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Politik Inland
04/06/2019

Klimastrategien: Wege zur CO2-freien Stadt

Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen will bis 2025 fossilfrei sein. Österreich ist da weit weniger ehrgeizig

von Bernhard Gaul

Die dänische Hauptstadt Kopenhagen hat weltweit die Latte hochgelegt, sehr hoch: Sie will bis 2025 keine fossilen Brennstoffe (Öl, Gas, Kohle) mehr verwenden. Dafür räumt die Stadtpolitik dem Fahrradverkehr Vorrang ein, legt Kohlekraftwerke still, baut Windparks und Biomasseanlagen und startet flächendeckend Projekte zum effizienten Einsatz der vorhandenen Energie.

 

Kopenhagen ist beispielgebend, erklärt der Umweltökonom Stefan Schleicher, weil fast die Hälfte der Menschheit in Städten wohnt, und das Projekt somit Vorbildwirkung hat.

 

In Österreich, das vorweg, hat keine Stadt ein ähnlich ehrgeiziges Klimaschutzziel. Es gilt das vage formulierte Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens, bis Mitte des Jahrhunderts keine fossilen Energieträger mehr zu verbrennen.

Derzeit bezieht Österreich zwei Drittel seiner Energie aus fossilen Quellen, zudem haben wir seit drei Jahren steigende Treibhausgas-Emissionen, nicht sinkende, woran vor allem der Verkehr schuld ist. Für Verkehrsminister Norbert Hofer stellt das ein immenses Problem dar, tief greifende Maßnahmen für eine Trendumkehr hat der Freiheitliche noch keine gesetzt. Ganz im Gegenteil, klagt der Städtebund: Die Regierung hat 2018 den einzigen Fördertopf („Klimaaktiv mobil“) für den Ausbau des Radverkehrs in den Städten auf null gesetzt.

 

Österreichs Städte sind nach wie vor massiv vom Autoverkehr abhängig. „Jetzt sind dringend klare Zusagen zur Mittelverteilung seitens des Bundes nötig, um die österreichischen Ballungsräume vom Verkehr zu entlasten“, verlangt der Generalsekretär des Städtebundes, Thomas Weninger.

 

Graz, Wien, St. Pölten, Linz, Innsbruck, die Region Villach-Klagenfurt und das Rheintal – alle haben Verkehrsprobleme und warten auf Zusagen des Bundes.“ Die Landesverkehrsreferenten würden als Minimalziel fast zehn Milliarden Euro für den Ausbau der Infrastruktur bis 2030 benötigen.

 

Vier konkrete Bereiche sieht Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich als unabdingbar zur Entlastung der Städte an: Die Öffis müssten öfter und aufgrund der flexiblen Arbeitszeiten auch im Umland der Städte bis spät in den Abend hinein fahren. Die Park&Ride-Angebote sollten weiter ausgebaut und auch der Busverkehr in den Abendstunden in den Umlandgemeinden ausgebaut werden. Die Arbeitgeber müssten echte Anreize setzen, damit die Angestellten nicht mehr mit dem Auto kommen. Und es brauche echten Vorrang für Radler, etwa durch den Bau von Rad-Autobahnen.

Strom und Wärme

Spannend bleibt, wie die Regierung das Ziel, bis 2030 Strom nur mehr aus erneuerbaren Energieträgern zu beziehen, umsetzen wird. Beim Energiesparen gibt es aber bereits viel versprechende Projekte, etwa in Wien der Bildungscampus Aspern Nord für 1400 Schüler oder die Wohnhausanlage Mühlgrundgasse mit 155 Wohnungen. Dort werden nur -neutrale Technologien wie Erdwärmepumpen, Solarstrom und eine „Betonkernaktivierung“ eingesetzt – alle Böden, Wände und Decken sind gleichsam Heizung, Kühlung und Energiespeicher in einem. Der dafür notwendige Strom wird von nahen Windkraftanlagen zu Mini-Preisen bezogen, wenn diese Überschussstrom produzieren, erklärt Bernd Vogl von der Wiener MA 20 (Energieplanung).

Da macht Hoffnung, dass sechs ähnliche Projekte allein in Wien in Planung sind.

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