Politik | Inland
01.04.2017

Mitterlehner & das "Waxing"-Model: Spitzen-Gewerkschafter sieht rot

Der Shootingstar der Gewerkschaft legt sich mit allen an. Bringt er sich für Höheres in Stellung?

Wie es sich für einen streitbaren Gewerkschafter gehört, spitzt Roman Hebenstreit (45) gerne zu. Er lässt auch kein Thema aus, um sich zu profilieren.

"Ich kann das Gesudere nicht mehr hören", sagt er zu den Beschwerden der Hotellerie über hohe Lohnkosten. Die Idee von Finanzminister Schelling, die ÖBB Infrastruktur in eine Österreich-Holding einzugliedern, ist für ihn nicht nur eine "Schnapsidee", sondern eine "Kriegserklärung". Denkt die Gewerkschaft bei der Arbeitszeitflexibilisierung an "Lohnraub", sagt der vida-Chef und ÖBB-Konzernbetriebsrat Hebenstreit: "brutaler Lohnraub".

Selten hat sich einer in so kurzer Zeit einen derartigen Ruf erworben wie der Oststeirer Hebenstreit, der seit 5. Dezember Chef der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida mit ihren 190.000 Mitgliedern ist.

Klar wird spekuliert, dass der neue Shootingstar in der Gewerkschaft vor allem nächster ÖGB-Präsident werden will. "Zu früh, mittelfristig sicher", sagt ihm ein hoher Funktionär Ambitionen auf den Top-Job nach. Sein freundschaftliches Verhältnis zu Kanzler Christian Kern aus dessen Zeit als ÖBB-Chef könnte da sehr nützlich sein. Manch Kollege rümpft bei zu viel Karrieredenken die Nase: "Bei Kern biedert er sich an."

Hebenstreit tut solches Gerede und die Job-Spekulationen als "Blödsinn" ab und sagt: "Ich bin Gewerkschaftsvorsitzender und nehme meine Rolle ernst. Man muss sich einmischen, wenn man etwas bewegen will."

Mitterlehners Rolle in der Waxing-Posse

In dieser Rolle schoss er sich als Erster auf ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner und Ex-Miss Katja Wagner ein, die mit ihrem Kampf gegen den Arbeitsinspektor im Waxing-Studio Schlagzeilen machte.

Hebenstreit sah rot und warf Mitterlehner nicht nur vor, Rechtsverstöße als Kavaliersdelikte, sondern auch die jährlich mehr als 70 Toten bei Arbeitsunfällen zu verharmlosen. "Als gelernter Lokführer habe ich beim Arbeitnehmerschutz eine besonders hohe Sensibilität", sagt er heute. Der Hinweis auf Unfalltote, wo es doch um einen Schönheitssalon geht, brachte ihm viel Kritik ein. Doch ein Hebenstreit gibt nicht klein bei.

Entlasse Wagner ihre Mitarbeiterinnen wirklich in die Selbstständigkeit, "schicke ich ihr hundertprozentig die Gebietskrankenkasse", legte er im profil nach. Für Kritiker die Allmachtsfantasie eines Roten, er bereut den Ausspruch ganz und gar nicht. Hebenstreit spricht vom Verdacht der Scheinselbstständigkeit und seinem Glauben an Rechtsstaat, Gesetze und Behörden: "Wenn man sich nicht mehr wehren darf, was bleibt dann noch?"