Hussein, Masud und Nasrad

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Politik | Inland
02/21/2016

"Nicht jeder Flüchtling ist schlecht"

Asylwerber in NÖ und Wien sprechen über ihr Frauenbild.

Seit den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln ist von der Willkommenskultur in Europa nur noch wenig zu spüren. Für viele kriminelle Handlungen werden Flüchtlinge jetzt automatisch zu Sündenböcken gemacht. Egal, ob sie dafür tatsächlich verantwortlich sind oder nicht.

Inbegriff der Feindseligkeit sind vorwiegend Männer, die allein geflüchtet sind. In Wien sind solche Asylwerber in der Sport-und-Fun-Halle neben dem Dusika-Stadion im zweiten Bezirk untergebracht. Mehrere, die dort wohnten, werden der sexuellen Belästigung verdächtigt. Aber kann man deshalb die Flüchtlinge unter Generalverdacht stellen? Und was halten Asylwerber in Österreich eigentlich von Gleichberechtigung?

Hussein (20) aus Syrien, Nasrad (25) aus Afghanistan und Masud (29) aus dem Iran sitzen auf einer Couch in der Sport-und-Fun-Halle. Die Übergriffe in Köln verurteilen sie. "Diese Leute waren Muslime, wie ich", sagt Nasrad aus Afghanistan. "Wer so etwas macht, sollte die Höchststrafe bekommen. Denn jeder Mann hat eine Mutter oder eine Schwester." Dass die Flüchtlinge wegen Köln auch in Österreich nun skeptischer beäugt werden, glauben sie nicht. "Mich hat niemand böse angeschaut", sagt Nasrad. Allerdings gehe er nur kurz zum Spazierengehen hinaus. Masud, der 29-jährige Iraner, ist studierter Philosoph und Poet. Als er die Entscheidung traf, nach Europa zu gehen, habe er sich gedanklich auf die europäischen Werte, etwa Gleichberechtigung und Freiheit, vorbereitet. Deshalb sei er schließlich hierher gekommen, erzählt er. Aber nicht alle Flüchtlinge hätten sich mit der Kultur hier auseinandergesetzt. "Das, was in Köln passiert ist, war für mich zu erwarten", sagt Masud.

Dass Frauen in Europa "sehr freizügig" sind, hat den Afghanen Nasrud überrascht. Auch, dass die Frauen hier "frei herumgehen" und Chefinnen seinen können, hat ihn verwundert. "In Afghanistan gehört eine Frau dem Mann. Er bestimmt, was sie tut", sagt Nasrud. Dass das in Österreich nicht so ist, findet er gut. Er könne sich auch vorstellen, eine Österreicherin zu heiraten. Die könnte dann auch arbeiten: "Dann kann sie helfen, die Familie zu ernähren", sagt Nasrud.

Der 20-jährige Syrer Hussein hat eine Freundin – sie kommt wie er aus Aleppo und lebt nun in Deutschland. Die beiden haben keinen Sex vor der Ehe, erzählt Hussein. Dass das in Österreich nicht so gelebt wird, respektiert er. "Jeder soll selbst entscheiden", sagt er.

Um zu zeigen, dass sie für ihr "neues Zuhause" in Österreich dankbar sind, verteilten minderjährige Flüchtlinge in Eggenburg, NÖ, am Valentinstag rund 300 mit selbst gebastelten Herzen verzierte Rosen an Frauen in der Stadt. Für alle Skeptiker der Hinweis: Die Blumen wurden aus privaten Geldern finanziert.

Herzen erobern

"Wir sind Österreich sehr dankbar, dass wir so nett aufgenommen wurden", erzählt der 17-jährige Jasin aus Afghanistan. Mehr als 40 junge Flüchtlinge leben in Eggenburg. Dank des Vereins "Willkommen Mensch" haben sie nicht nur ein Dach über den Kopf, sondern auch sinnvolle Freizeitbeschäftigungen wie Yoga, Musik oder Fußball.

Wenn unter den Syrern und Afghanen diskutiert wird, sind die österreichische Kultur und das europäische Frauenbild die Themen. "Wir respektieren die Freiheiten der Frauen in Österreich", erzählt Jasin. Auch wenn diese Rechte für Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten ungewohnt sind, ist Emanzipation genauso in Afghanistan angekommen. Zumindest in höheren Bildungsschichten. "Nur in Regionen, in denen Analphabetismus verbreitet ist, gibt es die Auffassung der Männer, dass ihre Frauen nur zu Hause sein dürfen und kochen müssen", erklärt Mostafa (17). Khaled aus Syrien kann sich vorstellen, dass Frauen Managerinnen von Fabriken sind. "Sie müssen aber die entsprechende Ausbildung vorweisen können", sagt der 16-Jährige.

Dass die Stimmung nach Köln gekippt ist, ist für Sahel eine Enttäuschung. "Es gibt in jedem Volk gute und schlechte Menschen. Aber nicht jeder ist schlecht", sagt der 15-jährige Afghane. Er wünscht sich für die Zukunft in seiner Heimat, dass Frauen mehr Rechte bekommen.