Hofburg-Kandidat Hofer mit Jessy im Garten

© Kurier/Juerg Christandl

Norbert Hofer
07/23/2016

Hofer: Bastler und Biker mit Polizeischutz

Der FPÖ-Mann ist am liebsten in Pinkafeld, auf zwei Rädern oder mit seinem Vierbeiner – aber nie ganz allein. Aus der Serie: "Politiker nach Dienstschluss"

von Johanna Hager, Jürg Christandl

"Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist", sagte er vor der ersten Stichwahl. Vor der zweiten Wahl wundert man sich als Gast, was nicht möglich ist: Seine Hauseinfahrt zu betreten.


KURIER-Serie: Politiker nach Dienstschluss

Die zwei Polizistinnen vor dem Haus sind freundlich, aber bestimmt. Wer hier in Pinkafeld (Burgenland) nicht bekannt oder als Besuch angemeldet ist, kommt nicht zu ihm. Weil er vielen gut ge- und anderen sehr missfällt hat Norbert Hofer Polizeischutz. Im Drei-Stunden-Takt wechseln sich die Beamten ab. "Man gewöhnt sich daran, merkt es irgendwann nicht mehr", wird er wenig später im Garten sitzend sagen. Ehe es so weit ist, begrüßt Hofers Ehefrau Verena – mit einem Hund in der Hand. Jessy: Ein knapp drei Monate alter Australian Shepherd, der mehr einem Stofftier denn einem Hütehund gleicht.

Wahlkampf & Welpe

"Mein Mann wollte den Hund", schickt Verena Hofer voraus und sich sogleich an, den Welpen auf den Schoß ihres Mannes zu setzen. Jessy bleibt nicht. So wie Robert, der Kater aus dem Tierheim, der laut einhelliger Familienmeinung glaubt, ein Hund zu sein.

Dank seiner Twitter-, Facebook- und Instagram-Accounts sind Interessierte bestens über die Haustiere des Hofburg-Kandidaten informiert. Dass es sich bei Jessy um eine Art Wahlkampf-Welpen handeln könnte, lässt der FPÖ-Politiker nicht gelten: "Wir hatten immer schon einen Hund. In Eisenstadt einen Golden Retriever – und jetzt Jessy."

Tochter Anni spielt mit ihr, Frau Verena kümmert sich um sie. "Vor allem in der Nacht, wenn sie drei Mal im Haus ihr Geschäft macht, und mein Mann es nicht mitbekommt, weil er einen beneidenswerten Schlaf hat." Und Vater Norbert? Der kümmere sich um Jessys Sicherheit. "Das Problem ist, dass sie immer wieder abhaut. Deshalb habe ich einen Zaun gebaut, der allerdings erst nach dreimaliger Adaptierung hält, weil sie immer wieder ein Schlupfloch gefunden hat." Ein Zaun im Burgenland. Politische Assoziationen wie Fragen drängen sich auf, sind aber nicht Grund des Besuchs. Und Norbert Hofer bleibt privat. Erzählt, dass das Grundstück einen Hektar groß ist, bereits seinem Großvater gehörte. Und er sagt, dass hier Platz für drei Familien – "Oben lebt mein Bruder in einem Blockhaus, in der Mitte wohnt meine Mutter und ganz vorne ist unser Haus" – und drei Werkstätten ist.

Der Hofburg-Kandidat in seinem Garten in Pinkafeld

Interview Norbert Hofer

Interview Norbert Hofer

Interview Norbert Hofer

Interview Norbert Hofer

Interview Norbert Hofer

Interview Norbert Hofer

Warum eine Werkstatt allein für den Dritten Nationalratspräsidenten nicht ausreicht, sei schnell erzählt. Und sagt gleichzeitig viel über den 45-Jährigen. Der HTL-Absolvent für Flugzeugtechnik und ehemalige Systemingenieur bei Lauda Air Engineering ist "passionierter Tüftler, Techniker und Handwerker".

