Migration
08/24/2015

Bei Fremden hat Mehrheit "negatives Gefühl"

Studie: Österreicher im EU-Vergleich überdurchschnittlich skeptisch gegenüber Zuwanderern.

von Philipp Hacker-Walton

Im europäischen Vergleich stehen die Österreicher der Zuwanderung von außerhalb der EU recht skeptisch gegenüber. In der jüngsten Eurobarometer-Umfrage vom Frühjahr hat Österreich bei mehreren Fragen, die sich mit Einwanderungspolitik befassen, einen überdurchschnittlich negativen Wert. So geben etwa 60 Prozent an, dass die Einwanderung von Menschen von außerhalb der EU bei Ihnen ein negatives Gefühl auslöst.

Bemerkenswert ist auch, dass die Einwanderung von einem Drittel der Österreicher zwar als größtes Problem der EU identifiziert wird – das man aber stärker als in anderen Ländern auf nationaler Ebene gelöst sehen will.

Keine Überraschung

Für Politikwissenschaftlerin Kathrin Stainer-Hämmerle ist das keine Überraschung. Im Gespräch mit dem KURIER verweist sie auf die große "Europäische Werte-Studie", die regelmäßig durchgeführt wird. "Dabei wird auch gefragt: Wen wollen Sie nicht als Nachbar haben? Österreich hat da bei der Antwort ,Ausländer‘ den Spitzenwert."

Was steckt dahinter – und was kann getan werden?

"Seit den 1960er-, ’70er-Jahren bestünde Handlungsbedarf", sagt Stainer-Hämmerle. Eine Partei – die FPÖ – habe das Thema instrumentalisiert, die anderen hätten es ignoriert. "Man hat es kommen gesehen, aber nicht reagiert. Das multikulturelle Element in Österreich und die Einwanderung wurden lange Zeit nicht abgebildet."

Vorurteile

Weil in der ersten großen Einwanderungswelle nach Österreich unqualifizierte Arbeitskräfte angeworben wurden und Bildung in Österreich höchst erblich ist, habe sich ein Vorurteil verfestigt: Das vom ungebildeten Ausländer. Dazu kommt, sagt Stainer-Hämmerle, dass die Österreicher es generell "immer eher abgelehnt haben, über die Grenze hinweg Kontakt zu knüpfen. Siehe Kärnten und Slowenien – da liegt noch immer ein unbekanntes Land vor der Haustür."

Was tun? "Mittel- bis langfristig lässt sich über die Bildung etwas tun. Kurzfristig müsste die Politik entschlossen gegen Hetze auftreten, gemeinsam mit Künstlern, Stars, Promis und Medien entgegenwirken", sagt die Politologin. Das zweite Mittel gegen Fremdenfeindlichkeit: Kontakt. "Vor Fremdem habe ich nur Angst, so lange es mir fremd ist." So lasse sich eines aus diversen Studien ablesen: "Je höher der Migrantenanteil ist, desto geringer ist auch die Fremdenfeindlichkeit."