Ex-ProSieben-Vorstand Breitenecker bewirbt sich als ORF-Generaldirektor
Markus Breitenecker hat seine Bewerbung um die Führung des ORF bestätigt. Das gab am Freitagmorgen in einem Video auf LinkedIn bekannt.
Der 57-Jährige war zuvor Vorstand des deutschen TV- und Streamingkonzerns ProSiebenSat1.
Breitenecker bewirbt sich um ORF-Führung
Breitenecker wurde bereits im Vorfeld als Kandidat für die ORF-Generaldirektion gehandelt, nun machte er seine Bewerbung offiziell. Zu seinem Video schrieb er:
"Wir brauchen einen souveränen und starken ORF, der uns durch diese Zeit trägt. Aber dieser, unser ORF, steckt in einer veritablen Krise. Nicht zuletzt durch die Skandale der vergangenen Wochen ist der Fokus auf das Wesentliche verstellt: die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags für das österreichische Publikum. Ich möchte daher meine gesamte Erfahrung einbringen und mein Wissen dem ORF zur Verfügung stellen: mehr als 30 Jahre TV‑Erfahrung, die Führung eines großen Medienunternehmens mit tausenden Mitarbeitenden sowie die Umsetzung der digitalen Streaming‑Transformation."
Weiters hieß es in seinem Video, das er direkt an das ORF-Team adressierte: "Mein Konzept für die gemeinsame Arbeit mit dem ORF-Team trägt den Titel „Ein souveräner ORF. Vom Marktführer zum Marktmotor”. Zu einem souveränen ORF gehört der bedingungslose Fokus auf Public-Value-Programm. Das ist für mich Qualitätsjournalismus im Sinne des Gemeinwohls."
Markus Breitenecker verfügt über mehr als 30 Jahre Berufserfahrung als Medienmanager im In- und Ausland. Zuletzt war der studierte Jurist Mitglied des Vorstands der ProSiebenSat.1 Media SE mit rund 7.000 Mitarbeitenden. In seiner Rolle als COO verantwortete er die Bereiche Streaming und Digitalstrategie, Tech und AI, Vertrieb, Marketing und Medienpolitik sowie Österreich und die Schweiz.
Seine Karriere begann 1996 als Managing Director des deutschsprachigen „Weather Channel“ in Düsseldorf. Mit der Gründung von ProSieben Austria wandte sich Breitenecker ab 1998 einer Reihe erfolgreicher österreichischer Medienprojekte und TV-Sender zu.
Als Langzeit-CEO von ProSiebenSat.1 PULS 4 führte er 2004 die ersten österreichischen redaktionellen Programmfenster auf ProSieben Austria ein: AustriaNews und Café PULS. 2008 erfolgte der Start von PULS 4, heute Österreichs größter privater Fernsehsender bei den Unter-50-Jährigen.
2016 gründete Breitenecker das internationale Digitalfestival 4GAMECHANGERS, das seit einigen Jahren in Kooperation mit dem ORF umgesetzt wird. 2017 verantwortete er die Übernahme der ATV-Gruppe und machte ProSiebenSat.1 PULS 4 bei den Unter-50-Jährigen zur Nr. 1 aller TV-Gruppen in Österreich. Ebenfalls 2017 initiierte er mit ZAPPN – heute JOYN – den Einstieg in den österreichischen Streamingmarkt.
2018 war Breitenecker Co-Autor des Buchs „Change the Game“ gemeinsam mit Corinna Milborn und prägte darin den Leitgedanken „Kooperation statt Konkurrenz“. 2019 startete mit PULS 24 der erste österreichische 24/7-Live-Nachrichtensender mit klarer Public-Value-Ausrichtung. Nicht zuletzt folgte 2023 der erfolgreiche Launch der senderübergreifenden Streamingplattform JOYN in Österreich, die private Sender und öffentlich-rechtliche Inhalte – darunter Programme des ORF – integriert.
Er wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als „Medienmanager des Jahres“ 2013 und 2017. Markus Breitenecker, geboren am 28. November 1968, ist verheiratet und Vater zweier Kinder.
Wer geht noch ins Rennen um den ORF?
Die Ausschreibung für die ORF-Generaldirektion ab 2027 ist bereits Ende April veröffentlicht worden. Vor Breitenecker hatte sich mit ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer erst eine aussichtsreiche Bewerberin offiziell ins Rennen um den Chefsessel des öffentlich-rechtlichen Medienhauses begeben.
Für weitere Interessenten ist aber noch bis 28. Mai Zeit, um Unterlagen einzureichen. In Seefeld haben sich gestern auch die aktuelle ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher und APA-CEO Clemens Pig ausführlich über die Lage des ORF geäußert, sich zu ihren eventuellen Bewerbungen aber noch nicht deklariert.
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