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Politik Inland
10/23/2019

Kritik an Schulbuchaktion: "Immer öfter müssen Eltern bezahlen"

Das vorhandene Budget reiche bei weitem nicht aus, kritisieren Schüler-, Eltern- und Lehrervertreter.

Schüler-, Eltern- und Lehrervertreter kritisieren die Schulbuchaktion. Während der Verbraucherpreisindex in den vergangenen 20 Jahren um fast 45 Prozent gestiegen ist, wurde der Maximalbetrag, der pro Schüler für Bücher zugeschossen wird, um nur 16 Prozent angehoben. "Immer öfter steht deshalb für den Unterricht kein Schulbuch zur Verfügung, immer öfter müssen Eltern Bücher bezahlen."

Gestartet wurde die Schulbuchaktion 1972 unter dem Titel "Gratis-Schulbuch". Um die steigenden Kosten einzudämmen, wurden ab 1995 allerdings Höchstbeträge pro Kopf und Schulform festgelegt. Zusätzlich gab es bis 2011 einen Selbstbehalt von zehn Prozent.

Bücher um bis zu 170 Euro pro Kopf

Heuer fließen rund 109 Millionen Euro aus dem Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) in die Schulbuchaktion für die rund 1,1 Millionen Schüler. Pro Kopf werden damit Schulbücher um maximal 50 Euro (Volksschule) bis 170 Euro (AHS-Oberstufe) finanziert. Diese Höchstgrenze ist allerdings in den vergangenen 20 Jahren nicht annähernd im Ausmaß der Inflation angestiegen. Nur an den Volksschulen wurde das Limit mit über 40 Prozent fast inflationsdeckend angehoben, wie das zuständige Bundeskanzleramt bestätigt. Die übrigen Schultypen liegen mit 10,6 Prozent (AHS-Oberstufe) bis 21,0 Prozent (AHS-Unterstufe/Neue Mittelschule) weit darunter.

Im Schuljahr 2011/12 wurde zwar der Selbstbehalt bei Schulbüchern abgeschafft. Man habe allerdings die Limits für das Buchbudget pro Kopf nicht entsprechend erhöht, kritisiert AHS-Lehrergewerkschafter Herbert Weiß (FCG) im APA-Gespräch. "In der Praxis heißt das natürlich, dass die Eltern Kosten übernehmen müssen, die ihnen eigentlich vom Gesetz her nicht überantwortet werden dürfen." Noch schärfer formuliert es Roland Gangl (FCG), oberster Lehrervertreter an den Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen (BMHS): "Das ist eine Umgehung der Schulgeldfreiheit."

2009 hat ein Bericht des Rechnungshofs (RH) ergeben, dass das vorhandene Schulbuchbudget an drei von vier Schulen nicht für eine Vollversorgung der Schüler ausreichte. "Das ist sogar schlimmer geworden", glaubt Weiß. "Bei uns geht sich das seit Jahren nicht aus."

Für die Schüler bedeutet das, dass sie oft Bücher dazukaufen müssen, erzählt Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike. "Das ist für manche extrem schwierig, auch wenn es 'nur' 30 Euro sind." Sehr oft sind es Arbeitsbücher, für die laut Bundeselternverband Geld zugeschossen werden muss. Auch die Kosten von Atlanten und Wörterbücher müssten die Eltern oft selbst tragen.

Handouts statt Büchern

In anderen Fällen muss die Schule entscheiden, in welchen Fächergruppen am ehesten auf ein Schulbuch verzichtet werden kann. Als Ersatz werden etwa selbst erstellte Handouts ausgedruckt. Für die Lehrer bedeutet das laut Gewerkschafter Weiß Mehrarbeit, für die Schüler laut Bundesschulsprecherin Uzodike eine für manche schwer organisierbare "Zettelwirtschaft". In manchen Fällen leide auch die Unterrichtsqualität, so Weiß, denn nicht immer könne man sinnvoll auf elektronische Medien ausweichen.

Von der kommenden Regierung fordern die Schulpartner deshalb, dass das Schulbuchbudget an die Inflation angepasst wird. Uzodike: "Es kann nicht sein, dass man hier weiter von Schülern und Eltern verlangt, dass sie das aus ihrer eigenen Tasche bezahlen." Aus dem Bundeskanzleramt heißt es dazu auf Anfrage der APA, die zuständige Fachsektion werde "eine Wertanpassung der Schulbuchlimits bei den bevorstehenden Budgetverhandlungen thematisieren".