Politik | Inland
03.01.2018

Flüchtlinge: Perspektivlosigkeit kann zu Kriminalität führen

Deutsche Kriminologen empfehlen mehr Angebote und Familienbezug als Präventionsmaßnahme.

Es war eine Tat, die Ende Dezember deutschlandweit für Aufsehen sorgte. Eine 15-Jährige wurde in einem Geschäft in Rheinland-Pfalz von ihrem Ex-Freund, einem jungen Afghanen erstochen. Neben der Frage nach dem Warum, führte der Fall auch zur Diskussion, ob die Kriminalität in Deutschland durch die Zuwanderung der vergangenen Jahre gestiegen ist.

Mögliche Antworten soll eine neue Studie des Bundesfamilienministeriums geben. Ein Team um den Kriminologen Christian Pfeiffer stellt darin einen Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und steigenden Gewaltdelikten in Niedersachsen fest. Das Bundesland könne ob der demografischen Daten exemplarisch für ganz Deutschland gelten. Untersucht wurde zudem, welche Maßnahmen präventiv helfen können.

In Niedersachsen sei die Zahl an Gewalttaten zwischen 2014 und 2016 um zehn Prozent gestiegen – dafür wären zu 92 Prozent Straftäter verantwortlich, die Flüchtlinge sind, heißt es. Besonders auffällig seien 14- bis 30-Jährige – eine Altersgruppe, in der Männer verstärkt straffällig sind.

Allerdings geben die Autoren zu bedenken, dass Taten von Fremden bzw. Flüchtlingen doppelt so häufig angezeigt wurden, wie die von Deutschen. Differenziert wird auch zwischen zwei Gruppen: Mehr als die Hälfte der Kriegsflüchtlinge kommt aus Syrien, Afghanistan und dem Irak – auf sie entfallen 16 Prozent der Straftaten. Flüchtlinge aus Nordafrika, die in Niedersachsen 0,9 Prozent ausmachen, waren jedoch zu 17,1 Prozent tatverdächtig.

Der Grund: Perspektivlosigkeit, so die Studienautoren. Nordafrikanern würde von vornherein klargemacht, "ihr habt hier keine Chancen, ihr müsst alle wieder nach Hause", sagte Pfeiffer im heute-journal. Den Kriegsflüchtlingen werde wiederum schnell signalisiert, dass sie bleiben können. "Und dann bemühen die sich natürlich, ja nichts falsch zu machen." Was die Gewalt ebenfalls begünstige: Wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion auf engstem Raum untergebracht sind. Ein Drittel der Opfer sind andere Flüchtlinge bzw. Ausländer, etwa bei 90 Prozent der Tötungsdelikte.

Präventiv empfehlen die Autoren Sprachkurse, Sport, Praktika sowie Betreuungskonzepte für junge Flüchtlinge. Kriminologe Pfeiffer hofft auch, dass die Koalitionsverhandlungen, genützt werden, um neue Perspektiven zu finden, wie Rückkehrprogramme. Aber auch Verbesserungen für jene, die bleiben dürfen. Der Mangel an weiblichen Bezugspersonen führe etwa zu Gewaltbereitschaft, er empfiehlt daher den Nachzug von Familien. Ein hoch umstrittener Vorschlag, den die CSU bisher ablehnte, der bei den Sondierungen kommende Woche aber am Tisch liegen wird.