Weil er das Werkzeug nicht suchen will, "sind im Carport alle Utensilien für Metallsachen, gibt es im roten Haus alles, was fahrbar ist, und im weißen Haus alles für die kleineren Sachen".

Was Norbert Hofer unter "kleinere Sachen" versteht, wird im Inneren seines weißen Hauses offenbar. Feinsäuberlich unter der aufgeräumten Werkzeugbank: Alles, vom Akkuschrauber über den Montagekleber bis zum Schleifpapier. Im Regal: Werkzeugkisten, Ski zu unterst und ein Modellflugzeug zu oberst. "Ich habe eine Riesensammlung von Modellflugzeugen – gehabt", sagt Hofer etwas wehmütig. "Als ich Dritter Nationalratspräsident wurde, habe ich alles hergegeben, bis auf dieses Modell, das sogar eine Kamera hat. Jetzt möchte ich eigentlich ein Modellflugzeug aus Holz bauen. Ein originalgetreues, wie die Klemm L25 mit Viertakt-Motor aus dem Jahr 1926, die leider kaputtgegangen ist." Die hätte er gerne wieder, doch dafür habe er auch in der Vorwahlkampf-Phase keine Zeit. Wofür er sich immer Zeit nimmt, zeigt der vierfache Vater im roten Haus.

Nicht Rasenmäher und -traktor sind des Hausherrens liebste Freizeit-Vehikel. Mit dem Elektro-, Mountain- oder Stepp-Bike ist er gerne unterwegs. "Wann immer es geht, das Wetter passt, bin ich draußen. Irgendwann, nach einer halben, dreiviertel Stunde auf dem Rad, kommt der Punkt, wo man an ganz andere Dinge denkt." Der Zuhörer denkt an seinen Gehstock, auf den er angewiesen ist.

Angst & Augenblick

An seine inkomplette Querschnittlähmung, nach seinem Paragleiter-Unfall im August 2003. Und das Visavis denkt darüber nach, wie herausfordernd es sein muss, überhaupt Rad zu fahren. Hofer nimmt die Frage gleichsam vorweg, indem er sich auf das Stepp-Bike stellt und mehrere Runden im Garten dreht. Die Angst, dass er sich verletzen könnte, etwas passiert, habe er mittlerweile abgelegt.

"Ich sage immer: Ich habe alle Unfälle meines Lebens gehabt. Den schweren Paragleit-Sturz aus 15 Meter Höhe. Und als Jugendlicher den Mopedunfall: Da hat der Knochen beim Fuß rausgeschaut. Oder beim Drachenfliegen: Da bin ich einmal in eine Stromleitung geflogen." Das klingt nach Abenteuerlust, Grenzgängertum – doch das sei nicht der Antrieb. "Egal, ob bei der Leichtathletik, beim Drachenfliegen, Paragleiten oder Sprung vom 10-Meter-Turm: Man ist ganz im Augenblick. Darum geht es." Und darum, dass er überhaupt wieder gehen, Sport machen kann. "Nach dem Unfall bin ich im Rollstuhl gesessen. Später konnte ich nur auf Krücken gehen. Aber es ist besser und besser geworden. Für FPÖ-TV bin ich letztens sogar mit dem Mountain-Bike gesprungen."

Polizei & Pokémon

Dass er als erster österreichischer Politiker auf den Pokémon-Hype aufgesprungen ist, habe dezidiert mit seiner Neugier, nichts mit Medien-Kalkül zu tun. "Abgesehen davon komme ich jetzt und während des Wahlkampfes gar nicht dazu. Aber ich finde es gut, dass sich viele deswegen wenigstens bewegen."

Vor der Verabschiedung verbeißt sich Jessy, wie bestellt für den KURIER-Fotografen, in Verena Hofers Hosenbein. Vor dem Haus haben bereits die nächsten Polizisten ihre Schicht begonnen. Mindestens bis zum 2. Oktober wird das so sein. Oder darüber hinaus.

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