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Politik Inland
07/13/2020

Laptop-Debatte: Warum Minister und Parteichefs keinen Laptop benötigen

Kein Schreibtisch, kein Laptop: Wie arbeitet die Regierung?

von Ida Metzger, Raffaela Lindorfer

Es war der Klassiker vieler ORF-Archivaufnahmen. Politiker, die sich vor dem Personal Computer sitzend mit Leuchtstift auf das Aktenstudium konzentrieren. Mag sein, dass es schon damals nicht mehr als eine gestellte Szene war. Heute ist der Arbeitsstil endgültig passé. Seit Gernot Blümel im Ibiza-U-Ausschuss aussagte, dass ihm als Finanzminister lediglich ein Handy als Arbeitsmittel genüge, weil seine „Arbeitsweise eine effiziente sei“, fragt sich nun manch einer in der Republik, ob die Politiker das Land nur über das Smartphone managen?

Ex-FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache tat es offenbar, wie man mittlerweile auch aus Chatprotokollen weiß. Auch der Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) gibt im ZiB2-Interview offen zu, nur mit Handy und Tablet, aber ohne Laptop zu arbeiten. Prompt postet Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger, dass sie sehr wohl mit Laptop die pinke Partei organisiere.

Ein Rundruf des KURIER bei einigen Ministern zeigt, dass auch bei den Kollegen von Blümel und Kogler der Laptop nicht notwendig ist, um das Ressort zu managen.

Lediglich ein Handy dient ÖVP-Finanzminister Blümel  als Arbeitsmittel. „Meine  Arbeitsweise ist  effizient“

Auch Vizekanzler Werner  Kogler (Grüne) hat keinen Laptop. Er managt alles mit Handy, Tablet und Stand-PC

Beate Meinl-Reisinger, Neos-Chefin, ist im Homeoffice, im Klub und im Plenum auf ihren Laptop angewiesen 

Die Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP)    kommuniziert hauptsächlich mit Handy und Tablet 

Sigrid Maurer, Grüne Klubchefin, sitzt mit Laptop oft im Plenum, ihre Arbeit spielt sich unterwegs am Handy ab 

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner benutzt den Laptop zum eMails-Checken und   zum Schreiben von Reden    

Auch kein Schreibtisch

Auch Innenminister Karl Nehammer erledigte die zahlreichen Video-Konferenzen während der Corona-Krise über sein Tablet. Detto benötigen Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka nicht mehr als das Smartphone und das Tablet, um ihren Job zu bewältigen – wie Kanzler Sebastian Kurz. Sobotka hat nicht einmal einen klassischen Schreibtisch in seinem Büro. Einen ähnlichen Arbeitsstil pflegt auch Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil – und er wird auch keinen Schreibtisch mehr bekommen, heißt es aus seinem Büro. Wozu auch? Er sitze ohnehin den Großteil des Tages in Besprechungen oder sei unterwegs. „Ihm sind der direkte Kontakt und das Gespräch wichtiger, als hinter einem riesigen Schreibtisch vorm Computer zu sitzen. Der Raum ist durch einen Besprechungstisch und eine Sitzecke besser genutzt“, sagt eine Sprecherin Doskozils.

Wieso die Frage aktuell für Debatten oder gar Empörung sorgt, kann die grüne Klubchefin Sigrid Maurer nicht nachvollziehen. Maurer hat – anders als Parteichef Kogler – zwar einen Laptop, den sie auch meistens im Plenum dabei hat, aber: „Menschen haben unterschiedliche Arbeitsstile, das heißt nicht, dass der eine produktiver ist als der andere.“

Tatsächlich ist es so, dass man sich den Alltag eines Kanzlers, Ministers oder Parteichefs gänzlich anders vorstellen muss als von einem Geschäftsführer. Von den Morgenstunden an bis in die Nachtstunden sind Minister in Terminen.

Zeit für Aktenstudium existiert de facto nur zwischendurch. Reden werden zumeist nicht selbst geschrieben, Gesprächsnotizen nicht selbst angelegt. Für diese Arbeit gibt es eine Entourage an Kabinettsmitarbeitern, die den Ministern die Schreibtischarbeit abnehmen. Vor wichtigen Terminen gibt es Briefings mit Experten aus den Ministerien. Notwendige Unterlagen werden für den Minister vorausgewählt, ausgedruckt und in Mappen vorsortiert.

Auch Politikberater Thomas Hofer hält die „Laptop- Debatte für absolut absurd. Es existiert kein Premierminister, der seine Mails selbst beantwortet. Dieses Mikromanagement müssen andere erledigen.“

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