Politik | Inland
02.10.2017

Bachmayer: "Kern ist nun eine lahme Ente"

OGM-Chef Wolfgang Bachmayer analysiert die Folgen der SPÖ-Pannen.

KURIER: Herr Bachmayer, ist das ein Supergau für die SPÖ?

Wolfgang Bachmayer: Da muss man tief Luft holen, um alle Fehler und Pannen zusammen zu fassen: Ein Überblick: CETA-Abstimmung, Vollholler, Streit im Wahlkampfteam, Verhaftung des Beraters Silberstein, Kampagnenwechsel vom innovativen Plan A hin zu Klassenkampf, Häupls Rücktrittsankündigung für Jänner, die unzeitige Oppositionsansage, Mauerbau am Ballhausplatz, Inseraten-Affäre, die Sorge der EU-Granden vor der FPÖ mit der versteckten Botschaft, "die EU-Sanktionen lassen grüßen".

Wir stark werden sich die Pannen auf das Wahlergebnis auswirken?

Wenn das die SPÖ nicht Stimmen kostet, was sonst. Kern ist zuletzt als Kanzler gar nicht mehr in Erscheinung getreten. Er vermittelt nicht das Bild eines Regierungschefs, der das Land führt. Wenn man nicht einmal den Wahlkampf, das Team und die eigene Partei im Griff hat, wie soll man dann das Land führen. Das ist eine extrem fatale Entwicklung, die sich am 15. Oktober niederschlagen wird.

Kommt Kern aus der Sache überhaupt noch heraus?

Nein. Ich verwende seine Worte: "Das pickt wie Kaugummi an den Schuhsohlen." Kern hat die Themenführerschaft und die größte Aufmerksamkeit erlangt, aber im verkehrten Sinne.

Von Kern bleibt, dass er eine tragische Figur ist?

Er hat keine Chance mehr. Zu Beginn der TV-Duelle hätte ich ihm zugetraut – er ist telegen und rhetorisch ausgezeichnet – bei besonders guten Auftritten und gleichzeitig Schwächen der anderen noch Boden gut machen zu können. Das ist jetzt hinfällig. Bei den bevorstehenden TV-Debatten werden die Gegner sich fragen, warum sie noch mit ihm reden, wenn er bald weg sein wird. Hut ab, wenn er versucht, pflichtgetreu bis zum Ende durchzuhalten.

Sie gehen davon aus, dass er keinen Chance mehr bei den TV-Debatten hat?

Die wichtigsten Debatten stehen noch bevor. Die Moderatorinnen und Moderatoren werden kritische Fragen über Pannen und Dirty Campaigning stellen müssen. Kern ist nun in den künftigen TV-Debatten eine lahme Ente.

Von einem Maulwurf ist die Rede. Könnte die ÖVP oder eine andere Partei involviert sein?

Das hat Kern in seinem Statement angedeutet. Hilflos ist, eine Taskforce einzurichten, das ist schlechte Defensive. Kern hat versucht, eine Handgranate zu werfen und angesichts des Supergaus der SPÖ die ÖVP anzupatzen. Das wird investigativ von den Medien untersucht werden. Faktum ist, dass es keinen Themenwahlkampf mehr gibt, sondern einen CSI-Wahlkampf. Der Wahlkampf wird noch schmutziger. Wenn sich nichts in der ÖVP findet, schlägt das noch mehr auf Kern zurück. Davon profitiert dann ÖVP-Chef Kurz.

Wem nützt das SPÖ-Debakel?

Die FPÖ und die kleineren Parteien profitieren, möglicherweise auch die ÖVP, die bisher von Anschuldigungen verschont geblieben ist.