Politik | Inland
08.09.2018

Niessl-Erbe Doskozil setzt weiter auf Rot-Blau

Hans Niessl übergibt heute den Parteivorsitz an Hans Peter Doskozil und sagt, wann er auch als Landeshauptmann geht.

Das mahnende Beispiel seines Wiener Freundes Michael Häupl vor Augen, wollte sich Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl bei der Kür seines Nachfolgers die Regie bis zum letzten Akt keinesfalls aus der Hand nehmen lassen. Zu Beginn des Jahres 2019 werde es ein Gespräch geben, bei dem er und sein designierter Nachfolger Hans Peter Doskozil „die Vorgangsweise festlegen“, hatte Niessl noch vor drei Monaten via KURIER verkündet.

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Jetzt will der 67-jährige Niessl doch schon beim heutigen SPÖ-Landesparteitag im südburgenländischen Oberwart, wo er Doskozil vor rund 1800 Delegierten und Gästen die Partei übergibt, verkünden, wann er für seinen Ex-Büroleiter auch den Sessel des Landeshauptmannes räumt. Alle Zeichen deuten aufs erste Quartal 2019.

Halb beugt sich Niessl mit dieser vorgezogenen Festlegung dem immer stärker gewordenen Druck aus den eigenen Reihen, die endlich klare Verhältnisse an allen Fronten wünschen. Halb fällt dem seit Ende 2000 amtierenden Niessl der Abschied von der Macht wohl leichter, seit er eine neue, auf Privatheit erpichte Frau an seiner Seite hat.

Kein Kurswechsel

Der 48-jährige Ex-Verteidigungsminister, seit Dezember 2017 Finanzlandesrat in der rot-blauen Landesregierung, will zwar personell und organisatorisch einiges umkrempeln; ideologisch ist von Doskozil jedoch kein Vatermord an seinem Mentor zu erwarten.

Die burgenländische SPÖ steht spätestens seit den Tagen des legendären Theodor Kery am rechten Flügel der Sozialdemokratie. Und wenn es um das rote Credo geht, folgt Sicherheit auch bei Doskozil der Beschäftigung auf dem Fuß. Den aus Wien anreisenden Bundesparteichef Christian Kern wird deshalb auch nicht wundern, dass „Dosko“, wie er landauf, landab genannt wird, auch den von Niessl kultivierten eigenständigen Kurs gegenüber der SPÖ-Bundespartei fortzusetzen gedenkt. An dieser CSU-Attitüde der pannonischen Roten ist schon Kerns Vorgänger Werner Faymann verzweifelt.

Er sei überzeugt, hat Doskozil einmal deponiert, dass die Sozialdemokratie ein Sprachrohr innerhalb der Partei brauche, das einen „pragmatischen Ansatz abdeckt“. Ganz pragmatisch wurde 2015 im Eilzugstempo eine Koalition mit den Blauen paktiert. Der damalige Landespolizeichef Doskozil stellte mit FPÖ-Frontmann Hans Tschürtz dafür die Weichen.

Ab heute kann man verfolgen, ob er Niessls Fußstapfen ausfüllt. Der Altvordere kam bei seinem ersten Antreten als SPÖ-Chef im Jahr 2000 auf 100 Prozent. Ort des damaligen Parteitags? Oberwart.