Politik | Inland
19.06.2018

Österreich-Tour: SPÖ legt Fokus auf den ländlichen Raum

SPÖ-Chef Kern startete seine Österreich-Tour. In den nächsten eineinhalb Jahren werden alle 94 Bezirke Österreichs besucht.

SPÖ-Chef Christian Kern hat am Dienstag in Kalsdorf südlich von Graz seine österreichweite „Stadt.Land.Zukunft-Tour“ gestartet: In den kommenden eineinhalb Jahren wollen er und Bundesgeschäftsführer Max Lercher alle 94 Bezirke Österreichs besuchen und damit vor allem in kleinen und mittleren Gemeinden wieder „Knotenpunkte für eine gemeinsame Kampagnisierung“ schaffen.

Nicht im großen Bus wie noch im Vorjahr als Kanzler, sondern in einem Neunsitzer fuhr Kern in Kalsdorf vor und wurde von Bürgermeisterin Ursula Rauch in überschaubarem Rahmen vor einem Gasthaus empfangen. Der Oppositionsführer begründete die Tour vor Medien: „Wir haben eine veränderte politische Rolle und daher mehr Möglichkeiten vielleicht Vernachlässigtes nachzuholen.“ Man wolle wieder mehr zu den Bürgermeistern und zur Bevölkerung: „Wir sind in den Städten stark gewesen, aber nicht am Land.“ Man brauche wieder mehr die kleinen und mittelgroßen Gemeinden und wolle als Opposition „Öffentlichkeit schaffen“.

Kritik an 60-Stunden-Woche

Den Tour-Auftakt nutzte Kern auch, um gegen die Regierung zu wettern, die die 60-Stunden-Woche „überfallsartig“ einführen wolle. ÖVP und FPÖ hätten bei der Ankündigung gelogen, „dass sich die Balken biegen“. Die Regierung wolle nur Schein produzieren und sei schwach beim Realisieren. Zudem wüssten sie offenbar selbst nicht, was sie wollen, was die unterschiedlichen Aussagen der vergangenen Tage unterstreichen würden, so Kern.

Freizeit und Familienleben gefährdet

Beim Zwölf-Stunden-Tag gehe es um die Verfügbarkeit der Arbeitnehmer, die Auswirkungen auf deren Freizeit und Familienleben habe. Der SPÖ-Chef meinte, dass dafür die Kinderbetreuung und die Ganztagsschulen ausgebaut werden müssten, was ÖVP und FPÖ aber nicht eingeplant hätten. „In der Regierung herrscht Zukunftsvergessenheit“, kritisierte Kern und meinte weiter: „Sie überlegen nicht, wie die Menschen das unter einen Hut bringen sollen.“

Lercher kündigte Widerstand gegen die Einführung der 60-Stunden-Woche an: Aktionstage auch in Ländern und Bezirken seien geplant, denn die Regierung verlasse den „Weg der Sozialpartnerschaft“. Der Bundesgeschäftsführer sieht die SPÖ als die „starke politische Alternative“. Das Wort Generalstreik nahm die SPÖ-Spitze nicht in den Mund, wirkte aber auf Journalisten-Nachfrage nicht gänzlich abgeneigt. Geeignete Maßnahmen würden jedenfalls besprochen, vorerst reiche man der Regierung aber noch die Hand für Gespräche.