Politik | Inland
24.12.2017

Launsky: "Klestil wäre einverstanden, dass ich den Job mache"

Der Diplomat und Ex-Mitarbeiter des Schwarz-Blau-Gegners Thomas Klestil ist die Stimme von Türkis-Blau. Wie der neue Regierungssprecher das politische Minenfeld bewältigen will.

Er ist der Inbegriff eines britischen Gentleman, agiert stets korrekt und vergisst niemals auf die Etikette. Der Diplomat mit aristokratischen Wurzeln, Peter Launsky-Tieffenthal , ist der erst zweite Regierungssprecher der Republik (den ersten gab es vor 57 Jahren). Was die Politik-Beobachter und Medien als Nachrichten-Kontrolle kritisieren, bezeichnet der ehemalige Mitarbeiter von Thomas Klestil "als Zusatzangebot". Warum er seinen Spitzenjob bei den Vereinten Nationen aufgab, und warum er den Mut hat, zu Fehlern zu stehen, verrät Launsky-Tieffenthal im KURIER-Interview.

KURIER: Herr Launsky-Tieffenthal , Sie waren ein enger Mitarbeiter von Bundespräsident Thomas Klestil. Unvergessen ist seine eisige Miene bei der Angelobung des ersten schwarz-blauen Kabinetts. Heute sind Sie der Regierungssprecher der dritten ÖVP/FPÖ-Koalition. Hätten Sie sich 2000 verstellen können, jemals Sprecher einer ÖVP/FPÖ-Koalition zu sein?

Peter Launsky-Tieffenthal: Ich hätte mir bis vor wenigen Wochen gar nicht vorstellen können, überhaupt jemals Regierungssprecher, welcher Koalition auch immer, zu werden. Es war niemals Teil meiner Lebensplanung. Gleichzeitig denke ich, wenn ein zukünftiger Bundeskanzler und Vizekanzler einen einladen, dieses Amt auszuüben, und ich zeit meines Lebens in Funktionen war, um österreichische Interessen zu vertreten, wird es verständlicher, warum ich auch hier gerne einen Beitrag zum neuen Stil der Bundesregierung leisten will.

Glauben Sie, wäre Thomas Klestil einverstanden, dass Sie dieses Jobangebot angenommen haben?

Ich glaube, Thomas Klestil wäre einverstanden, dass ich den Job mache.

Sie sind 60 Jahre alt. Bundeskanzler Sebastian Kurz ist 31. Warum möchte man in diesem Alter der Regierungssprecher vom jüngsten Bundeskanzler werden, der Ihr Sohn sein könnte?

Da muss ich einen Schritt zurück machen. Ich hatte eine tolle Funktion bei den Vereinten Nationen in New York. Eigentlich hatte ich das Angebot, meine Engagement bei der UNO zu verlängern. Allerdings war es so, dass drei private Ereignisse eine Verlängerung damals nicht möglich machten. Meine Mutter war verstorben, mein Vater ist 92 und lebt alleine in Wien. Meine Partnerin hat eine Ordination in Wien. Da ich in den vergangenen Jahrzehnten immer sehr stark auf meine Karriere fokussiert war, kam damals der Zeitpunkt, wo ich etwas zurückgeben wollte – meiner Partnerin und meinem Vater. Dieser Moment fiel mit dem Angebot von Sebastian Kurz zusammen, ob ich nicht wieder ins Außenministerium kommen möchte. Was dazu kommt: Ich habe den heutigen Bundeskanzler sehr schätzen gelernt. Er hat auf den Rat und die Erfahrung der Älteren im Ministerium gehört und ist sehr respektvoll mit uns umgegangen. In der Interaktion mit ihm spürt man den Altersunterschied gar nicht mehr. In meinen elf Jahren in den USA habe ich auch gesehen, dass Jugend ganz anders beurteilt wird als in Europa. Man schätzt den Input der Jungen. Und der letzte Punkt ist ein ganz persönlicher: Wenn man selber älter wird, wünscht man sich, jung zu bleiben. Wenn man für einen jüngeren Menschen arbeiten darf, macht das einen selber auch jünger.

Wie lange hatten Sie Bedenkzeit, ob Sie den Job annehmen möchten?

