Ministerin Bauer: Flüchtlinge sollen auch Mundart lernen
Die Deutschkurse für Flüchtlinge werden reformiert. Ab April werden neben dem Präsenzunterricht verpflichtende Selbstlernzeiten eingeführt. In den Kursen soll der Fokus auf praktischen Sprachgebrauch - inklusive regionaler Dialekte - verstärkt werden. Flexiblere Kurszeiten und Kinderbetreuungsangebote sollen die Teilnahme erleichtern. Damit würden die Kurse "verbindlicher, alltagstauglicher und wirksamer", erklärte Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) am Donnerstag.
"Deutsch ist der Schlüssel für gelungene Integration", betonte Bauer bei der Präsentation der neuen Deutschkurse des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) für Asylwerber mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit, Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte sowie Vertriebene. Wer Fortschritte machen wolle, müsse auch daheim lernen, so Bauer. Daher soll eigenständiges Lernen verstärkt gefördert werden. Die neuen Selbstlernzeiten fließen auch in die Leistungsbeurteilung ein.
Auch digitale Grundkompetenzen sollen vermittelt werden
Die Erledigung der Hausübungen soll transparent dokumentiert werden, und bei mangelnder Mitarbeit drohen auch Sanktionen bis hin zu Kursausschluss. Weil nicht alle Flüchtlinge zuhause gute Lernvoraussetzungen haben, sollen Selbstlernräume vor Ort zur Verfügung gestellt werden, so die Leiterin der ÖIF-Deutschkursförderung Carla Pirker. Um das selbstständige Lernen zu ermöglichen, sollen zudem digitale Grundkompetenzen in den Kursen aller Niveaus vermittelt werden.
Zudem will der ÖIF das Kursangebot am Abend und an den Randzeiten ausbauen, um Berufstätigen eine Teilnahme zu ermöglichen, sowie Online-Angebote ausweiten. "Arbeiten und Deutschlernen darf kein Gegensatz sein, sondern muss Hand in Hand gehen", so ÖIF-Vizedirektor Roland Goiser. Eine Befragung habe gezeigt, dass die Mehrheit der Kursteilnehmer bereits in Österreich gearbeitet habe.
Flüchtlinge sollen auch regionale Dialekte lernen
Für Eltern mit Betreuungspflichten wird eine begleitende Kinderbetreuung angeboten, während der auch die Kinder sprachlich gefördert werden. Die Sprachkurse selbst sollen sich vermehrt auf den praktischen Sprachgebrauch im Alltag fokussieren. Ab dem Sprachniveau B1 sollen auch regionale Dialekte gelehrt werden.
All diese Maßnahmen würden aber nur funktionieren, wenn die Teilnahme an den Kursen auch ernst genommen wird, betonte Bauer und verwies auf die knapp 10.000 unentschuldigten Kursabbrüche im vergangenen Jahr. Daher sei es wichtig, im Rahmen des geplanten Integrationsprogramms die Sozialleistungen stärker an die Kursteilnahme zu knüpfen.
Zuletzt Kritik an ÖIF
An den Deutschkursen des ÖIF hatte es zuletzt immer wieder Kritik gegeben. So kritisierte etwa die Diakonie im Vorjahr die Qualität der Deutschkurse und dass unter anderem zu wenig Wert auf aktives Sprechen gelegt werde. Die Stadt Wien wiederum kritisierte, dass der ÖIF nicht ausreichend Deutschkursplätze in Wien anbiete. Der ÖIF hatte die Kritik zurückgewiesen. Auch am Donnerstag wurde betont, dass die Qualität der Kurse bereits hoch sei und es ein gutes flächendeckendes Angebot gebe.
FPÖ: "Schildbürgerstreich"
Als „Gipfel der Realitätsverweigerung und einen weiteren Schildbürgerstreich auf Kosten der Steuerzahler“ bezeichnet FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz die von ÖVP-Integrationsministerin Bauer präsentierte Reform der Deutschkurse. Insbesondere der Plan, Flüchtlingen ab dem B1-Niveau regionale Dialekte beizubringen, sei an Absurdität nicht mehr zu überbieten. „Während hunderttausende Österreicher unter der Teuerung ächzen und unser Sozialsystem unter der Last der Massenzuwanderung kollabiert, fällt der Regierung nichts Besseres ein, als Asylwerbern einen Mundart-Kurs zu finanzieren. Das ist nicht nur eine Verhöhnung der eigenen Bevölkerung, sondern beweist, dass diese Regierung jeden Bezug zur Lebensrealität der Menschen verloren hat.“
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