Politik Inland
03/25/2019

Österreicher für zweites Brexit-Referendum

KURIER-OGM-Umfrage zum Brexit: Mehrheit der Befragten wünscht sich britischen Verbleib in Europäischen Union

von Andreas Puschautz

Während die britische Premierministerin Theresa May verbissen und gegen alle Widerstände um das britische Austrittsabkommen mit der EU kämpft, hofft hierzulande eine deutliche Mehrheit weiterhin auf eine britische Kehrtwende.

Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen KURIER-OGM-Umfrage.

44 Prozent der Befragten wünschen sich einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU, 24 Prozent sind für den Brexit (siehe Grafik).

Nach Parteipräferenz aufgeschlüsselt erweisen sich Grün-Wähler als vehementeste Brexit-Gegner – gleich 88 Prozent lehnen einen britischen EU-Austritt ab. Unter FPÖ-Wählern halten sich Austritts-Gegner und -Befürworter die Waage.

Einem Viertel ist es egal

Besonders bemerkenswert: Einem satten Viertel der Befragten ist es einerlei. „Es war schon sehr spannend, zu sehen, dass trotz der breiten Berichterstattung besonders den Unter-30-Jährigen und den Frauen eher egal ist, was hier passiert“, ist auch Christoph Haselmayer, Mitglied der Geschäftsleitung des OGM-Instituts, erstaunt.


Gleichzeitig steht ein zweites Referendum über den Brexit bei über der Hälfte der Österreicher auf dem Wunschzettel. 52 Prozent wollen das, 35 Prozent sind gegen ein zweites Referendum.

Nur Wähler der Freiheitlichen lehnen eine zweite Brexit-Abstimmung mehrheitlich ab (43 zu 35 Prozent).

Zwei Drittel pro Europa

Sich selbst sehen die Österreicher überwiegend als Europa-Freunde, auch das ergab die Umfrage. Ein Viertel bezeichnet sich als sehr, weitere 39 Prozent als eher pro-europäisch. Ein knappes Drittel deklariert sich hingegen als sehr oder eher europaskeptisch.

Sehr ähnliche Werte wie bei der EU-Volksabstimmung 1995, wie Meinungsforscher Haselmayer betont – wie auch, dass diese Werte in der Vergangenheit „schon viel schlechter“ waren. Das führt der Meinungsforscher nicht zuletzt auf Unsicherheitsfaktoren wie den Brexit zurück, die den Wunsch nach Stabilität erhöhen würden.

Ausblick auf EU-Wahl

Die europafreundlichste Partei ist in der Wahrnehmung der Österreicher momentan überraschenderweise die SPÖ: Mehr als die Hälfte sieht die Sozialdemokraten als sehr, ein weiteres Drittel als eher pro-europäisch.

Keine Überraschung: Das Image der europaskeptischsten Partei hat eindeutig die FPÖ. 60 Prozent der Befragten sind der Meinung, die Freiheitlichen wären eher oder sehr gegen Europa – womit sie hinsichtlich des EU-Wahlkampfs ein klares Alleinstellungsmerkmal hätten, sagt Haselmayer. Das könne am Wahlabend „noch spannend werden, weil die anderen fünf Parteien sich den Kuchen der pro-europäischen Wähler aufteilen“.

Die „Liste Jetzt“ bzw. „1 Europa“ unter dem reaktivierten Ex-Grünen EU-Parlamentarier Johannes Voggenhuber hat hingegen noch Nachholbedarf. Zwar wird sie von der Hälfte der Österreicher als pro-europäische Kraft wahrgenommen, weitere 40 Prozent sagen jedoch, sie wüssten nicht, ob die Liste für oder gegen Europa eingestellt sei. Haselmayer: „Da muss man sicher noch nachschärfen, wenn man bei der Wahl eine Chance haben will.“

Mangelnde Bekanntheit

Nachschärfen müssen auch sämtliche Spitzenkandidaten hinsichtlich ihrer Bekanntheit. Über den höchsten Bekanntheitsgrad darf sich die ÖVP-Doppelspitze Othmar Karas / Karoline Edtstadler freuen; immerhin 40 Prozent konnten einen der beiden Namen nennen. Danach folgen Harald Vilimsky (FPÖ), Andreas Schieder (SPÖ) und Werner Kogler (Grüne).

Besonders viel Arbeit wartet auf Johannes Voggenhuber (Jetzt/1 Europa) und Claudia Gamon (Neos): Nur 14 bzw. zwölf Prozent wissen, dass sie die jeweiligen Spitzenkandidaten ihrer Listen sind. Alarmierend für Gamon: Nicht einmal ein Drittel der Neos-Wähler weiß, dass sie die pinke EU-Liste anführt.

Alarmierend ist freilich auch, dass 24 Prozent keinen einzigen Spitzenkandidaten kennen. Ein Wert, der bei den Unter-30-Jährigen sogar auf 40 Prozent ansteigt.

Am mangelnden Interesse an der Europawahl dürfte das nicht liegen: Immerhin zwei Drittel geben an, der Urnengang Ende Mai wäre ihnen sehr oder eher wichtig.

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