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Porträt
10/07/2020

Kurz-Berater kandidiert in Wien: "Gros der Zuwanderer will friedliche Gesellschaft"

Markus Gstöttner, stellvertretender Kabinettschef bei Sebastian Kurz, kandidiert für den Wiener Gemeinderat.

von Johanna Hager

Kaum jemand kennt ihn. Der Kanzler hört auf ihn – seit 2017 insbesondere in wirtschaftspolitischen Belangen. Und nun will er "Politiker werden“, wie er im KURIER-Gespräch sagt. Er ist Markus Gstöttner, stellvertretender Kabinettschef von Bundeskanzler Sebastian Kurz, und nunmehr ÖVP-Kandidat für die Wiener Landtagswahl am 11. Oktober.

Der gebürtige Wiener will "debattieren, diskutieren und etwas weiterbringen“. Das sei seine "intrinsische Motivation“, wie er sagt. Und wiewohl er weiß: "Es gibt wohl kaum einen Job, der härter ist als der des Politikers.“

"Man sagt immer: `Das Ende der Welt kommt in Wien 20 Jahre später.‘"

Markus Gstöttner

Danach gefragt, wer ihm als Vorbild dient, kommt erwartbar: Sebastian Kurz. Ungewöhnlich indes die internationalen Vorbilder, die er dann nennt. William Wilberforce und William Pitt. Beide sind Briten aus dem 18. Jahrhundert.

Britische Vorbilder

Der eine, Wilberforce, engagierte sich als Parlamentarier für die Sklaven, der andere, der zweimalige Premierminister Pitt, unterstützte Wilberforce in seinem Kampf.

Die Affinität zur Insel sei leicht erklärt, so Markus Gstöttner, nach der Matura am Wiener Schottenstift studierte er an der London School of Economics. Danach führte ihn sein Weg zum Unternehmensberater McKinsey, nach Indien, Pakistan und in den Libanon. "Ein Drittel meiner Tätigkeit lag stets im Sozialbereich.“

In Wien will der 34-Jährige es jetzt in den Gemeinderat schaffen und - sollte das gelingen - auch weiter für das Kanzleramt arbeiten. Beides zu tun sei opportun, politisch wie zeitlich vereinbar. Gstöttners Chancen das zu schaffen sind insoferne beschränkt, als dass er nicht unter den Top 15 der ÖVP-Kandidatenliste ist.

Was vom stellvertretenden Kabinettschef am Ballhausplatz im Wiener Rathaus zu erwarten wäre? "Drei Bereiche würde ich ändern wollen, wenn ich die Chance dazu bekommen würde“, gibt sich Gstöttner demonstrativ bescheiden und wirkt dabei authentisch.

"Hier gibt es nichts zu sehen, bitte weitergehen"

Den Umgang mit Steuergeld will er transparenter machen. "Das Krankenhaus Nord hätte rund 800 Millionen Euro kosten sollen, aber jetzt sind Mehrkosten von 500 Millionen entstanden, und nichts ist passiert. Gemäß dem Motto: `Hier gibt es nichts zu sehen, bitte weitergehen‘“, sagt der Wirtschaftsmann.

Im Bildungsbereich will er mehr Mittel eingesetzt wissen. "Wir brauchen mehr Personal im administrativen Bereich, damit sich die Lehrer auf den Unterricht konzentrieren können, und mehr Unterstützungspersonal im psychosozialen Bereich. Viele Kinder sind Opfer ihrer Umstände. Dreißig Sozialarbeiter in 700 Schulen sind definitiv zu wenig. Deshalb ist eine Verdreifachung des Personals notwendig“, spricht der auf Soziales Bedachte aus ihm. 

"Das Gros will eine friedliche Gesellschaft"

In punkto Integration und Migration, dem türkisen Thema Nummer 1, will er Klarheit und Konsequenzen schaffen. „Jeder ist gleich an Würde und hat die gleichen Rechte, deshalb gelten auch die gleichen Regeln.“ Deutschkenntnisse und Ausbildung gelten nicht nur für die Kleinsten, sondern seien auch für die Integration der Älteren maßgeblich. "Indem die Weiterbildungsangebote des AMS genutzt werden, und die Lehre möglichst nahe am Betrieb ist. Damit wissen die Menschen, dass sie eine Arbeit in Aussicht haben, von der sie hier leben können.“

"Es gibt wohl kaum einen Job der härter ist als der des Politikers.“

Markus Gstöttner

Zudem müsse die Stadt wissen, „welche Vereine hier was predigen und: Wer welchen Einfluss auf die Expat-Community nimmt.“ Aus seiner Zeit in Pakistan und dem Libanon wisse er, dass „das Gros eine friedliche Gesellschaft will“. Die nicht konstruktive Minderzahl gelte es unter Beobachtung zu halten, um Ghettoisierung und undemokratische Einflussnahme zu verhindern. Internationale Beispiele will Markus Gstöttner keine nennen, nur so viel: "Man sagt immer: `Das Ende der Welt kommt in Wien 20 Jahre später.‘ Vielleicht aber kommt es gar nicht, weil die Politik es zu verhindern weiß.“

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