Politik | Inland
23.01.2018

Landbauer: Schwere Vorwürfe gegen FP-NÖ-Spitzenkandidaten

Udo Landbauer, der Spitzenkandidat der FP-Niederösterreich, soll durch Lieder seiner Burschenschaft den Holocaust und die Wehrmacht verherrlicht haben. Am Dienstagabend reagierte Landbauer und stellte seine Mitgliedschaft ruhend.

Schwere Vorwürfe gibt es gegen den freiheitlichen Spitzenkandidaten für die niederösterreichische Landtagswahl, Udo Landbauer. Wie der Falter berichtet, verlegt die Burschenschaft "Germania zu Wiener Neustadt", bei der Landbauer stellvertretender Vorsitzender ist, ein Liederbuch, in dem der Mord an Juden verherrlicht wird.

In einem Lied heiße es etwa wörtlich: “Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'” sowie weiter “Da schritt in ihre Mitte ein schlitzäugiger Chines’: ,Auch wir sind Indogermanen und wollen zur Waffen-SS.'”

Verherrlichung der Wehrmacht

An anderer Stelle wird von der Germania die „Legion Condor“ besungen. Dabei handelt es sich um eine Wehrmachtsfliegertruppe, die in Hitlers Auftrag auf der Seite der spanischen Putschisten die Stadt Guernica zerstörte. Wie der Falter berichtet, geht es in dem Lied außerdem um das Jahr 1941, als die griechische Insel Kreta angriffen und dabei zahlreiche Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung begangen wurden. Die Germania singt: “Auf Kreta wehen die Fahnen, wir Fallschirmjäger haben doch gesiegt. Und ist auch so mancher gefallen, der Ruhm der Fallschirmjäger aber blieb.”

Landbauer stellt Mitgliedschaft ruhend

Laut seinem Sprecher sei Landbauer seit etwa 18 Jahren Mitglied der Germania, kenne das Liederbuch aber “nur mit herausgerissenen Seiten und geschwärzten Stellen”.

Landbauer selbst gab sich am Dienstagabend "auf das Äußerste entsetzt und schockiert" über die Liedpassagen und sagte, er würde Konsequenzen ziehen. Diese bestehen darin, dass er die Mitglieschaft in seiner Burschenschaft ruehdn stellt und die Einsetzung einer Untersuchungskommission mit Konsequenzen fordert. "Die skandalöse Angelegenheit muss restlos aufgeklärt werden, gegebenenfalls auch vor Gericht", gab sich Landbauer demonstrativ emotional.

ÖVP: "Unglaublich schwerwiegend"

Die Vorwürfe in dem Bericht seien "unglaublich schwerwiegend", reagierte ÖVP-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner. Sie müssten "jedenfalls restlos aufgeklärt werden".

NEOS-Spitzenkandidatin Indra Collini zeigte sich schockiert. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, bleibe Landbauer "als einzige Konsequenz der Rücktritt", teilte sie in einer Aussendung mit. "Dieser Stil und diese Geisteshaltung haben in Niederösterreich und vor allem in der nächsten Landesregierung keinen Platz." Eine Stimme für die NEOS am Sonntag sei eine "gegen ewig gestriges und nationalistisches Gedankengut und eine Stimme für mehr Freiheit", betonte Collini.

SPÖ fordert Rücktritt

Sabine Schatz, SPÖ-Sprecherin für Gedenkkultur, fordert rasch Konsequenzen. „Hier gibt es keine Zweifel. Offenbar gehören NS-verherrlichende, judenfeindliche und andere rassistische Lieder zum Freizeitprogramm. Die Ausreden, die Landbauer gegenüber Medienanfragen ausrichten lässt, sind lächerlich“, sagt Schatz. „Es muss Konsequenzen geben. Udo Landbauer muss sofort zurücktreten und alle weiteren politischen Ämter niederlegen“, macht Schatz deutlich.

Gefordert sieht sie auch Bundeskanzler Kurz: „Noch vor wenigen Tagen beteuerte der ÖVP-Kanzler, es gäbe für ihn ‚rote Linien’ in der Politik. Eliminatorischer Antisemitismus und Verherrlichung des Nazi-Regimes müssen Konsequenzen haben. Daher möchte ich von Sebastian Kurz wissen: Ist Ihre ‚rote Linie’ nun überschritten und was sind Ihre Konsequenzen für Ihre Koalition mit der FPÖ?“