Landeshauptmann Erwin Pröll zieht sich zurück

VERLEIHUNG DES GROSSEN GOLDENEN EHRENZEICHENS MIT
Foto: APA/ERWIN SCHERIAU Erwin Pröll, Landeshauptmann Niederösterreichs

Der Machtpolitiker Pröll plant dabei keinen raschen Abschied sondern eine - wie er wiederholt angekündigt hatte - "geordnete Hofübergabe".

Paukenschlag in Niederösterreich: Erwin Pröll, seit bald 25 Jahren Landeshauptmann von Niederösterreich, gab soeben im Milleniumssaal des Landhauses seinen Rückzug aus der Politik bekannt. Der Machtpolitiker Pröll plant dabei keinen raschen Abschied sondern eine - wie er wiederholt angekündigt hatte - "geordnete Hofübergabe".

Am Dienstag um 10.30 Uhr informierte der 70-Jährige die Mitglieder der Landesregierung über seine Pläne, im Vorfeld wurde dem engsten Parteikreis der ÖVP die Entscheidung Prölls, bei der Landtagswahl 2018 nicht mehr kandidieren zu wollen, mitgeteilt. Am Mittwoch findet bereits ein Landesparteivorstand statt, wo über die Zeit nach Erwin Pröll im Kernland der Schwarzen beraten wird. Wie berichtet, gilt die vor einem Jahr aus der Bundespolitik zurückgekehrte Johanna Mikl-Leitner als aussichtsreichste Kandidatin für die Nachfolge Prölls.

Erwin Pröll ist seit 1992 im Amt. Nach Angaben aus dem Büro des Landeshauptmanns könnte der 70-Jährige auch "mit ganzer Kraft" weiter machen. Die nächste Landtagswahl in Niederösterreich findet programmgemäß Anfang 2018 statt.

In den vergangenen Tagen ist die Privatstiftung von Pröll wegen öffentlicher Fördergelder durch das Land Niederösterreich in die Kritik geraten. Der Rechnungshof hat eine Prüfung der Angelegenheit angekündigt (mehr dazu hier).

Erwin Pröll ist das politische Schwergewicht der Volkspartei. Keine Stimme hat mehr Gewicht als seine. Geboren wurde Pröll in Radlbrunn – an einem durchaus besonderen Tag: Der mittlerweile 70-Jährige kam am 24. Dezember 1946 zur Welt, als Sohn einer Weinbauernfamilie. Radlbrunn ist bis heute seine Heimatgemeinde. Nur für die Ausbildung wechselte er den Wohnort: Nach seinem Präsenzdienst hat Pröll an der Universität für Bodenkultur in Wien studiert. Nach seiner Promotion 1972 wechselte er als wirtschaftspolitischer Referent zum Bauernbund – der Beginn seiner politischen Sozialisation. Mit nur 33 Jahren wurde er dann Mitglied der niederösterreichischen Landesregierung; ab 1981 fungierte er dort als Landeshauptmann-Stellvertreter – und erlebte den Fall des Eisernen Vorhangs in dieser Funktion. Knapp zehn Jahre später dann die Krönung seiner Karriere: Er erklomm den Sessel des Landeshauptmanns. Damals noch nicht mit der "Absoluten" ausgestattet, erreichte Pröll 2003 das Traumziel jedes Politikers: 53,3 Prozent für die VP – 2008 konnte er das Ergebnis auf 54,39 Prozent steigern. Bei der Landtagswahl 2013 holte er zwar wieder die Absolute, allerdings mit Einbußen. "Nur" noch 50,8 Prozent sprachen sich für die ÖVP aus - davon kann die Bundes-VP freilich nur träumen. Alss, seit 25 Jahren hält er das Amt fest in seinen Händen – wenngleich im bundespolitisch hie und da durchaus starker Wind entgegenwehte. Als Verfechter der Großen Koalition sprach er sich im Jahr 2000 zwar noch für ein Zusammenwirken mit der FPÖ aus; zwei Jahre später war er allerdings strikt dagegen. Geschadet hat ihm sein Opponieren nicht: Innerhalb des Landes Niederösterreich wurde dies von den Wählern goutiert. Hilfreich im Sinne der Wählergunst waren für Pröll sicherlich auch prominente Unterstützer – Ex-Teamchef Josef Hickersberger… … Skistar Thomas Sykora…
  … oder auch Arnold Schwarzenegger pflegen freundschaftlichen Umgang mit dem Landeschef. Im Vorfeld der Bundespräsidentenwahl 2010 wurde Pröll sogar als möglicher Kandidat der ÖVP gehandelt – er schloss die Kandidatur allerdings aus. Auch 2016 gab es Gerüchte, Pröll könnte Bundespräsident Heinz Fischer nachfolgen. Doch VP-Chef Mitterlehner erteilte allen Spekulationen eine Absage. Der Landeshauptmann ist verheiratet, er hat eine Tochter, drei Söhne und mittlerweile sechs Enkelkinder. Übrigens ist Pröll bekannt dafür, gut kochen zu können. Der Bundesregierung hat er aber schon oft die Suppe versalzen.
(KURIER / jk) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?