Politik | Inland
20.12.2017

Buwog-Prozess: Hochegger gesteht

Peter Hochegger sagt aus, dass er bei einem Treffen mit Meischbergers Investmentberater von der möglichen Beteiligung Grassers am Buwog-Deal erfahren habe.

Mit Spannung wurden heute die letzten zwei noch ausstehenden Plädoyers der Verteidiger erwartet und die erste Einvernahme eines Angeklagten: Peter Hochegger, der vergangene Woche ein Teilgeständnis angekündigt hatte.

Aus dem Großen Schwurgerichtssaal im Wiener Landesgericht berichteten Ida Metzger, Christian Böhmer und Moritz Gottsauner-Wolf.

Was heute geschah:

Die Verteidiger der Angeklagten Gerald Toifl und Norbert Wicki hielten ihre Plädoyers. Beide plädierten auf nicht schuldig.

Mit Spannung wurde die erste Einvernahme eines Angeklagten erwartet. Richterin Marion Hohenecker rief zuerst Peter Hochegger auf, der sich teilschuldig bekannte. Hochegger skizzierte dann das Zustandekommen des Buwog-Deals. Walter Meischberger habe ihn angesprochen, ob er nicht an einem Immobilien-Projekt mitarbeiten wolle. Er sollte dabei als Bindeglied zwischen Buwog-Mitbieter Immofinanz und Meischberger fungieren. Die Gruppe bestehend aus Hochegger, Meischberger und Plech würde eine Provision lukrieren, sollte das Konsortium rund um die Immofinanz beim Verkauf der Buwog als Sieger hervorgehen.

Anschließend gab Hochegger an, die Information über die Höhe der Erstgebote im Bieterverfahren von Meischberger erhalten und an Immofinanz-Chef Karl Petrikovics weitergeleitet zu haben. Petrikovics sei von ihm informiert worden, dass das Konsortium "in Richtung einer Milliarde" bieten müsse, um im Rennen zu bleiben. Auch der Tipp in der zweiten Runde, dass das Konkurrenzgebot bei 960 Millionen liege, sei von Meischberger gekommen.

Nach dem Zuschlag für das Österreich-Konsortium sei die Provision in Tranchen über Scheinrechnungen an eine Hochegger-Firma in Zypern überwiesen worden. Laut Hochegger verlangte Meischberger die Überweisung seines 80-Prozent-Anteils nach Liechtenstein. Bei einem Treffen mit dem Investementberater W., den Meischberger vorgeschlagen haben soll, sollten die Formalitäten geklärt werden.

Bei einem zweiten Treffen, ohne Meischberger, soll der Berater Hochegger gesagt haben, dass hinter dem mysteriösen dritten Konto in Liechtenstein Karl-Heinz Grasser stehe – zumindest sagt das Hochegger so aus. 2007 sei er endgültig zur Überzeugung gelangt, dass der Buwog-Tipp von Grasser stammen musste. Meischberger habe ihm 2007 auf Ibiza gesagt: "Ohne den Karl-Heinz hätten wir das nicht geschafft", was Hochegger als Hinweis für die Beteiligung Grassers am Buwog-Deal wertet.

Meischberger: "Vollkommen lebensfremd"

Walter Meischberger hat nach Verhandlungsende die Darstellung Hocheggers entschieden zurückgewiesen. "Es war so zu erwarten. Es ist der PR-Experte, der hier versucht, PR in eigener Sache zu machen und hier seine Situation zu verbessern", sagte Meischberger. Hochegger sei die ganze Zeit "ganz in meiner Nähe" gewesen. "Es ist vollkommen lebensfremd, dass ich eine derartige Situation, wie er sie hier darstellt, vor ihm verbergen hätte wollen oder können." Er sei zuversichtlich, dass sich diese Strategie "in Luft auflöst", sagte Meischberger.

Buwog-Prozess: Hochegger gesteht

  • 14:41

    Spannend war es
    Wir melden uns morgen wieder, danke fürs Mitlesen.

  • 14:39

    Schluss für heute
    Morgen um 9:30 Uhr geht es mit der Befragung von Peter Hochegger weiter, sagt die Richterin.

  • 14:39

    Richterin: Warum haben Sie ihr Grasser-Wissen mit Meischberger nicht geteilt?

    Hochegger: "Ich habe keinen Anlass dafür gesehen."

     

     

  • 14:31

    Die Liechtensteiner Konten hießen Natalie und Karin.

    Hochegger sagt, das seien die Namen der Frau von Herrn Plech, Karina, und der Lebensgefährtin Meischbergers.

  • 14:28

    Hochegger wird jetzt von der Richterin gefragt, wie er sein Netzwerk aufgebaut hat. Man sei mit einigen Kunden wie Mobilkom enorm gewachsen, sagt Hochegger. Er meint seine PR-Firma.

     

  • 14:24

    Jörg Haider als Tippgeber?
    Er habe keine Wahrnehmung zu einem Kontakt Jörg Haiders zu den Buwog-Vorgängen, sagt Hochegger.

    In einem der Verteidiger-Plädoyers war Haider als möglicher Tippgeber ins Spiel gebracht worden.

  • 14:22

    Jetzt wieder Buwog.

    Richterin: "Von wem hat Meischberger die Zahl 960 Millionen erfahren?"

    Hochegger: "Ich hatte keine Ahnung. Da habe ich nie nachgefragt."

