Angeboren? Anerzogen?

Mit der Familienarbeitszeit sollen vor allem Frauen unterstützt werden.

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Politik Inland
08/02/2021

ÖGB und Arbeiterkammer fordern "Familienarbeitszeit"

Das vorgelegte neue Modell soll beide Elternteile fördern, wenn sie zwischen 28 und 32 Stunden arbeiten.

von Kevin Kada, Thomas Pressberger

ÖGB und Arbeiterkammer haben ein neues Modell präsentiert, mit dem künftig Eltern und vor allem Mütter gefördert werden sollen. Aktuell liegt das große Problem für Frauen in der Teilzeit. Da die Kinderbetreuung weitestgehend bei den Müttern liegt, fehlen den Frauen am Ende ihrer Berufstätigkeit wichtige Beitragsjahre für die Pension. 

"Die Familienarbeitszeit soll das ändern und Frauen raus aus der Teilzeitfalle holen“, sagt AK-Präsidentin Renate Anderl. Grundsätzlich geht es darum, die Elternteile mit einer Förderung von 250 Euro pro Monat zu unterstützen. "Wenn beide Elternteile zwischen 28 und 32 Stunden pro Woche arbeiten, soll es dafür einen finanziellen Anreiz geben", so Anderl weiter.

Für ÖGB-Frauenvorsitzende Korinna Schuhmann wäre das ÖGB/AK-Modell ein wichtiges Instrument: "Die Förderung von 250 Euro pro Elternteil kann einen wichtigen Unterschied machen bei der zukünftigen Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern."

60 Stunden pro Woche

Eltern kommen aktuell im Durchschnitt gemeinsam auf 60 Stunden Arbeitszeit pro Woche. Diese wird allerdings nicht gleich zwischen den Eltern aufgeteilt. Meistens arbeiten Frauen Teilzeit rund 20 Stunden, während Männer einem Vollzeitjob nachgehen. Zudem machen Männer dann oft Überstunden. Die Ursache dafür sehen ÖGB und AK darin, dass die Familien die Einkommensverluste durch die Teilzeit-Tätigkeit der Frau möglichst gering halten wollen. Darum werde die ohnedies niedriger bezahlte Erwerbstätigkeit der Frau verringert.

"Das neue Modell der Familienarbeitszeit sieht vor, solche Einkommensverluste abzufedern. Frauen profitieren von besseren Einkommen, Männer von mehr Familienzeit und Kinder von mehr Zeit mit ihren Vätern", fasst Schuhmann die Vorteile zusammen. 

Zudem, so AK-Präsidentin Anderl, sei das vorgelegte Modell "transparent, einfach zu verwalten und verteilungspolitisch positiv, weil niedrigere Einkommen relativ mehr bekommen". So soll das neue Modell auch ein Gewinn für die Partnerschaft sein und zudem Armut in Familien vorbeugen.

Arbeitsminister äußert sich kryptisch

Im Rahmen der Bekanntgabe zur Lage am Arbeitsmarkt, wurde Arbeitsminister Martin Kocher auch zu der ÖGB/AK-Forderung befragt. Kocher wollte zwar nicht näher darauf eingehen, meinte jedoch: "Für mich als Arbeitsminister ist es wichtig, dass Frauen mehr Vollzeit, oder wenn sie in Teilzeit sind, mehr Stunden arbeiten."

Es sei wichtig, dass es die Möglichkeiten dafür gebe. Der Ausbau der Kinderbetreuung sei eine von mehreren. Diese sei in Österreich bereits recht gut ausgebaut. "Beruf und Familie müssen vereinbar sein, dass ist für den Arbeitsmarkt wichtig", so Kocher.

Mehr zu den aktuellen Arbeitslosenzahlen lesen Sie hier:

Zustimmung von SPÖ und den Grünen

 "Die Corona-Krise hat die Ungleichheit noch weiter verschärft. Da müssen wir dringend gegensteuern", fordert SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner. Es brauche ein ganzes Paket für die Frauen, etwa Halbe-Halbe in der Familie und im Beruf, ein Arbeitsmarktpaket für Frauen, die Hälfte der Mittel aus der Corona-Arbeitsstiftung für Frauen, Lohntransparenz und einen raschen Ausbau der Kinderbetreuung. 

Die Grünen begrüßten das Modell ausdrücklich. "Vorschläge für eine gerechtere Aufteilung bezahlter Erwerbs- und unbezahlter 'Elternarbeit' gibt es schon länger und wurden auch schon von den Grünen bei den Regierungsverhandlungen eingebracht", so Markus Koza, Arbeits- und Sozialsprecher der Grünen, in einer Aussendung. Ein solidarisches Elternteilzeitmodell sei eine weitere wichtige Säule im Kampf gegen Frauenarmut im Alter und der gerechteren Verteilung von bezahlter Erwerbs- und oft genug unbezahlter Sorgearbeit", meinte auch Frauensprecherin Meri Disoski. Keine Reaktion gab es vorerst von der ÖVP. 

FPÖ und Neos lehnen Modell ab

Bei der FPÖ lehnt man das Modell ab. Eine Arbeitszeitverkürzung sei der falsche Weg, vielmehr sollten Kindererziehungszeiten besser angerechnet werden, meinte Sozialsprecherin Dagmar Berlakowitsch im Ö1-"Mittagsjournal".

Keine Zustimmung kam auch von NEOS-Familiensprecher Michael Bernhard: "Wir brauchen kein Halbe-Halbe bei Teilzeit, sondern ein System der Gleichberechtigung. Die Teilzeitfalle, die den Menschen nicht nur jede Selbstverwirklichung nimmt, sondern auch zu Altersarmut führt, auch noch zu fördern, ist der genau falsche Weg."

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