© Kurier/Franz Gruber

Politik Inland
01/14/2021

Neuer Arbeitsminister Kocher: "Permanentes Homeoffice wird Normalität"

Heute wird der Arbeitsminister dem Parlament vorgestellt. Der Marathonläufer will nicht "Superminister" werden und sieht keine weitere, große Arbeitslosenwelle 2021.

von Ida Metzger

KURIER: Herr Kocher, Sie haben die Seiten gewechselt. Sind die schonungslosen Analysen, die Sie als Wissenschafter gemacht haben, nun als Politiker vorbei?

Martin Kocher: Meine Analysen waren auch bis jetzt nicht schonungslos, es kommt immer darauf an, wie man sie präsentiert. Der Experte hat den Vorteil, dass er sich keine Werturteile leisten muss. Dieser zweite Schritt wird für mich sicher schwieriger werden, weil ich es nicht gewohnt bin.

Apropos Expertise: Wären Sie angesichts der Krise lieber Superminister geworden, der für Arbeit und Wirtschaft zuständig ist?

Nein. Ich werde mich sehr stark auf die Arbeitsmarktagenden konzentrieren. Das ist ein Ressort, das für einen Rookie wie mich im Team, noch einigermaßen überschaubar ist. Als Superminister braucht man mehr politische Erfahrung und es wäre auch ein zu großer Anspruch.

Die Verhandlungen zum Homeoffice stehen vor dem Abschluss. Können Sie sich eine permanente Variante vorstellen? Etwa für Menschen mit Kindern oder als 4. oder 5. Arbeitstag?

Permanentes Homeoffice wird sogar eher zur Normalität werden. In einigen Bereichen wird es zwar nicht funktionieren, aber wo es geht, wird es normal sein, dass die Menschen einige Tage im Büro verbringen und einige Tage im Homeoffice. Das macht aus Sicht der Ökologie Sinn. Wir wissen auch aus vielen Studien, dass Menschen, die pendeln müssen, unglücklicher sind. Weil Stau oder öffentlicher Verkehr einfach den Menschen stresst. Wenn wir es schaffen, so mehr Zeit zu schaffen, ist allen gedient.

Was sind die noch offenen Punkte?

Es sind technische Fragen, die daran hängen. Was zahlt der Arbeitgeber und was der Arbeitnehmer? Derzeit kann man ein Büro im Eigenheim steuerlich absetzen: Da wird die Frage sein, wie oft muss man von zu Hause arbeiten, damit das möglich ist.

Viele Unternehmer berichten, dass sie trotz der Wirtschaftskrise neue Mitarbeiter suchen, aber keiner meldet sich auf Stellenangebote. Verantwortlich dafür machen sie die Kurzarbeit, weil niemand seine Komfortzone verlässt. Wie lange macht dieses Modell noch Sinn?

Die Kurzarbeit konserviert die Situation am Arbeitsmarkt. In gewissen Segmenten am Arbeitsmarkt, wo trotz Wirtschaftskrise eine Personalknappheit herrscht, bewegt sich natürlich nichts. Deswegen wird die derzeitige Form der Kurzarbeit zu Ende gehen, sobald die Gesundheitskrise zu Ende ist. Es wird danach noch Kurzarbeit geben, so wie auch schon vor dieser Krisen-Kurzarbeit. Wir bereiten uns gerade vor, dass die Kurzarbeit Ende März nochmals verlängert wird. Wie lange, hängt von der Infektionslage ab.

Wenn die Kurzarbeit endet, wie hoch wird dann die Arbeitslosigkeit sein?

Ich bin recht optimistisch, dass nur ein kleiner Teil von der Kurzarbeit in die Arbeitslosigkeit fallen wird. Denn würden die Unternehmer erwarten, dass die Situation nicht besser wird, dann würden sie die Mitarbeiter gleich in die Arbeitslosigkeit schicken und nicht in Kurzarbeit halten.

Auch angesichts der prognostizierten Insolvenzwelle?

Auch hier hoffe ich, dass es keine große Welle geben wird. Es wird einen Nachholeffekt geben, denn es gab 2020 weniger Insolvenzen als 2019. Hier muss man darauf achten, dass man die Stundungen vielleicht verlängert, damit es keinen Klippeneffekt gibt und viele Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt über die Klippe fallen.

Vor wenigen Monaten haben Sie sich für ein Nachfolgeprojekt der „Aktion 20.000“ ausgesprochen – „mit etwas anderen Vorgaben und effizienter“. Wie wollen Sie älteren Langzeitarbeitslosen schnell helfen?

Die Aktion 20.000 ist etwas verbrämt. Denn für die einen ist es das Allheilmittel. Das ist es sicher nicht. Und die anderen sehen darin ein Instrument, das nur kostet und nichts bringt. Wir haben ja bereits aktive Arbeitsmarktpolitik und wir müssen für die betroffene Gruppe ein gutes Modell aufbauen. Nicht so breitflächig wie die Aktion 20.000. Die halte ich für sehr teuer und nicht effizient genug. In Bereichen war die Aktion erfolgreich und in manchen Bereichen nicht. Daraus kann man lernen.

Sie haben sich für eine CO₂-Bepreisung ausgesprochen. Bleiben Sie bei dieser Meinung als Minister und trotz der Pandemie?

Wenn wir uns an das Pariser Klimaabkommen halten wollen, dann brauchen wir einen Reduktionspfad, aber der ist ohnehin durch die EU vorgegeben. Da ist jetzt die Frage, wie kommt man dahin? Da reicht eine Maßnahme nicht aus. Hier muss man Verschiedenes offen diskutieren. Der letzte Punkt ist die Bepreisung des CO₂-Ausstoßes. Ohne diese Maßnahme werden wir nicht auskommen. Warum glaube ich das? Weil sie stärkere Anreize schafft, um in klimafreundliche Technologien zu investieren – vor allem bei den privaten Haushalten, denn die Unternehmen machen es ohnehin schon. Das brauchen wir, denn gerade die privaten Haushalte müssen massiv zur CO₂-Reduktion beitragen.

Wenn es so weit ist, haben die Grünen einen Unterstützer in der Regierung …

Ich weiß gar nicht, ob die Grünen über die Bepreisung so glücklich sind und mit meiner Meinung übereinstimmen. Denn es gibt ja auch Argumente, dass die Bepreisung unfair sei und sie die Geringverdiener stärker betrifft.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.