Ministerin Bauer: Flüchtlinge sollen auch Mundart lernen

Deutschkurse für Flüchtlinge werden reformiert. Verpflichtende Selbstlernzeiten werden eingeführt.
Ministerin Bauer: Flüchtlinge sollen auch Mundart lernen

Deutsch ist eine wunderbare Sprache, nur leider spricht sie in Österreich niemand.“ Das dachte sich vielleicht Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) bei der nun fixierten Reform der Deutschkurse für Flüchtlinge. Eine Reform, die wohl noch länger für Debatten sorgen wird. Soll doch bei den Deutschkursen künftig der Fokus stärker auf dem praktischen Sprachgebrauch liegen – indem auch regionale Dialekte vermittelt werden.

Erfolgen soll das, nachdem die Kursteilnehmer bereits das Sprachniveau B1 erreicht haben.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: „Von einem Schildbürgerstreich“ und einer „Verhöhnung der eigenen Bevölkerung“ spricht FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz, ohne freilich zu erwähnen, dass erst vor zwei Jahren im schwarz-blau regierten Oberösterreich ebenfalls Dialektkurse für Zugewanderte eingeführt wurden.

Im Integrationsministerium kann man die Kritik nicht nachvollziehen. Gehe es doch darum, den Kursteilnehmern die Sprache zu vermitteln,

die in ihrem engsten Umfeld gesprochen wird. Obendrein würde die Maßnahme nicht den Unterricht der Hochsprache ersetzen. Erst wenn diese ausreichend beherrscht werde, kämen zusätzliche Dialekt-Module hinzu, wie eine Bauer-Sprecherin betont.

Doch wie genau soll der Mundart-Unterricht aussehen? „Es handelt sich dabei nicht um eigenständigen Dialektunterricht, sondern um eine zusätzliche Berücksichtigung im Rahmen der regulären Deutschkurse – immer mit Fokus auf die jeweilige Region, in der der Kurs stattfindet“, heißt es im Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) auf KURIER-Anfrage. „Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf dem Hörverständnis regionaler Ausdrucksweisen; dabei werden im Unterricht typische Begriffe und Redewendungen praxisnah vermittelt.“ Zudem würde dies auf Wunsch der Teilnehmer erfolgen.

Verpflichtende Hausübungen

Die Reform der Deutschkurse umfasst auch noch weitere Punkte: Neu sind etwa auch Selbstlernzeiten, die auch in die Leistungsbeurteilung einfließen. Die Erledigung der Hausübungen soll transparent dokumentiert werden, und bei mangelnder Mitarbeit drohen auch Sanktionen bis hin zu Kursausschluss.

Weil nicht alle Flüchtlinge zu Hause gute Lernvoraussetzungen haben, sollen Selbstlernräume vor Ort zur Verfügung gestellt werden, so die Leiterin der ÖIF-Deutschkursförderung Carla Pirker. Um das selbstständige Lernen zu ermöglichen, sollen zudem digitale Grundkompetenzen in den Kursen aller Niveaus vermittelt werden.

Die Maßnahmen würden aber nur funktionieren, wenn die Teilnahme an den Kursen auch ernst genommen wird, so Bauer. Sie verweist auf die knapp 10.000 unentschuldigten Kursabbrüche im vergangenen Jahr. Daher sei es wichtig, im Rahmen des geplanten Integrationsprogramms die Sozialleistungen stärker an die Kursteilnahme zu knüpfen.

Zuletzt Kritik an ÖIF

An den Deutschkursen des ÖIF hatte es zuletzt immer wieder Kritik gegeben. So kritisierte etwa die Diakonie im Vorjahr die Qualität der Deutschkurse und dass unter anderem zu wenig Wert auf aktives Sprechen gelegt werde. Die Stadt Wien wiederum kritisierte, dass der ÖIF nicht ausreichend Deutschkursplätze in Wien anbiete. Der ÖIF hatte die Kritik zurückgewiesen. Auch am Donnerstag wurde betont, dass die Qualität der Kurse bereits hoch sei und es ein gutes flächendeckendes Angebot gebe.

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