Ich wurde am 30. November während des EU-Afrika-Gipfels in Abidjan in Côte d'Ivoire gefragt. Ich habe gerne und rasch zugesagt, weil ich gerne einen Beitrag zum besseren Verständnis der Arbeit der österreichischen Bundesregierung leisten möchte.

Die Position des Regierungssprechers gab es in Österreich zuletzt vor 57 Jahren. Wo haben Sie sich Ratschläge geholt?

Mein erster Anruf ging zu Steffen Seibert, dem deutschen Regierungssprecher. Sein wichtigster Rat war, dass ich ein Vertrauensverhältnis zu den wichtigsten Akteuren aufbauen muss, und dass ich den Zugang zu den wichtigsten Meetings wie Ministerrat und Koordinierungstreffen benötige. Da die Position inzwischen in das Bundesministeriengesetz aufgenommen wurde, konnte dieser wichtige Zugang gesichert werden.

Was wird Ihre wichtigste Aufgabe sein? Die Kontrolle der Botschaften? Das ist zumindest die größte Kritik der Politikbeobachter . . .

Ich sehe es nicht als Botschaften-Kontrolle, sondern als Erweiterung des Angebots. Es wird Settings geben, wo die Fachminister oder auch Experten mit mir die Pressekonferenzen bestreiten. Diese Offenheit und den neuen Stil möchte ich auch in der Kommunikation mit Leben erfüllen.

Entziehen sich Bundeskanzler und Vizekanzler durch die Schaffung des Regierungssprechers nicht der Öffentlichkeit?

Wenn man in andere Länder schaut, muss man fairerweise sagen, dass Kanzlerin Angelika Merkel ein Mal pro Halbjahr eine Pressekonferenz gibt. Andere europäische Staats- und Regierungschefs treten vielleicht vier Mal vor die Presse. Wir überlegen ein zusätzliches Format, wo es einen informativen Austausch zu den Hauptthemen der Ministerräte gibt.

Man sagt Ihnen nach, dass Sie ein sehr kunstsinniger und nobler Mensch sind. In der FPÖ Führungsriege sind aber auch einige Proponenten dabei, die nicht immer – gerade gegenüber Migranten – eine feine und respektvolle Sprache pflegen. Gibt es rote Linien für Sie, wo Sie dann nicht mehr Regierungssprecher sein können?

Als Regierungssprecher ist es nicht meine Aufgabe, Parteipolitik zu erklären, sondern die Arbeit der Regierung. Man sollte diese Regierung nach den Ergebnissen ihrer Arbeit beurteilen. Unmittelbar betroffen wäre ich nur dann, wenn die Regierung eine Entscheidung trifft, mit der ich persönlich nicht leben kann.

Sie waren vor wenigen Tagen bei Anchorman Armin Wolf im ZiB-2-Studio. Können Sie mit Ihrem Auftritt als Regierungssprecher wirklich zufrieden sein?

Ich war mit meiner Performance nicht zufrieden. Nach den ersten doch sehr emotionalen Tagen war ich etwas müde. Es gibt Luft nach oben. Deswegen werde ich auch nächste Woche ein Medien-Training machen, um meine TV-Auftritte auf Vordermann zu bringen.

Sie tragen einen Siegelring. Wie wichtig ist Ihnen Ihre aristokratische Herkunft?

Das ist ein Ring, der über mehrere Generationen weitergegeben wurde. Er hat für mich einen sentimentalen Wert. Mein Ururgroßvater hat diesen Ring getragen, meine Mutter schenkte mir das Familien-Schmuckstück zum 18. Geburtstag. Insofern hat der Ring einen sentimentalen Wert für mich, aber nicht meine aristokratischen Wurzeln. Sie sind nur ein Teil meiner Familiengeschichte.

In einigen Porträts von Ihnen war zu lesen, dass Sie kein klassischer Familienmensch sind. Was steckt hinter dieser Umschreibung?

Ich habe ein Vagabundenleben geführt und mich über die Maßen für den Job eingesetzt habe. Dadurch habe ich keine eigenen Kinder. Meine Lebensgefährtin hat drei Kinder in die Beziehung mitgebracht. So habe ich, spät aber doch, erfahren dürfen, wie schön es ist, eine Familie zu haben.