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ORF-Wahl: "Exxpress"-Herausgeberin Eva Schütz bewirbt sich

Will "Privilegien im Haus beenden" und mehr Mittel für private Medien.
ÖSTERREICHISCHE MEDIENTAGE 2021: SCHÜTZ

"Exxpress"-Herausgeberin Eva Schütz will an die ORF-Spitze. In einer Aussendung hat sie am Dienstag eine Kandidatur für die ORF-Generaldirektion angekündigt, wobei sie eine "umfassende Reformagenda unter dem Titel 'ORF 2030'" vorlegen wolle. Die 52-jährige gebürtige Wienerin will das öffentlich-rechtliche Medienhaus strategisch neu ausrichten, finanzielle Mittel auch für private Medien, die einen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllen, und "Privilegien im Haus beenden".

Schütz hat das umstrittene, 2021 gestartete Online-Boulevardmedium "Exxpress" aufgebaut. Es befindet sich mittlerweile mehrheitlich in Hand des deutschen Unternehmens Vius. Dieses verantwortet auch das rechtspopulistische Onlinemedium "Nius" von Ex-"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt. Schütz ist zwar noch beteiligt, hat ihre Anteile in den vergangenen Jahren aber deutlich gesenkt. Sie agiert weiterhin als Herausgeberin und neben der Ex-ÖVP-Politikern Laura Sachslehner auch als Chefredakteurin, wobei das Medium in der Vergangenheit auch immer wieder mit Attacken gegen den ORF aufgefallen ist.

ORF müsse Größe stärker rechtfertigen

Schütz betätigte sich in ihrem Leben bereits als Rechtsanwältin, Leichtathletin und im Kabinett des ÖVP-geführten Finanzministeriums der damaligen Regierung von ÖVP und FPÖ unter Sebastian Kurz und saß auch im Regierungsverhandlungsteam für den Bereich Justiz. Sie betätigte sich in mehreren Aufsichtsräten wie bei der Volksbank Wien und bei Unternehmen des ÖBB-Konzerns. Schütz versteht ihre Kandidatur als unabhängig. Sie sei keine Kandidatin der Bundesregierung oder Koalition, sondern der "Zuseherinnen und Zuseher und der Gebührenzahler", sagte sie.

Sie erachtet den ORF als "eine der wichtigsten demokratischen Institutionen unseres Landes". In unruhigen Zeiten brauche es einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der "unabhängig, wirtschaftlich solide, technologisch modern und zugleich nahe an den Gebührenzahlern bleibt", wurde die Boulevardmacherin zitiert. Der ORF müsse seine Größe und seine öffentliche Finanzierung stärker rechtfertigen, meinte sie. Daher müssten öffentliche Mittel unter klar definierten Kriterien auch privaten Medien offenstehen, die einen öffentlich-rechtliche Auftrag erfüllen, hielt sie fest. Freilich liegt das primär in den Händen der Gesetzgeber.

"Privilegien im Haus beenden"

Die Medienmacherin will zudem "Privilegien im Haus beenden", wobei sie damit Sonderverträge, Sonderzulagen und intransparente Zusatzleistungen versteht. Spitzengehälter will sie begrenzen. Mit Blick auf das ORF-Programm tritt sie für einen klaren Österreichbezug ein.

Schütz ist nicht die einzige Person, die sich um den ORF-Chefsessel bemüht. Neben ihr haben sich etwa bereits ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer, der langjährige Privat-TV-Medienmanager Markus Breitenecker und Unternehmensberater Ernst Primosch beworben. Favorit soll laut Beobachtern aber APA-CEO Clemens Pig sein, der allerdings noch keine Bewerbung abgegeben hat.

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