© Getty Images/BanksPhotos/istockphoto.com

Politik Inland
07/23/2021

Verkehrsplaner: „Je attraktiver die Straße, desto mehr wird gefahren“

Angebot erzeugt Nachfrage, erklärt Verkehrsplaner Günter Emberger – die Politik sei aber „lernresistent“.

Günter Emberger ist Leiter des Forschungsbereichs für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der Technischen Universität Wien (TU).

KURIER: Bedeuten mehr Straßen automatisch mehr Verkehr – oder entlasten neue Straßen die alten?

Günter Emberger: Wenn Sie Infrastruktur bauen, wird sie genutzt. Mehr Straßen erzeugen mehr Straßenverkehr. Mehr öffentliche Verkehrsmittel erzeugen mehr Öffi-Verkehr. Man nennt das induzierten Verkehr – Angebot erzeugt Nachfrage.

Sind die Menschen dann auch mehr unterwegs?

Nein, die Wegeanzahl und die Wegdauer sind seit Jahren relativ konstant. Die Österreicher haben im Schnitt 3,3 Wege pro Tag und sind ca. 85 Minuten unterwegs. Was sich verändert hat, ist das verwendete Verkehrsmittel und damit die Weglänge. Die Längen werden immer häufiger mit dem Auto zurückgelegt.

Wenn es auf einer Straße immer Stau gibt, braucht es da nicht eine zweite, bessere?

Nein, weil es dort wieder Stau gibt. Je attraktiver die Straße, desto mehr wird gefahren. Das zeigen Studien und Erfahrungen, aber die Politik ist lernresistent. Jedes Kind, das ein Mal auf eine heiße Herdplatte greift, greift kein zweites Mal hin.

Wie vermeidet man das?

Stau ist ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage auf einer bestimmten Verkehrsachse sehr hoch ist. Man könnte diese Strecken wunderschön nutzen, um den öffentlichen Verkehr genau dort auszubauen und den Menschen mit einem attraktiven Angebot aus dem Auto helfen.

Viele wollen aber nicht mit den Öffis fahren, sondern selbstständig mobil sein.

Man darf niemanden dazu zwingen, aber der Politik sollte bewusst sein, dass jeder Euro, der in die Straßen geht, für den öffentlichen Verkehr verloren ist. Die Frage ist, welche Mobilität wir für die Zukunft wollen.

Ist es glaubwürdig, wenn man sagt, man baut aus Rücksicht vor dem Klima nur noch das Allernötigste?

Nur noch diese eine Straße, dann ist Schluss? Das geht ja immer so weiter. In Österreich kommt man derzeit schon mit dem Auto zu jedem Punkt – wir haben das verhältnismäßig längste Straßennetz Europas. Was wir in Österreich Stau nennen, ist nichts im Vergleich zu vielen anderen Ländern.

Was schlagen Sie vor?

Ein Umdenken: Momentan ist alles auf den Individualverkehr ausgerichtet – grüne Welle gibt es nur für Autos. In Straßburg beispielsweise sind die Ampeln so geschaltet, dass die Straßenbahn ohne Stopp von Station zu Station fahren kann und die Passagiere keine Zeit verlieren. Das ist auch ein Signal an die Bevölkerung, wo die Prioritäten liegen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.