    "Im Jahr 2007 war es für mich ersichtlich, dass die Preisinformation von Grasser kommen muss, sonst hätte mir Meischberger nicht gesagt: 'Ohne Karl-Heinz hätten wir das nicht geschafft.'"

     

  • 14:16

    Jetzt Causa Terminal Tower
    Meischberger sei auf Hochegger zugegangen und habe ein Projekt über die Astropolis auf Zypern abrechnen wollen. Meischberger habe den Namen Pöchhacker (mittlerweile verstorbener Porr-Chef) erwähnt, sagt Hochegger.

  • 14:10

    Gemeinsame Jacht
    Auf Ibiza habe im Meischberger sein neues Boot gezeigt, "er hat gesagt: 'Das haben wir uns gemeinsam gekauft'". Also Meischberger und Plech. Für Hochegger ist naheliegend, dass das Geld für das Boot aus Liechtenstein stammen könnte.

     

     

  • 14:09

    Dr. Eichenseder hat im Plädoyer gesagt, dass Hochegger ein Buch schreibe. Hochegger antwortet: "ich schreibe kein Buch. Das ist ein Gerücht.“

    (Metzger)

  • 14:09

    Es geht weiter
    Hochegger wiederholt noch einmal die Eckpunkte seiner Aussage.

  • 14:02

    Jörg Zarbl, der Anwalt Meischbergers, hat soeben vor Kameras gesagt, dass es sich bei den Aussagen Hocheggers um eine "reine PR-Aktion" handle.

    In diese Richtung dürfte die Verteidigung nun gehen: Hochegger soll als unglaubwürdig dargestellt werden.

  • 13:50

    Kaffeepause
     

  • 13:48

    Hochegger Motivation
    Die Richterin will wissen, warum es plötzlich zu einer "Umkehr" bei ihm, Hochegger, komme:

    Hochegger: "Im Alter von 27 habe ich mich sehr für spirituelle Dinge eingesetzt. Dann, im Berufsleben, trat das Scheibchen für Scheibchen in den Hintergrund."

    Richterin: "Und jetzt wollen Sie Back to the Roots?"

    Hochegger: "Ich will einen friedlichen Lebensabend haben."

     

  • 13:42

    "Teil des Systems"
    Hochegger ging davon aus, dass sein Grasser-Wissen kein Problem sei – weil bis auf den Investmentbanker niemand davon wusste, sagt er.

    "Ich war Teil des Systems", sagt Hochegger. "Wenige verschaffen sich durch Insider-Wissen persönliche Vorteile."

    Hochegger sagt, dass er sich nicht bewusst gewesen sei, Teil des Systems gewesen zu sein – gibt sich jetzt aber geläutert.
     
    "Ich habe mit wenigen Dingen und Telefonaten geschafft, hohe Honorare zu lukrieren. "
     
    "Und wie das im Leben so ist, ist das Vermögen verschwunden", sagt Hochegger.
  • 13:38

    "Emotionaler Tsunami"
    2009, als Journalist Kid Möchel ihn erstmals auf die Buwog-Provision ansprach, habe er gewusst, dass sich sein ganzes Leben verändern wird. "Das war ein emotionaler Tsunami", sagt Hochegger.

  • 13:38

    Ohne Grasser "kein Druckmittel"
    Hochegger weiter: "2007 hat mich Meischberger ersucht, bei den Konsorten zu drängen, wann die letzte Rechnung bezahlt wird, weil Grasser nicht mehr in der Regierung sitzt und wir kein Druckmittel mehr haben."

    "Grasser, Meischberger und Plech haben sich die Provision aufgeteilt - und deshalb bekenne ich mich teilschuldig", sagt Hochegger. 

  • 13:36

    Die Richterin will wissen, warum er MIP-Aktien kaufen sollte.

    Hochegger: Meischberger habe von Grasser gewusst, dass die Aktie eine ,gute Fantasie' habe und er für Grasser Aktien kaufe. Und er, Grasser, kaufe nur, wo er sich eine entsprechende Rendite erwartet.

  • 13:33

    Weitere Hinweise
    Richterin: "Wobei haben Sie mitgewirkt?"

    Hochegger: "Ich habe mitgeholfen, dass ein Amtsträger aus einem Geschäft mit der Republik 2,4 Millionen Euro bekommen hat."
     
    "Ich habe mitbekommen, dass das Geld überweisen wurde, und: Es gab klare Hinweise, dass das so ist."
     
    Hochegger weiter: "2007 habe ich Meischberger in Ibiza besucht, es war eine nette Atmosphäre, er hat damals gesagt: Ohne Karl-Heinz hätten wir das nie geschafft. Ein weiterer Hinweis war: 2007 hat mich Meischberger darauf hingewiesen, dass er Meinl International Power Aktien kauft. Und auf meine Nachfrage hat Meischberger erklärt: Die Aktie hat eine Fantasie und ein Potenzial, das hat ihm nämlich Grasser erklärt."
     
    (Böhmer)
  • 13:30

    Lächelnder Meischberger
    Richterin: "Warum sprechen Sie jetzt darüber?"

    Hochegger: "Ich habe mitgeholfen an einer Sache, die verwerflich ist.
    Mit solchen Aktivitäten wird das Wesen einer glaubwürdigen Demokratie untergraben. Ich habe mich von der Gier treiben lassen."
     
    Während Hochegger das sagt, lächelt Meischberger. Grasser schreibt sorgsam mit. Weiterhin.
     
    (Böhmer)