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Politik Inland
06/20/2020

Jackpot für Hersteller: 320.000 Laptops für Schule 4.0 gesucht

Regierung verspricht digitales Klassenzimmer ab Schuljahr 2021/’22, Anbieter rittern um Aufträge in Höhe von geschätzt 100 Millionen

von Michael Bachner

In Wien wurden ab April in Mittelschulen und an Polytechnischen Schulen Laptops gratis an Kinder und Jugendliche verteilt, die selbst keine Computer daheim haben. So wurde das ungewohnte „Homeoffice“ für Tausende Schüler und Schülerinnen in der Corona-Zeit überhaupt erst möglich.

„Wir mussten rasch helfen und wollten kein Kind zurücklassen“, sagt SPÖ-Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky zum KURIER. Und so kaufte die Stadt Wien kurzerhand um drei Millionen Euro 5.000 Laptops bei Hewlett Packard (HP) und stellte die Geräte den Schulen zur Verfügung.

Spät, aber doch springt jetzt auch der Bund auf den Digitalisierungszug auf. Und weil es da natürlich um ganz andere Dimensionen geht, reiben sich Hersteller wie Apple und die führenden Anbieter aus der Microsoft-Welt HP, Dell und Lenovo schon die Hände. Eine stark vereinfachte Rechnung zeigt, warum: 120.000 Schüler besuchen derzeit eine AHS-Unterstufe, 200.000 eine Neue Mittelschule. Ab Herbst 2021 sollen sie alle schrittweise über drei Jahre mit Laptops oder Tablets ausgestattet werden. Bei einem angenommenen Durchschnittspreis von 300 Euro pro Gerät (in Wien war es der doppelte Betrag) summiert sich das Geschäftsvolumen auf 96 Millionen Euro.

Der Wermutstropfen für die Großanbieter ist, dass der schöne große Kuchen aufgeteilt werden muss. Unterrichtsminister Heinz Fassmann will nicht wie die Wiener zentral für alle Standorte einkaufen, sondern will, dass die Schulen entscheiden, welche Computer sie benötigen und anschaffen wollen. Dazu müssen die Direktoren auch ein Digitalisierungskonzept vorlegen, wo es z. B. um die Lehrer-Fortbildung in Sachen IT-Wissen geht. „Wir verteilen die Geräte nicht wahllos“, heißt es dazu im Unterrichtsministerium.

Genau deshalb hoffen auch weniger bekannte Anbieter und Start-ups, mit den Schulen ins Geschäft zu kommen – wie beispielsweise das Unternehmen „refurbed“ (angelehnt an das englische Wort „refurbished“ für „renoviert“).

Das Geschäftsmodell des Start-ups mit mittlerweile 100 Mitarbeitern klingt Erfolg versprechend. Refurbed saniert gebrauchte Computer und verkauft sie wieder wie neu, aber stark verbilligt weiter. Man stelle sich das ähnlich vor wie den Kauf eines toll hergerichteten Gebrauchten mit Service und neuem Pickerl beim Autohändler. Im Falle der Computer erspart die Renovierung gebrauchter Geräte Geld, Elektroschrott und -Emissionen.

Geschäftsführer Peter Windischhofer sagt: „Wir sehen nach Corona eine Riesenchance für das Thema Nachhaltigkeit. Unsere Produkte sind aber auch 30 bis 40 Prozent günstiger als neue Markengeräte.“

Was für das Unterrichtsministerium vielleicht auch ein Thema wird: Seit einiger Zeit bietet die Wiener Firma auch ein Mietmodell an – beginnend bei monatlich 30 Euro. So ließe sich die Kostenbeteiligung der Eltern von 25 Prozent je Laptop, wie sie Faßmann vorschwebt, günstig und sozial verträglich umsetzen.

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