LANDESHAUPTMANN-WECHSEL IM BURGENLAND: DOSKOZIL/LUDWIG

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Interview
01/28/2020

Michael Ludwig: "Wir sehen die Bedrohung"

Wie Bürgermeister Ludwig vom Doskozil-Sieg profitieren will.

von Ida Metzger

KURIER: Herr Ludwig, Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hat für die SPÖ-Spitze ein Einreiseverbot verhängt und hat einen starken Persönlichkeitswahlkampf bestritten. Werden Sie dieses Modell auch in Wien präferieren?

Michael Ludwig: Ich war während des Wahlkampfes öfters im Burgenland und sehe hier keine Spaltung zwischen dem Spitzenkandidaten und der Partei. Doskozil war ein starker Spitzenkandidat, aber er hatte auch große Unterstützung von der SPÖ-Burgenland. Und so werde ich als Spitzenkandidat der SPÖ in Wien antreten.

Welche Lehren ziehen Sie für den bevorstehenden Wahlkampf aus dem burgenländischen Wahlsieg?

Ich bin nicht nur ein politischer Weggefährte von Hans Peter Doskozil, sondern ein persönlicher Freund. Er hat gezeigt, dass man mit sozialdemokratischen Themen Wahlen gewinnen kann. Man muss sie nur konsequent durchziehen. Er ist eben kein Dampfplauderer. Er ist ein Macher, der die Dinge umsetzt.

In Wien gab es eine Trennung zwischen dem linken und dem Realo-Flügel. Können durch den Doskozil- Wahlsieg die Grabenkämpfe der beiden Gruppierungen beendet werden?

Ich habe diese beiden Flügel nie gesehen. Die Flügel-Diskussionen spielen auch keine Rolle. Gerade der Wahlerfolg von Doskozil zeigt, wie wichtig es ist, dass eine Partei geschlossen in der Öffentlichkeit auftritt. Wir müssen ohne Scheuklappen, aber mit klaren Grundsätzen die Bedürfnisse der Menschen angehen.

Nur Wahlsieger zu sein, wird bei dieser Wien-Wahl zu wenig sein. Es ist gut möglich, dass sich eine Allianz gegen Sie bildet, um einen SPÖ-Bürgermeister zu verhindern. Sehen Sie es aus dieser Perspektive als „Segen“, dass nun Heinz-Christian Strache mit einer eigenen Liste antritt?

Mir ist es egal, wer gegen mich antritt. Es stimmt aber, dass nur Erster zu werden, zu wenig sein wird. Finanzminister Gernot Blümel meinte ja schon, dass es Zeit wird, dass nach 100 Jahren SPÖ-Regierung ein Politikwechsel kommt. Ich sehe hier eher eine Allianz zwischen ÖVP und Neos, die gemeinsam mit einem Dritten eine Allianz gegen einen SPÖ-Bürgermeister anstreben. Wir sehen diese ernstzunehmende Bedrohung, die wir verhindern werden. In Wiener Neustadt hat man gesehen, dass hier gleich fünf Parteien paktieren, um einen SPÖ-Bürgermeister zu verhindern. In dieser Hinsicht sind wir alarmiert. Mit einem guten Programm und einer guten Aufstellung in den Bezirken werden wir zeigen, dass wir es können.

Die Bundes-SPÖ steckt in einem historischen Tief und fällt immer tiefer. Wie lange halten Sie Pamela Rendi-Wagner den Rücken frei?

Wir haben vor 14 Monaten eine neue Parteivorsitzende gewählt. Für die SPÖ sind Solidarität und Freundschaft wichtige Werte. Es wird keine Veränderung an der Spitze geben.