Seit dem Start 2008 haben 9.300 Lehrlinge die Reifeprüfung absolviert

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Politik Inland
08/07/2020

Lehrstellenlücke wächst: Aktuell 4.000 Anträge auf Lehrlingsbonus

Im Herbst könnten 8.000 bis 10.000 Ausbildungsplätze für Lehrlinge fehlen.

von Elisabeth Hofer

Die Zahlen sind Grund zur Besorgnis: Ende Juli verzeichnete das Arbeitsmarktservice (AMS) mit einem Plus von 52,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr überdurchschnittliche Zuwächse bei der Jugendarbeitslosigkeit. Insbesondere am Lehrstellenmarkt zeichnet sich für den Herbst ein enormes Problem ab – 8.000 bis 10.000 Ausbildungsplätze könnten fehlen.

Schon jetzt wächst die Lehrstellenlücke, also der Überhang an Lehrstellensuchenden gegenüber offenen Lehrstellen, stetig an. Am größten ist sie derzeit im Handel, am geringsten in Hotellerie und Gastronomie. Ende Juli verzeichnete das Arbeitsministerium einen Mangel von 5.483 Lehrstellen – auf 6.130 verfügbare Lehrstellen kamen 11.613 Lehrstellensuchende. Die Arbeiterkammer, die junge Menschen in Schulungen und jene in überbetrieblichen Ausbildungsmaßnahmen mitrechnet, spricht gar von mehr als 19.000 Lehrstellensuchenden.

All jenen gegenüber, „die sich jetzt im Umbruch befinden und im Moment auf der Suche nach einer Lehrstelle sind“, habe man eine besondere Verantwortung, sagt Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP).

Bereits Anfang Juni hatte die Bundesregierung einen Lehrlingsbonus von 2.000 Euro für Unternehmen, die im Zeitraum von 16. März bis 31. Oktober 2020 Lehrlinge einstellen, beschlossen. Später wurde er für kleine Unternehmen auf bis zu 3.000 Euro erweitert. „Damit unterstützen wir Unternehmen, dass sie bestehende Lehrstellen weiterhin anbieten können und neue Lehrstellen schaffen“, sagt Schramböck.

Appell an Unternehmen

Mit Stand Donnerstag Abend haben laut Angaben des Wirtschaftsministeriums rund 4.000 Unternehmen einen entsprechenden Antrag gestellt. Süleyman Zorba, Lehrlingssprecher der Grünen, appelliert aber weiterhin an die Unternehmer, vom Lehrlingsbonus Gebrauch zu machen. Denn: „Jene jungen Menschen, die heute einen Ausbildungsplatz suchen, aber keinen finden, werden dem Markt und den Unternehmen in den kommenden Jahren als Fachkräfte fehlen.“

Wenig euphorisch zeigt sich die Gewerkschaft. Susanne Hofer, Bundesjugendvorsitzende der GPA-djp, nennt den Lehrlingsbonus „ein nettes Goodie“. Er sei aber keine passende Maßnahme, um den Lehrstellenmangel wirklich zu bekämpfen. Immerhin könne er auch von Unternehmen beantragt werden, denen es wirtschaftlich ohnehin gut gehe. „Diese werden trotz Bonus nicht einen Lehrling mehr aufnehmen“, sagt Hofer. Es wäre besser, das Geld auf jene aufzuteilen, die coronabedingt wirklich Probleme haben.

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