauung in ein modernes Gewand". Bis vor wenigen Monaten hielten auch FPÖ-Funktionäre Anteile am Magazin, mussten sie aber nach Kritik im Zuge der Ermittlungen gegen die Identitären abgeben.

Wöginger sagte in dem Interview unter anderem: "Wir sind natürlich ein Exportland, aber wir wollen Österreicher und Österreicherinnen bleiben." Die ÖVP sei eine "eine heimatverbundene, traditionsbewusste Partei". Der Parlamentarier betonte auch seine Innviertler Herkunft und ließ wenig Liebe für seinen Arbeitsort Wien durchblicken. "Was ich merke, ich bin seit 17 Jahren durch meine politische Tätigkeit in Wien unterwegs und ich merke da schon, dass die Anonymität herrscht. Bei uns am Land kennt man sich in den Dörfern und Ortschaften. Vor allem auch durch die Vereine und Gebietskörperschaften. Das ist der große Vorteil, den wir im ländlichen Raum haben. Daher beneiden wir die Wiener auch nicht. Die haben zwar ein Theater, eine Staatsoper und wahrscheinlich auch mehr Geld, aber wir haben das gesellschaftliche Miteinander und das ist von enormer Bedeutung für ein funktionierendes Leben im ländlichen Raum."

Info-Direkt hat seinen Redaktionssitz in Linz. Alleiniger Eigentümer ist laut Impressum Michael Siegfried Scharfmüller.

ÖVP-Wöginger sprach mit Rechtsaußen-Magazin "Info direkt"

Anerkennung von rechts

Lob bekam Wöginger pikanterweise prompt von Identitären-Sprecher Martin Sellner. Die ÖVP hatte in ihr Wahlprogramm im August unter anderem ein Verbot der Identitären aufgenommen. Sie will das Vereinsrecht so ändern, dass die Identitären aufgelöst werden können.

"Es ist mir völlig gleich, wenn man sich von uns distanziert, solange man inhaltliche identitäre Positionen vertritt! Bravo Hr. Wöginger! Danke für das Interview", schrieb Sellner am Sonntag auf Twitter.

Empörung über Dornauer

Bereits vor zwei Wochen hatte der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer sich viel Groll und Empörung auch in der eigenen Partei zugezogen, weil er mit Info-Direkt ein Gespräch geführt hatte. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda nannte die Entscheidung, mit dem Medium zu sprechen, damals "zweifellos einen Fehler".

Auch wegen dieses Interviews gab es Rücktrittsforderugen gegen Dornauer aus dessen eigener Landespartei. Erst am Sonntag sagte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner im KURIER zur Frage "Stehen Sie hinter ihm?" lediglich: "Das ist eine Tiroler Angelegenheit. Wer wie groß auf der Tiroler Landesparteizentrale plakatiert ist, sollen die Tiroler unter sich ausmachen." Man habe in Österreich ganz andere Themen zu diskutieren.

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