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Politik Inland
03/03/2020

Luftraumüberwachung: Bundesheer überlegt Übergangsvariante mit der Schweiz

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner sprach mit Amtskollegin über eine ähnliche Lösung wie 2004.

von Christian Böhmer, Daniela Kittner

Es ist durchaus möglich, dass in naher Zukunft österreichische Piloten in Schweizer Überschall-Jets den heimischen Luftraum sichern – zumindest vorübergehend. 

Wie Verteidigungsministerin Klaudia Tanner dem KURIER bestätigt, wird im Bundesheer derzeit sehr intensiv darüber nachgedacht, wieder Kampfjets von den Eidgenossen zu mieten.  „Ich hatte vergangene Wochen ein gutes Gespräch mit meiner Schweizer Amtskollegin zu diesem Thema“, sagt Tanner zum KURIER. 

Wie berichtet darf die derzeit neben dem Eurofighter für die Luftraumüberwachung eingesetzte Saab 105 OE längstens noch bis Dezember fliegen. Das Bundesheer ist deshalb auf der Suche nach Ersatzgerät, es gilt die Phase zwischen der Ausmusterung der 105er und dem neuen Jet zu überbrücken. Spätestens bis Juli soll die Entscheidung, wie man bei der Luftraum-Überwachung grundsätzlich weitermacht, getroffen werden. 

Teurer Eurofighter

Faktum ist: Der Eurofighter ist bei den Betriebskosten teuer, weshalb er nicht allein für die Luftraumüberwachung eingesetzt werden kann und soll. Hinzu kommt, dass Österreich für die Ausbildung bzw. das Heranführen von Piloten an Geräte wie den Eurofighter neue Jets braucht - auch diese Aufgabe wird derzeit von der Saab 105 OE erledigt. 

Damit die Phase zwischen Ausschreibung und tatsächlicher Anlieferung der neuen Flugzeuge lückenlos überbrückt werden kann und nicht ausschließlich die vergleichsweise teuren Eurofighter zum Einsatz kommen, überlegt das Verteidigungsressort nun ein Übergangsmodell nach dem Vorbild von 2004. Damals wurden für die Dauer von vier Jahren zwölf Schweizer F-5E „Tiger“ II gemietet. 

Aus Sicht der Armee war die Übergangslösung die billigste und auch beste Variante: Das F-5 Paket kostete 75 Millionen  Euro und umfasste die Vierjahresmiete für die Jets, die Pilotenumschulung, die erforderliche Bewaffnung und Munition, die notwendigen Dokumentationen sowie die Logistik und Materialerhaltung in der Schweiz. Steuern und Abgaben waren in diesen Preis ebenfalls mit eingerechnet. Die F5-Flugzeuge entsprachen damals dem technischen Stand der ausgemusterten Draken, waren im Schnitt aber um zehn bis 15 Jahre jünger. 
Ob es in naher Zukunft tatsächlich zu einer Schweizer Lösung kommt, ist offen. „Derzeit beraten wir noch auf der technischen Ebene“, sagt Tanner

Ebenfalls Thema bei dem Gespräch mit Viola Amherd war übrigens Österreichs Rechtsstreit mit dem Eurofighter-Hersteller Airbus. Erst im Dezember hat das Schweizer Parlament beschlossen, dass bis zu sechs Milliarden Franken (5,6 Milliarden Euro) für neue Kampfjets ausgegeben werden sollen.

Der Eurofighter ist für die Eidgenossen offenkundig eine mögliche Option – weshalb man sich mit Wien über die bisherigen Erfahrungen und den aktuellen Stand bei dem Rechtsstreit ausgetauscht hat.

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