Politik | Inland
05.11.2018

Kurier-Talk: "Wie machen wir Schule besser?"

Gemeinsamkeiten und Gegensätze zeigte eine hochkarätig besetzte KURIER-Diskussion am Montagabend.

Bestenfalls durchschnittlich sind die Ergebnisse der österreichischen Schülerinnen und Schüler im EU- und OECD-Vergleich. Also wie machen wir notwendigerweise die Schule besser?

Darüber diskutierten Montagabend Bildungsminister Heinz Faßmann, Wiens Bildungsdirektor (der ehemalige Stadtschulrats-Präsident) Heinrich Himmer und die Wiener NMS-Direktorin Andrea Walach unter der Leitung von KURIER-Herausgeber Helmut Brandstätter.

Direktorin Walach war jene Schulleiterin, die vor drei Jahren in einer KURIER-Reportage über die Zustände an ihrer „Brennpunktschulen“ klagte – und über die Schwierigkeiten, sinnvoll zu unterrichten wegen des von der Politik vorgegebenen starren Bildungssystems.

Sinnerfassend Lesen

Nun, Direktorin Walach wurde inzwischen erlaubt, autonom an ihrem Standort zu entscheiden, wie es besser gehen könnte – und bisher reüssierte sie, die Leistungen der Kinder sind deutlich besser geworden, mit Klein- und Leistungsgruppen.

Das bundesweit nicht alles gut sei, zeige aber das „Salzburger Lesescreening“, das regelmäßig durchgeführt wird, erklärt Walach. Denn das zeige erneut, dass ein Großteil der 14-Jährigen nicht sinnerfassend lesen könne.

Notengebung?

Konfrontativ waren die Argumente zur Frage der Notengebung in der Volksschule. Walach als auch Minister Faßmann sahen die Notwendigkeit, schon früh den Kindern zu zeigen, wo sie stehen. So manche Pädagogen im Publikum widersprachen: „Wann haben Sie in ihrem Arbeitsleben zuletzt eine Benotung von ihrem Chef erhalten“, argumentierte eine Lehrerin.

Bildungsvererbung

„Falsche Eltern, Pech gehabt“, beschrieb der KURIER eine OECD-Studie, wonach Bildung in Österreich massiv „vererbt“ wird – sprich: Wenn Eltern Akademiker sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die Kinder Akademiker werden. Haben die Eltern kaum Bildung, droht auch den Kinder Bildungsarmut. Wie will die Politik das ändern? „Dieses Problem haben viele andere Länder auch“, erklärte Faßmann. Österreich biete den Kindern eine „kostenloses, hochqualitatives Schulsystem“ an. „Das sind grundsätzlich gute Voraussetzungen, um die Vererbung zu durchbrechen. Man muss es nur tun“, kritisierte er die oft mangelnde Teilnahme an Fördersystemen.

Walach pflichtete hier bei: Sowohl an ihrer Schule als auch in der Umgebung gebe es sehr viele gute kostenlose Fördersysteme. Sie werden aber „aus Bequemlichkeit“ meist nicht genutzt.

Bildungsdirektor Himmer sieht die Bundesregierung dennoch unter Zugzwang: „Die Zahlen zeigen, dass es viel zu wenige schaffen, aufzusteigen. Ich finde, diese Bundesregierung tut zu wenig, um das zu verbessern.“

Einig waren sich die Diskutanten, dass die Eltern mehr in die Pflicht genommen werden sollten. Was aber, wenn diese dennoch auslassen, und sich einfach nicht um die Ausbildung ihrer Kinder kümmern? Himmer plädiert dafür, dass der Staat dann einspringen muss. Faßmann widersprach: „Und genau wann soll der Staat dann eingreifen?“ Das sei ein schwieriges Terrain, da gebe es keine einfachen Antworten.

Konkordat kündigen

Durchaus begrüßt wurde die Kritik am Religionsunterricht, der ja eigentlich ein Konfessionsunterricht sei. Sollte der Konkordat, der das seit den 1930er-Jahren regelt, überdacht werden? „Ich bin jetzt seit elf Monaten Bildungsminister“, erklärte Faßmann dazu etwas süffisant. „Wenn ich versuche, den Konkordat zu kündigen, werde ich nur elf Monate Minister sein.“

Interkulturelle Teams

Harsche Kritik musste sich Faßmann dann noch gefallen lassen, weil an den Schulen die sogenannten „interkulturellen Teams“ aus Budgetmangel eingestellt werden. Diese seien für die Kommunikation mit den Eltern mehr als wichtig, da die Menschen nicht nur die Sprache sprechen sondern auch die Kultur kennen. „Ja, es liegt auch am fehlenden Geld“, gab Faßmann zu. Denn derzeit fließe zwar viel Geld ins System – aber nicht immer dorthin, wo es benötigt werde. Er kündigte an, die Mittel künftig nach besseren Kriterien – „nicht mehr mit der Gießkanne“ – verteilen zu wollen.