ORF-Wahl: 37 Prozent wünschen sich externe Person an der Spitze
Der Countdown läuft. Am 28. Mai endet die Bewerbungsfrist für die ORF-Generaldirektion, am 8. Juni finden erste öffentliche Hearings, am 11. Juni findet die Wahl selbst statt. Selbige wurde nach dem Rücktritt von Ex-Generaldirektor Roland Weißmann vorgezogen.
Seit Dienstag ist die Kandidaten-Liste um einen Namen reicher: Eva Schütz, Exxpress-Herausgeberin, will eine "umfassende Reformagenda unter dem Titel 'ORF 2030'" vorlegen.
ORF-TV-Magazin-Chefin Lisa Totzauer bewirbt sich zum zweiten Mal und will den ORF ohne politische Deals "aus einer fundamentalen Krise" führen, Ex-ProSieben-Vorstand Markus Breitenecker einen "souveränen und starken ORF, der uns durch diese Zeit trägt“.
Und was will die Bevölkerung an der Spitze des Gebühren finanzierten Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunks?
Laut einer OGM-Umfrage für den KURIER (1.008 Wahlberechtigte, Schwankungsbreite +/- 3,1%) sind 37 Prozent für eine Kandidatin oder einen Kandidaten aus Österreich, die oder der derzeit nicht im ORF arbeitet. Vor allem ÖVP-Wähler (48 Prozent), gefolgt von FPÖ-Wählern (41 Prozent) und Neos- wie Grün-Sympathisanten (je 32 Prozent) können einem ORF-Neuling eher etwas abgewinnen als einem Kandidaten, der den Küniglberg kennt.
"Nur jeder Vierte will, dass die ORF-Spitze intern nachbesetzt wird - am ehesten Wähler von SPÖ und Grünen", sagt OGM-Meinungsforscher Johannes Klotz. "Wer viele Jahre in einem Unternehmen tätig war, ist bei Reformen meist zögerlicher als jemand von außen." In Prozentzahlen ausgedrückt: 43 Prozent der deklarierten SPÖ-Wähler sprechen sich für einen neue Generaldirektion aus, die aus dem ORF selbst kommt - das wäre gegenwärtig Lisa Totzauer. 41 Prozent der Grün-Wählerschaft sind ebenso dieser Meinung. Weit weniger können deklarierte Neos-Wähler (27 Prozent) und ÖVP-Wähler (26 Prozent) einem internen Kandidaten etwas abgewinnen.
Für eine Bewerbung von "außen" sprechen sich die wenigsten aus: Nur vier Prozent wollen, dass eine Kandidatin oder ein Kandidat aus dem Ausland auf Weißmann folgt. Geht es nach Parteien so sind einzig die Neos mit 18 Prozent für eine externe und internationale Bewerbung.
21 Prozent geben zudem an, dass sie die Wahl gar nicht interessiert. Besonders groß ist in Relation zu den anderen Parteien das Desinteresse freiheitlicher Wähler (28 Prozent), gefolgt von Sympathisanten von SPÖ (23 Prozent) und ÖVP (21 Prozent). Ganz gegenteiliger Meinung sind die Wähler von Grünen (4 Prozent) und Neos (3 Prozent).
Anfang März, kurz nach Weißmanns Rücktritt als von einer vorgezogenen Wahl noch nicht, aber bereits von einer Nachfolgerin bis Jahresende - nämlich Ingrid Thurnher - die Rede war, ließ SPÖ-Chef und Medienminister Andreas Babler wissen, er wünsche sich eine Frau an der Spitze des ORF.
Danach gefragt, ob eine Frau an der Spitze wichtig ist oder andere Kriterien ausschlaggebender seien - haben die Befragten eine eindeutige Meinung.
- 13 Prozent erachten eine Frau an der Spitze als wichtig an,
- 55 Prozent sehen andere Kriterien als wichtiger an und
- 23 Prozent halten die Einengung auf die Mann oder Frau-Frage für nicht richtig.
"Bei allem Verständnis für Gleichbehandlung sind sich die Österreicher einig, dass das Geschlecht nicht das entscheidende Kriterium bei der Besetzung der ORF-Spitze sein kann", fasst Klotz die Umfragedaten zusammen.
Eine Frau an der Spitze halten insbesondere Wähler von Grünen (31 Prozent), Neos (28 Prozent) und der SPÖ (22 Prozent) für wichtig. Bei der ÖVP- und FPÖ-Wählerschaft sind es hingegen nur 9 Prozent respektive 8 Prozent.
Andere Kriterien für wichtiger erachten allen voran die Wähler der SPÖ (70 Prozent), gefolgt von Neos (60 Prozent), Grünen (59 Prozent) und ÖVP (58 Prozent). Bei den Freiheitlichen sind es in Relation nur 41 Prozent. Apropos Freiheitliche: Sie halten die Einengung auf eine Frau als Kriterium insbesondere für nicht richtig (40 Prozent) - gefolgt von ÖVP-Wählern (32 Prozent).
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