Politik Inland
11/06/2020

Nur noch bei jedem Vierten ist Infektionsquelle bekannt

Seit Dienstag sind neue Beschränkungen in Kraft, die Infektionszahlen schnellen weiter in die Höhe. Das Contacttracing funktioniert kaum noch.

von Daniela Kittner

Der neue Lockdown hat noch keine Wirkung entfaltet - die Maßnahmen sind allerdings auch erst zu kurz in Kraft. Von Mittwoch auf Donnerstag haben sich 7416 Personen neu mit dem Virus infiziert, von Donnerstag auf Freitag gab es 6464 Neuinfektionen.

Insgesamt gibt es zur Zeit mehr als 50.000 Infizierte in Österreich. Die Situation in den Spitälern nähert sich langsam der Belastungsgrenze. 421 der 800 für Corona-Patienten reservierten Intensivbetten sind bereits belegt.

"Die Gesamtlage ist eine weiterhin dramatische, in ganz Europa", sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Die zweite Welle sei "stärker und dynamischer als die erste".

Bedenklich im Steigen sind die Todeszahlen.1340 Todesfälle gibt es in Österreich insgesamt, am Donnerstag kamen 41 neue hinzu. Anschober: "Das ist stark im Vergleich zu Österreichs bisherigen Zahlen."

Bei den Intensivbetten stieg die Belegung von 407 auf 421. "Auch hier geht der Trend nach oben", sagt Anschober.

"Zu früh für Wirkung"

Dass die Infektionszahlen trotz des neuen Lockdowns sehr hoch sind, beunruhigt Anschober nicht: "Es ist viel zu früh, dass sie wirken können." Die Verzögerung dauere bis zu vierzehn Tage. Das sei auch bei der ersten Welle der Fall gewesen.

Er habe aber den Eindruck, dass sich immer mehr Menschen an die Maßnahmen halten, dass der Ernst der Lage immer mehr ins Bewusstsein dringe. Es gebe aber immer noch zu viele, die sich nicht an die Maßnahmen halten.

Anschober appelliert erneut zu bedenken, dass die Spitäler an die Kapazitätsgrenze kommen, und dann Kranke nicht mehr behandelt werden könnten.

Anfang nächster Woche hofft Anschober, dass die ersten Wirkungen des neuen Lockdowns zu spüren sein werden. Ende kommender Woche werde dann "evaluiert".

Bildungseinrichtungen "kein relevanter Cluster"

Die Sprecherin der Corona-Kommission, Daniela Schmid, sagt, der Altersdurchschnitt der Infizierten stieg auf 43 Jahre. Die Bildungseinrichtungen der Zehn- bis 14-Jährigen würden "keinen relevanten Cluster" darstellen, hier würden die Infektionen von Erwachsenen hineingetragen.

Wird die Schließung von Schulen und Geschäften vorbereitet?

Anschober antwortet, es werde die Gesamtsituation täglich beobachtet und kontrolliert, am kommenden Woche (14./15.11.) werde die Gesamtsituation "evaluiert". Sollte es in einem Bereich massive, unerwartete Verschlechterungen geben, würde aber auch akut eingegriffen.

"Ziel ist, zumindest eine Halbierung der Kontakte hinzubringen. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, es muss die Trendwende kommen, um die Kapazitätsgrenze in den Spitälern nicht zu erreichen", sagt der Gesundheitsminister.

Contacttracing "voll im Laufen"

Schmid betont, dass das Contacttracing voll im Laufen sei, kein einziger Bezirk in Österreich gebe diese Maßnahme auf. "Wenn eine Person weiß, dass sie Kontakt mit einem Infizierten hatte, soll sie Kontakte vermeiden, soll sie selbst darüber nachdenken, ob sie Kontakt zu einer 80-jährigen Verwandten sucht, die dann ein schwerer Fall wird."

Anschober betont: "Wenn jemand positiv getestet ist und den Quarantänebescheid nicht gleich bekommt, soll er eigenverantwortlich handeln und nicht warten, bis das Papier kommt."

Nur noch 27 Prozent der Infektionsfälle geklärt

Zuletzt wurde nur noch bei 27 Prozent der Infektionsfälle die Quelle geklärt, wie Schmid einräumt. Das heißt, nur noch bei jedem vierten Infizierten weiß man, wo er sich angesteckt hat.

In der Woche davor lag der Wert noch bei 50 Prozent.

18. November sollte Wendepunkt in Spitälern sein

Herwig Ostermann von Gesundheit Österreich hat eine Prognose erstellt, bei der die aktuellen Maßnahmen berücksichtigt sind.

Bis 11. November werde es demnach rund 6000 Neuinfektionen pro Tag geben. Für die Spitäler bedeutet das: Von 100 Personen muss eine auf die Intensivstation, sechs weitere auf Normalstationen. Die Verweildauer beträgt auf Normalstationen 10,4 Tage, auf der Intensiv 12,6 Tage.

Am 18. November sollte mit 3500 Personen im Spital, 750 auf der Intensivstation der Gipfelpunkt erreicht sein. Die Ansteckungen, die zu diesen Spitalsbelegungen führen werden, sind "bereits passiert", sagt Ostermann. Damit die Zahlen dann aber wieder zurückgehen, sei es "umso wichtiger, dass die Bevölkerung die Kontakte reduziert, um die Spitäler nicht überzustrapazieren".

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